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Kindeswohl, Kindertagesbetreuung und Jugendarbeit – Aktuelle Kommentierungen zur Kinder- und Jugendhilfe

Logo der kommentierten Daten der Kinder- und Jugendhilfe (KomDat)
Bild: © AKJStat

Als Doppelausgabe widmen sich die Kommentierten Daten zur Kinder- und Jugendhilfe (KomDat) einer thematischen Vielfalt mit einer breiten Datengrundlage. Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatik (AKJStat) analysiert die von Jugendämtern im Jahr 2016 durchgeführten Gefährdungseinschätzungen, beleuchtet aktuelle Entwicklungen in der Kindertagesbetreuung und befasst sich mit der Kooperation von Jugendhilfe und Schule mithilfe der neuen Statistik zur Kinder- und Jugendarbeit.

Abgerundet wird das Heft mit einem Beitrag zu den jungen Volljährigen bzw. zum Übergang von den Hilfen zur Erziehung zu den Hilfen für junge Volljährige. Mit den „Mikrodaten“ wurde hier erstmals der Versuch unternommen, diese Schnittstelle genauer in den Blick zu nehmen.

Verfahren zur Kindeswohlgefährdung nach § 8a

Die Analysen zu den von Jugendämtern durchgeführten Gefährdungseinschätzungen markieren Herausforderungen für eine Weiterentwicklung der Praxis und zeigen zugleich weiteren Forschungsbedarf zum Thema Kinderschutz auf. Deutlich wird darauf hingewiesen, dass die Statistik nicht vernachlässigte und/ oder misshandelte Minderjährige zählt. Vielmehr messen die Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik die Aktivitäten der Jugendämter bei den gesetzliche vorgeschriebenen Verfahren nach § 8a SGB VIII. Der Beitrag beleuchtet aktuelle Entwicklungen der Statistik für das Jahr 2016 und stellt dabei die Verfahren mit dem Ergebnis „Kinderwohlgefährdung“ in den Mittelpunkt. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hatte Anfang Oktober 2017 die Zahlen für das Jahr 2016 vorgestellt. Demnach bestätigt jedes dritte 8a-Verfahren einen Gefährdungsverdacht. 

Bedeutungszuwachs der Kindertagesbetreuung 

Mit Blick auf die diesjährigen Daten zur Kindertagesbetreuung kommentiert die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik, dass im Lichte der weiter steigenden Nachfrage und des Platzausbaus „keine Qualitätsverschlechterung“  bereits eine gute Nachricht sei. Am Beispiel der Öffnungszeiten von Kitas wird verdeutlicht, dass Qualitätsausbau nicht bedeuten könne, allen individuellen Elternwünschen umstandslos zu entsprechen. Auf die unterschiedlichen Traditionen in Ost- und Westdeutschland wird besonders eingegangen.

Der Ausbau der frühkindlichen Bildungsangebote setzt sich indes in allen Altersgruppen fort. Dies schlägt sich nicht nur in einer steigenden Anzahl von Kindern nieder, sondern auch in einem Zuwachs des pädagogisch tätigen Personals in Kitas und Tagespflege. Ínsbesondere die Kindertagespflege gewinnt beim U3-Ausbau wieder stärker an Bedeutung. Bei der Qualifikation des Personals zeichnen sich allerdings nur geringere Veränderungen ab. Trotz des zunehmenden Fachkräftemangels findet kein verstärkter Rückgriff auf fachlich unqualifiziertes Personal statt. 

Kinder- und Jugendarbeit in der Kooperation mit Schule

Zum zweiten Mal in Folge beleuchtet KomDat die Kinder- und Jugendarbeit, was dank der verbesserten Erhebung zu den Angeboten möglich ist. Durch die erweiterten Auswertungspotenziale der neuen Statistik kann das Thema der Kooperation mit Schule besonders in den Blick genommen werden und liefert wichtige Hinweise für eine empirische Standortbestimmung der Kinder- und Jugendarbeit. Mithilfe der 2015 erstmalig erhobenen amtlichen Daten zu den öffentlich geförderten Angeboten der Kinder- und Jugendarebeit können Ergebnisse zur Kooperation von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe mit Schulen aus Sicht der Kinder- und Jugendarbeit empirisch analysiert werden. 

Demnach sich Angebote mit Schulen etabliert, aber keineswegs bestimmend. Die Kooperation findet mehrheitlich mit Grundschulejn statt und häufiger mit Ganztags- als mit Halbtagssschulen. Die Angebote werden durchschnittlich mit Schulkooperation mehr genutzt als ohne und finden zugleich häufig nicht im Schulgebäude statt. Inhaltlich stehen die Themenschwerpunkte Spiel, Sport und Kultur im Mittelpunkt. Ein Wandel der Kinder- und Jugendarbeit zur Hausaufgabenbetreuung ist nicht feststellbar. 

Volljährigkeit als Schwelle bei den Hilfen zur Erziehung

Schließlich wird das Thema der Jungen Volljährigen in den Blick genommen. Sie nehmen deutlich weniger Unterstützungsleistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch als Jugendliche, obwohl ihr Anspruch auf erzieherische Hilfen nicht mit der Volljährigkeit endet. Dieser seit Jahren stabile Befund der Kinder- und Jugendhilfestatistik bestätigt sich auch im Jahr 2015 wieder.  Der Fachbeitrag untersucht die Relevanz der Volljährigkeit für die Beendigung, aber auch Gewährung neuer Hilfen. Demnach ist die Volljährigkeit vor allem bei ambulanten Hilfen oftmals Grund für die Beendigung. Auch sind große Unterschiede Unterschiede zwischen den Jugendamtsbezirken feststellbar. 

Hintergrund 

Die Kommentierten Daten der Kinder- und Jugendhilfe (KomDAT) werden mehrmals im Jahr von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik herausgegeben. Die aktuelle Doppelausgabe der KomDat (PDF 7,5 MB) steht zum Download zur Verfügung. 

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik ist Teil des Forschungsverbundes DJI/TU Dortmund. Sie bereitet die Ergebnisse der amtlichen Statistik nutzerfreundlich auf und liefert regelmäßig fachliche Kommentierungen.

Quelle: Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/ Technische Universität Dortmund 

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