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Coronavirus / Flucht und Migration

Diakonie: Zu wenig Schutz vor Corona in Flüchtlingsunterkünften

Schild mit der Beschriftung Erstaufnahmeeinrichtung
Bild: © kamasigns- Fotolia.com

Die Diakonie Deutschland fordert eine dezentrale Unterbringung von geflüchteten Menschen in kleinen Einrichtungen innerhalb der Kommunen. Es gehe nicht nur um den Gesundheitsschutz der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch um das Gemeinwohl. Die bislang genutzten großen Unterkünfte seien eine strukturelle Fehlentscheidung und stellten ein Gesundheitsproblem für die gesamte Bevölkerung dar.

Mit Blick auf die Ausbrüche des Corona-Virus in Flüchtlingsunterkünften in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz fordert die Diakonie Deutschland schnelles Handeln. Dazu erklärt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie:

„Bei den Maßnahmen zum Schutz vor Ausbreitung der Corona-Pandemie wurden Geflüchtete weitestgehend vergessen. Die hohe Zahl an Infizierten bestätigt unsere Warnungen, dass vor allem in den großen Aufnahmeeinrichtungen mit mehreren hundert Bewohnerinnen und Bewohnern trotz Hygienemaßnahmen kein ausreichender Infektionsschutz gewährleistet werden kann. Menschen sind hier oft auf engstem Raum in kleinen Mehrbettzimmern mit bis zu vier oder sechs Personen, gemeinschaftlich zu nutzenden Dusch- und Waschräumen, Toiletten und Küchen ohne Ausweichräumlichkeiten untergebracht. Aufgrund der Inkubationszeit und der dichten Belegung breitet sich das Virus in diesen Einrichtungen besonders schnell aus.“

Die Ansteckungsgefahr könnte gemäß den aktuellen Zahlen dem 50fachen der Allgemeinbevölkerung entsprechen. Jetzt zeigt sich wieder, dass die großen Unterkünfte eine strukturelle Fehlentscheidung und ein Gesundheitsproblem für die gesamte Bevölkerung darstellen. Sie sollten jetzt so schnell wie möglich aufgelöst und die Menschen in kleinere Einrichtungen in den Kommunen verteilt werden. Auch die Diakonie steht im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne bereit, hier einen Beitrag zu leisten. Das gebietet nicht nur die Sorge um unsere Mitmenschen, sondern ist auch ein öffentlicher Beitrag zum Gemeinwohl und zur Vorsorge bei den Geflüchteten, die in diesem Land leben.

Hintergrund

In einer Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt am Main wurden insgesamt 67 Infizierte gezählt. Auch in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz ist es zu einem Ausbruch der Krankheit gekommen: Wegen mehrerer bestätigter Corona-Fälle ist eine Mainzer Flüchtlingsunterkunft mit derzeit 113 Bewohnern unter Quarantäne gestellt worden. Seit dem Corona-Ausbruch vor einer Woche Im Sankt Augustiner Flüchtlingsheim bei Bonn haben sich über 150 der knapp 500 Bewohner mit dem Virus infiziert, darunter 13 Mitarbeitende.

Weitere Informationen finden sich im Themenschwerpunkt Flüchtlingshilfe der Diakonie Deutschland. In seinem Blog äußert sich außerdem Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Europa.

Auf der Corona-Informationsseite der Diakonie Deutschland finden sich umfassende Hilfs- und Informationsangebote. 

Quelle: Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. vom 22.05.2020

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