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Sächsischer Förderpreis für Demokratie: Demokratieprojekte fördern statt um rechte Wähler buhlen

Viele Menschen stehen aufgereiht nebeneinander
Bild: rawpixel.com

Am Montagabend wurden sieben sächsische Initiativen und eine Kommune mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2017 ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung mit 300 Gästen in der Staatsoperette Dresden fand unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Martin Dulig statt.

Der Aufstieg der AfD zur stärksten Kraft in Sachsen ist die Folge politischer Versäumnisse über Jahrzehnte. Das Ausmaß rechter Gewalt wurde jahrelang ebenso verharmlost wie das Versagen der Behörden bei der Aufdeckung des NSU, der lange unentdeckt im Freistaat untertauchen konnte. Nicht zuletzt die rassistische und rechtspopulistische Pegida-Bewegung trägt seit inzwischen drei Jahren dazu bei, dass Sachsen bundesweit ein Image als Hochburg des Rechtsextremismus anhängt.

„Sachsen ist mehr als Pegida“

„Sachsen ist mehr als Pegida. Sachsen heißt auch, dass sich Tausende für eine Willkommenskultur für Geflüchtete einsetzen. Hunderte Initiativen setzen sich in Sachsen für Betroffene von Diskriminierung und rechter Gewalt ein, halten die Erinnerung an unsere Geschichte wach, leben echte Beteiligung vor und zeigen mit langem Atem Gesicht gegen Menschenfeinde, wo Behörden und politisch Verantwortliche lieber wegsehen“, erklärt Prof. Dr. Gerhard Ehninger, Erich-Kästner-Preisträger 2017 und Stiftungsrat der Cellex Stiftung, für die auslobenden Stiftungen. „Statt weiter Kurs nach rechts zu setzen, müssen Demokratieprojekte gestärkt und verstetigt werden. Niemand sollte jetzt den Fehler machen und um diejenigen buhlen, die die Demokratie ablehnen. Die Aufmerksamkeit sollte den Menschen gelten, die vor Ort die Demokratie lebendig halten und die sich dabei oft allein fühlen.“

Systematischer Aufbau demokratischer Beteiligungsprozesse

Kein Projekt zeigt so beispielhaft, wie die Antwort auf den Rechtsruck aussehen kann, wie die Hauptpreisträger RAA Hoyerswerda Ostsachsen e.V. und RAA Sachsen e.V. Als kompetente Unterstützungsagenturen bauen sie seit 1991 auf allen Ebenen schul-, verwaltungs-, betroffenenund trägernah systematisch demokratische Beteiligungsprozesse auf. Wie eine solche Zusammenarbeit zwischen Politik und Zivilgesellschaft gestaltet werden kann, zeigt der Kommunenpreisträger mit dem Helferkreis der Stadt Meerane.

Neben dem mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis und dem undotierten Kommunen-Preis wurden vier mit je 1000 Euro dotierte Anerkennungspreise verliehen:

  • Gerede – homo, bi und trans e.V. und RosaLinde Leipzig e.V. mit dem Projekt „Que(e)r durch Sachsen: Mobile Beratung im ländlichen Raum“
  • Geschichtswerkstatt Freiberg des Regionalen Bildungszentrums Eckert gGmbH mit dem Projekt „Zeit-Zeugen-Begegnungen“
  • Grass Lifter – ASA-FF e.V., Chemnitz/Zwickau, mit dem Theatertreffen „Unentdeckte Nachbarn“
  • Menschlichkeit als Tradition e.V., Stollberg im Erzgebirge

Der Sächsische Förderpreis für Demokratie wird ausgelobt von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung, der Sebastian Cobler Stiftung, der Cellex Stiftung, der Dirk Oelbermann Stiftung und der Stiftung Elemente der Begeisterung. Er wird seit 2007 jährlich vergeben.

Quelle: Sächsischer Förderpreis für Demokratie vom 06.11.2017

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