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Weltkinderreport: Kinder mit Behinderung werden von der internationalen Hilfe vergessen

Der achtjährige Liban aus Somalia hat durch eine Bombenexplosion sein Bein verloren.
Bild: UNICEF, Grarup Der achtjährige Liban aus Somalia hat durch eine Bombenexplosion sein Bein verloren. In einem Ernährungszentrum erhält er Unterstützung. Jedes Jahr werden weltweit über 1.000 Kinder durch Minen oder Blindgänger verstümmelt oder getötet.

UNICEF hat am 30. Mai seinen Bericht über die Situation der Kinder in der Welt 2013 mit dem Schwerpunkt Kinder mit Behinderung veröffentlicht, der in Zusammenarbeit mit Handicap International entstanden ist.

Nach Angaben von UNICEF sind weltweit 93 Millionen Kinder unter 14 Jahren von einer Behinderung betroffen. Da die Daten aber häufig unvollständig sind, liegt diese Schätzung vermutlich unter der tatsächlichen Anzahl. Der Bericht beinhaltet Empfehlungen, um die weltweite Exklusion von Kindern mit Behinderung zu beenden, so fordert UNICEF die Staaten auf, die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zu unterzeichnen und durchzusetzen. Der Bericht zeigt auf, dass Kinder mit Behinderung häufiger von sozialer und schulischer Exklusion sowie von Armut und Gewalt betroffen sind. Dies ist umso Besorgnis erregender, da sich die Situation in den ärmsten Ländern noch verschlechtert, besonders, wenn Kinder mit Behinderung mit bewaffneten Konflikten, explosiven Kriegsresten oder Naturkatastrophen konfrontiert sind.

Eine inakzeptable Situation

Handicap International setzt sich in 61 Ländern für die besonders Schutzbedürftigen ein, dazu gehören insbesondere Kinder mit Behinderungen. Dies immer im Einklang mit den Empfehlungen von UNICEF. Handicap International geht in der täglichen Arbeit auf die Bedürfnisse dieser Kinder ein, sei dies in Notsituationen oder auch in der Entwicklungszusammenarbeit: Durch Prävention von Behinderungen, Rehabilitation, schulische Inklusion, psychologische Unterstützung oder die Zerstörung von Landminen und explosiven Kriegsresten - den Waffen, denen Kinder oft als Erste zum Opfer fallen. "Fast die Hälfte unserer direkten Begünstigten sind Kinder unter 18 Jahren. Unter allen Schutzbedürftigen sind sie oftmals die Verletzlichsten. Beispielsweise in Afghanistan sind 68% der Opfer von Landminen und explosiven Kriegsresten Kinder. Ein Viertel der Verletzten, um die sich Handicap International in Nord-Syrien kümmert, sind jünger als 12 Jahre. In den Entwicklungsländern haben fast 90% der behinderten Kinder keinen Zugang zu der benötigten Hilfe", erklärt Ludovic Bourbé, technischer Direktor bei Handicap International. "Diese Situation ist inakzeptabel. Der UNICEF-Report zeigt die größten Mängel bei der Betreuung von Kindern mit Behinderungen in Entwicklungsländern sehr gut auf. Aber mit den aktuell noch unzureichenden Finanzierungen ist es schwierig, die Situation zu verbessern."

Unzureichende Finanzierungen

Eine von Handicap International und HelpAge im Februar 2012 veröffentlichte Studie zeigt auf, dass weniger als 0,5% der internationalen humanitären Hilfe Menschen mit Behinderung zugutekommt. Behinderte Kinder, die besonderen Schutz brauchen, sind die Ersten, die von dieser Hilfe ausgelassen werden, und dies obwohl sie fast 100 Millionen ausmachen. Bei humanitären Krisen sind Menschen mit Behinderung aufgrund ihrer Mobilität oftmals mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert, etwa beim Zugang zu den wichtigsten Hilfeleistungen, wozu auch Leistungen im Gesundheitsbereich gehören. Es ist daher essentiell, dass die Akteure der humanitären Hilfe sicherstellen, dass ihre zur Verfügung gestellten Mittel diesen spezifischen Bedürfnissen entgegenkommen, durch eine gezielte und angepasste Unterstützung.

Download der Zusammenfassung des Berichts von UNICEF Deutschland (PDF)

Quelle: UNICEF vom 30.05.2013

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