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Jugendherbergen

Das Bedürfnis nach Gemeinschaftserlebnissen war nie größer und noch nie so schwierig zu realisieren

Doppelstockbetten in einer Jugendherberge
Bild: Hans - pixabay.com

Der Verband der rheinischen Jugendherbergen bietet in 33 Häusern außerschulische Angebote und Erholung an. 2020 hätte ein Rekordjahr werden können. Doch trotz erheblicher Einbußen durch Corona konnte der Gemeinwohlauftrag erfüllt werden, auch dank Kreativität bei der Findung neuer Nutzungsalternativen.

Gemeinschaft erleben? Ein großes Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen als Folge der Coronapandemie. Mit pädagogisch betreuten Klassenfahrten und Ferienfreizeiten sind die Jugendherbergen im Rheinland darauf spezialisiert. Auch erlebnisreiche Familien- und Vereinsaufenthalte sind Schwerpunkte der Arbeit der Jugendherbergen als gemeinnützigem Verein. Alle Angebote richten sich dabei an Werten aus, wie: Toleranz, Weltoffenheit, respektvollem Miteinander und außerschulischem Lernen unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft.

Das Jahr 2020: Qualitativ sehr erfolgreich – quantitativ sehr schwierig

Es war in 2020 außerordentlich motivierend zu erleben, wie groß der Zuspruch und die Begeisterung der Gäste für die Reisen und Reiseprogramme war, die die Jugendherbergen im Rheinland anbieten konnten. Umso enttäuschender stellten sich die notwendigen, auf Grund der Coronabestimmungen sehr eingeschränkten Möglichkeiten dar. Umfangreiche coronakonforme Hygienekonzepte für den Aufenthalt und die Programme haben es möglich gemacht, 403.786 Übernachtungen in 2020 zu realisieren. Dies entspricht jedoch einem Rückgang der Übernachtungen zum Vorjahr von 59,80 %.

„Auf Grund der hervorragenden Reservierungen Ende Februar versprach 2020 das bisher erfolgreichste Jahr für den Landesverband zu werden“, so Oliver Mirring, der Geschäftsführer des DJH-Landesverband Rheinland e.V.: „Mit Ausbruch der Coronapandemie und der Absage der Klassenfahrten mussten wir sehr schnell alle Möglichkeiten zur Kosteneinsparung nutzen, um die wirtschaftlichen Konsequenzen des Lockdowns zu überstehen“, beschreibt Mirring weiter. Insgesamt musste der DJH Landesverband Rheinland einen Übernachtungsverlust von ca. 60 % hinnehmen. Jedoch durften sich die Jugendherbergen über den besonderen Erfolg der Durchführung von Ferienfreizeiten in den Sommer- und Herbstferien freuen. Es konnten trotz Pandemie 50 Aktivreisen für Kinder, Jugendliche und Familien mit mehr als 2.000 sehr zufriedenen Gästen realisiert werden.

Eine weitere Wertschätzung der Arbeit der Jugendherbergen im Rheinland bezeugen die sehr treuen DJH-Mitglieder. Trotz Corona konnten die Mitgliederzahlen auf einem sehr hohen Niveau von 329.000 Mitgliedern gehalten werden. Das bedeutet eine Veränderung zum Vorjahr von -2,7 %. „Wir möchten uns bei unseren Mitgliedern für diese großartige Unterstützung sehr herzlich bedanken“, so Oliver Mirring im Namen des gesamten Landesverband Rheinland e.V. des Deutschen Jugendherbergswerkes.

Der „Gemeinwohlauftrag“ konnte 2020 erfüllt werden

Viele Jugendherbergen konnten sich über den Aufenthalt von Gästen freuen, die sonst nicht zu den Gästegruppen zählen: Jugendherbergen wurden in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Köln und Düsseldorf, mit Städten und Vereinen genutzt, um dringend benötigte Unterkünfte für Flüchtlinge, Obdachlose, Frauenhaus-Bewohnerinnen und andere Gästegruppen zur Verfügung zu stellen. Diese Gäste generierten für den DJH-Landesverband Rheinland wichtige Umsätze und die Jugendherbergen konnten mit ihren zur Verfügung gestellten Möglichkeiten das Gemeinwohl in der Krise unterstützen. Weitere wichtige Maßnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung wurden mit Kurzarbeit, Ausgaben- und Investitionsstopps ergriffen. So konnten Schließungen von Jugendherbergen vermieden werden.

Nicht zuletzt haben der Bund und das Land NRW geholfen

Der Landesverband Rheinland hat im Jahr 2020 Beihilfen aus drei verschiedenen Hilfspaketen von Bund und Land erhalten. Wie hoch die Hilfen am Ende tatsächlich ausfallen ist noch offen. Die Beihilfen stammen aus verschiedenen Bundes- und Landestöpfen, die miteinander verrechnet werden. Dieser Vorgang ist noch nicht final geklärt.

Ausblick 2021

Der aktuelle Erlass zum Verbot von Klassenfahrten bis zum 05.07.2021 hat die Jugendherbergen im Rheinland schwer getroffen. Auch für diesen Zeitraum waren die pädagogisch betreuten Programme für Schulklassen fast ausgebucht. Der DJH Landesverband Rheinland als Experte für außerschulisches Lernen bedauert sehr, dass er damit vorerst dem dringenden Bedürfnis von Schüler(inne)n und Lehrer(inne)n nach Gemeinschaftserlebnissen, Teamtrainings für Klassenfahrten und der Schulung von sozialen Kompetenzen nicht gerecht werden kann. Eine Perspektive, was die Durchführung von Klassenfahrten angeht, wäre wichtig, politische Unterstützung hochwillkommen.

Die Jugendherbergen im Rheinland vermissen ihre Gäste sehr. Mit praxiserprobten Hygienekonzepten, geschulten Mitarbeiter(inne)n, pädagogisch betreuten Programmen für Kinder, Jugendliche, Familien, Schulklassen und Gruppen ist alles bereit für die Saison 2021. Und obwohl ab jetzt jede Übernachtung zählt, zeichnet es sich heute schon ab, dass auch 2021 Beihilfen nötig sein werden, damit die Jugendherbergen, im Rheinland wie im Rest der Republik, ihrem Satzungsauftrag als gemeinnütziger Verein nachkommen und auch zukünftig großartige Gemeinschaftserlebnisse für alle möglich machen können.

Quelle: Zentrale der Jugendherbergen im Rheinland vom 25.02.2021

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