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Forderung

Ärzte fordern von der Politik mehr Berücksichtigung der Belange von Kindern

Kinder schauen von einem erhöhten Raum nach unten und lachen
Bild: National Cancer Institute - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein-Westfalen fordern, dass die Politik die kindlichen Belange in der Corona-Pandemie endlich angemessen berücksichtigt. Die BVKJ-Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe kritisieren die Art und Weise, wie die Politik in der Pandemie bislang mit den Interessen der Kinder und Jugendlichen verfahren ist.

„Schulen schließen, Schulen öffnen – wir haben das Gefühl, den Politikern fällt nicht viel mehr ein als die Einrichtungen an- und auszuschalten“, erklärt Christiane Thiele, Vorsitzende des Landesverbands Nordrhein des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): „Wir Erwachsenen haben oftmals die Möglichkeit, im weiter ausgeübten Beruf, zumindest im Homeoffice, ein Mindestmaß an Sozialkontakten aufrechtzuerhalten. Den Kindern hingegen fehlt bei Schließung von KiTas und Schulen der Austausch mit Gleichaltrigen. Und in der Kindheit ist gerade der soziale Austausch ein Motor von Entwicklung – den stehlen wir unseren Kleinsten!“

Dr. Marcus Heidemann, Landesverbandsvorsitzender für Westfalen-Lippe, ergänzt: „Besonders betroffen sind von den Schließungen die Allerschwächsten. Schließt die heilpädagogische KiTa oder die Förderschule, dann fällt nicht nur der Schulunterricht weg, sondern auch weitere Förderungen und Therapien, die an den Schulbesuch gebunden sind. Keine Krankengymnastik, keine Logopädie. Und das bei Kindern mit Behinderung, die auf die Entwicklungsunterstützung zwingend angewiesen sind.“

Es braucht tragfähige Konzepte

Der BVKJ will dabei nicht tatenlos zusehen. „Wir unterstützen die Politik gerne dabei, tragfähige Konzepte zu erarbeiten“, bietet Heidemann an. „Als Ausgangspunkt haben unsere Landesverbände ein Positionspapier erstellt, welches unsere Haltung glasklar zum Ausdruck bringt. Die Belange von Kindern müssen einfach an jeder Stelle mitberücksichtigt werden.“

Wie das funktionieren kann führt Thiele weiter aus: „Es gibt bereits gute Leitlinien und Schutzkonzepte zur Schulöffnung in der Pandemie. Bei der Umsetzung helfen wir gerne. Auf allen Ebenen. Hier rächt sich übrigens, dass die einzelnen Kreise in NRW in den letzten Jahrzehnten beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst in den Gesundheitsämtern ihre Sparwut ausgelebt haben. Die gesetzliche Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Betriebsarzt für Schülerinnen und Schüler zu sein, wurde sträflich vernachlässigt und kann jetzt in der Pandemie quasi überhaupt nicht mehr ausgeübt werden. Sei es wie es sei, wir müssen jetzt handeln und Kinder – gerade in der Pandemie – wieder viel stärker in den Fokus rücken. Es wird Zeit, dass wir die Schulen massiv finanziell und organisatorisch unterstützen, um endlich die schon lange vorhandenen Schutzkonzepte umsetzen zu können.“

Auszug aus der Stellungnahme

„Wenn in einigen Kommunen erneut Schließung von Schulen die erste und einzige Reaktion auf steigende Inzidenz ist , dann ist dies ein fundamentaler Angriff auf die Lebenssituation von Tausenden von Kindern. Der Versuch, die Gesundheit der Menschen im Hinblick auf Corona zu schützen, darf dabei nicht weiter leichtfertig die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern gefährden. Der ganzheitliche Gesundheitsschutz der Bevölkerung besteht aus mehr als dem Inzidenzwert der Coronapandemie, er muss auch das Wohlergehen und die seelische Entwicklung von Kindern im Blick haben, die zunehmend unter seelischen Störungen und Beeinträchtigungen der Entwicklung leiden.“ (Stellungnahme des BVKJ)

Weitere Informationen

Die vollständige Stellungnahme mit den konkreten Forderungen des BVKJ findet sich auf der Webseite des Verbands.

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) vom 19.03.2021

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