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Coronavirus / Sozialpolitik

Diakonie: Corona-Pandemie darf nicht zur Ausbildungskrise werden

Eine junge Frau afrikanischer Herkunft sitzt mit einem Mann im Gespräch und lächelt
Bild: © Daniel Ernst - fotolia.com

Die Corona-Pandemie gefährdet Ausbildungsplätze. Erste Zahlen machen deutlich, dass coronabedingt weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen und junge Menschen vermehrt Absagen erhalten. Darauf weist die Diakonie Deutschland hin und fordert die berufliche Perspektive junger Menschen mit Förderbedarfen im Blick zu behalten. Besonders groß sei außerdem die Verunsicherung bei jungen Geflüchteten.

Mit dem in dieser Woche im Bundestag verabschiedeten Nachtragshaushalt soll auch das geplante Förderprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ finanziert werden. Ziel ist, die Zukunft von Auszubildenden unter anderem auch in den Gesundheits- und Sozialberufen zu sichern.

Junge Menschen mit Förderbedarfen im Blick behalten

Die Diakonie Deutschland setzt sich dafür ein, dass durch das Programm insbesondere die berufliche Perspektive junger Menschen mit Förderbedarfen gesichert wird. „Die Corona-Krise darf nicht zu einer Krise der beruflichen Bildung werden! Wir begrüßen, dass das Konjunkturpaket auch einen Rettungsschirm für die Ausbildung spannt“, sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Die geplante Förderung der Ausbildung in kleineren und mittleren Betrieben (KMU) sei richtig und wichtig, denn trotz Ausbildungsprämien ist ein Rückgang von Ausbildungsverträgen zu verzeichnen. Gerade für junge Menschen mit einem Haupt- und Förderschulabschluss werde es noch schwieriger, eine Ausbildungsstelle zu finden.

„Über- und außerbetriebliche Ausbildungsangebote müssen gesichert und gegebenenfalls ausgebaut werden, verbunden mit individueller Unterstützung für Jugendliche mit schlechten Startchancen“, betont Loheide „Junge Menschen dürfen durch die Corona-Krise jetzt nicht den Anschluss verlieren. So müssen sie die Möglichkeit haben, ihre Prüfungen nachzuholen und die Ausbildung später wiederaufzunehmen.“ Auch müssten Ausbildungsförderungen während dieser schwierigen Zeit weiter gewährt werden.

Verunsicherung bei jungen Geflüchteten mit Ausbildungsduldung

Besonders groß sei die Verunsicherung bei jungen Geflüchteten mit Ausbildungsduldung. Der Berufsschul- und Sprachunterricht, der für das Bestehen der Prüfung so wichtig ist, ist coronabedingt ausgefallen. Durch die wirtschaftliche Krise werden weniger Ausbildungsplätze angeboten. „Jungen Geflüchteten droht durch Verlust des Ausbildungsplatzes auch der Verlust ihres Aufenthaltsrechts – und das völlig unverschuldet. Sie brauchen dringend Unterstützung, um schnell wieder einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagt Loheide.

Mit Blick auf die Gewinnung von jungen Menschen für eine Ausbildung in der Pflege hofft die Diakonie, dass Pflegeeinrichtungen von dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ profitieren können. „Die Fördervoraussetzungen berücksichtigen bisher unzureichend die Situation in den Ausbildungseinrichtungen der Altenpflege, die gerade in diesen schwierigen Zeiten gestärkt werden sollten. Das Programm ‚Ausbildungsplätze sichern‘ sollte einen deutlichen Impuls zur Stärkung der Pflegeausbildung setzen“, betont Maria Loheide.

Weitere im Informationen zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ finden sich auch in der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Quelle: Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. vom 01.07.2020