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Coronavirus / Sozialpolitik

Caritas zur Debatte um eine nachhaltige Überwindung der Corona-Krise

Eine Straße in einer deutschen Stadt, die vollkommen verlassen scheint, rechts im Bild ist eine Bushaltestelle zu sehen
Bild: Sangga Rima - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Mit Blick auf die Beratungen zur Lockerung der Maßnahmen in der Corona-Krise hat der Deutsche Caritasverband dazu aufgerufen, verletzliche Menschen besonders in den Blick zu nehmen. Außerdem betont der Wohlfahrtsverband den Stellenwert von Online-Beratung und Informationsarbeit und fordert dafür die kurzfristige Bereitstellung finanzieller Mittel.

„Es braucht jetzt eine besonnene Abwägung zwischen der Rückkehr zur gesellschaftlichen Normalität und dem nach wie vor notwendigen Schutz der Menschen“, sagt Caritas-Präsident Peter Neher mit Blick auf das Gespräch der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten zur Lockerung der Maßnahmen in der Corona-Krise. „In der Krise, gerade auch bei den Wegen aus dem Shutdown, müssen die politischen Entscheider verletzliche Menschen besonders in den Blick nehmen. Ältere, alleinlebende Menschen beispielsweise, aber auch Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge, Migranten ohne deutsche Sprachkenntnisse oder Obdachlose brauchen verständlich dargebotene Informationen, um sich in der Krise orientieren zu können. Das gilt für Informationen über die Entscheidung, wo und wie die Beschränkungen des Alltags jetzt gelockert werden können, und es gilt für die Erklärung der Entscheidungen“, fordert Neher. Caritas und andere Wohlfahrtsverbände leisten ihren Beitrag – etwa mit neuen Formen der peer-to-peer-Beratungen und mit sozialen Diensten, deren Türen digital offen stehen.

Starker Anstieg bei Online-Beratungen

Zwar ist seit Beginn der Corona-Krise der persönliche Kontakt in den Beratungsstellen der Caritas stark eingeschränkt, gleichzeitig boomt die Zahl der Online-Ratsuchenden. Im April hat sich bis jetzt die Anzahl an täglichen Anfragen im Vergleich zu den Vormonaten mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Ratsuchenden erhöhte sich im März um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In einigen der 16 Beratungsfelder gibt es Steigerungen um mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

In der Online-Beratung sind in den vergangenen Wochen deutlich mehr Berater/-innen tätig geworden. Mittlerweile beraten mehr als 3.000 Berater/-innen bundesweit über diese Plattform. Täglich kommen neue hinzu, sobald sie die Qualifizierung dazu abgeschlossen haben. „Wir gehen davon aus, dass der Ansturm von Hilfesuchenden in der Online-Beratung in den kommenden Wochen weiter deutlich zunimmt und sich die Online-Beratung als niedrigschwelliger Zugangsweg dauerhaft etabliert. Um nicht an unsere technischen Grenzen zu geraten, brauchen wir dringend und kurzfristig finanzielle Mittel, damit wir mit unserer Online-Beratung den Menschen in Corona-bedingten Notlagen und darüber hinaus deutschlandweit zur Seite stehen können“, fordert Caritas-Präsident Neher.

Leopoldina zu Hilfsangeboten

Das Gutachten der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina bestätigt beispielsweise, dass qualifizierte Hilfeangebote wie Hotlines und Webseiten zum Umgang mit Ansteckungsgefahren, Angst, Depression, häuslicher Gewalt notwendig sind und niederschwellig und barrierefrei zugänglich sein müssen: „Hier müssen kurzfristig Antragsmöglichkeiten für finanzielle Unterstützung und die wissenschaftliche Bewertung der Maßnahmen verbessert werden“, so das Gutachten.

Hintergrund

Das Online-Beratungsportal der Caritas besteht seit einigen Jahren und befindet sich seit 2019 in einer grundlegenden Neukonzeption. Es umfasst aktuell 16 Beratungsbereiche. Die Online-Beratung bietet eine niedrigschwellige und datensichere Lösung, um weiterhin mit den Menschen in Kontakt zu sein. An die Online-Beratung können sich Menschen mit Suchtthematiken, Schulden, Erziehungs- und Beziehungsproblemen, Schwangere, aber auch junge Menschen mit Suizidgedanken, uvm. wenden. Auf geschütztem Weg können sie über das Internet die Hilfe der Fachleute aus der Caritas in Anspruch nehmen.

Quelle: Deutschen Caritasverbandes vom 15.04.2020

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