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Coronavirus / Familienpolitik

AWO fordert mehr Hilfe für arme Familien in der Corona-Krise

In zwei nach vorne gestreckten Händen liegen mehrere Geldscheine
Bild: Christian Dubovan - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Mit dem am 29. April beschlossenen Sozialschutz-Paket II wurden wichtige Regelungen getroffen. Diejenigen, die am dringendsten Hilfe benötigen, bleiben aber außen vor. Armen Menschen und vor allem Kindern hilft das Paket nicht in der Not. Die Arbeiterwohlfahrt hat den Gesetzesentwurf geprüft und fordert in einer Stellungnahme Nachbesserungen.

Wolfgang Stadler, Vorstandsvorsitzender des AWO Bundesverbandes erklärte: „Insgesamt sieht der Gesetzesentwurf an vielen Stellen begrüßenswerte und nachvollziehbare Regelungen und Änderungen vor, um die wirtschaftlichen und sozialen Härten im Zuge der Corona-Pandemie zu adressieren.“ Die Anhebung des Kurzarbeitergeldes und die Verlängerung des Arbeitslosengeldbezugs sind aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt angemessene Schritte, um Beschäftigte und Personen im Bezugskreis der Arbeitslosenversicherung zu unterstützen.

Aber: Leider haben arme Menschen das Nachsehen, denn eine Anpassung existenzsichernder Leistungen ist nicht vorgesehen“, so Stadler weiter. Die Folgen der Pandemie seien aber für arme Menschen schon jetzt besonders teuer: Viele Sozialleistungen fallen weg und Zugänge sind erschwert, während der nötige „Lockdown“ gleichzeitig Mehrkosten verursacht. Die Menschen zu Hause verbrauchen mehr Strom, die Tafeln sind geschlossen, Lebensmittel werden teurer. Kinder, die bisher nach dem Bildungs- und Teilhabepaket Anspruch auf ein kostenloses Mittagessen haben, müssen jetzt zu Hause bleiben.

Statt den Familien unbürokratisch mehr Geld zur Verfügung zu stellen, damit sie ihre Kinder versorgen können, wird darüber nachgedacht, sie zu beliefern oder Essen in Einrichtungen auszugeben. „Entweder wird also die ganze Nachbarschaft Zeuge der eigenen Armut oder Kinder und ihre Eltern werden gezwungen, sich für die Essensausgabe in Schlangen zu stellen: Es droht entweder soziales Stigma oder ein hohes Infektionsrisiko“, warnte der AWO-Vorstandsvorsitzender.

Stadler betonte: „Wir dürfen die Folgen für den Schutz von uns allen nicht auf den Schultern dieser Menschen abladen. Wir brauchen einen monatlichen Corona-Regelsatzzuschlag und der Bildungs- und Teilhabeanspruch sollte als pauschale Geldleistung ausgezahlt werden. Wir fordern unbürokratische finanzielle Hilfe, die weder Gesundheitsrisiken noch Stigmatisierung mit sich bringt!“

Das Positionspapier mit allen Forderungen (PDF, 133 KB) steht auf der Webseite der AWO zum Download zur Verfügung.

Quelle: AWO Bundesverband e.V. vom 30.04.2020