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Kasseler Informatiker helfen bei der Namenssuche fürs Baby

Mit Babyname Marie oder Paul im Trend, mit Kevin oder Chantal eher im Abseits? Wissenschaftler der Universität Kassel haben jetzt das Portal nameling.net entwickelt, das für Namenssuchende aktuelle Ergebnisse der Forschung anbietet.

Noch vor zwei Generationen war es scheinbar wesentlich unkomplizierter, einen Namen für das neugeborene Kind zu finden. Häufig fanden sich Namenspaten bei den Eltern oder Großeltern. Heutzutage haben es werdende Eltern aus verschiedenen Gründen schwerer. Es gilt, aktuelle Trends zu be- oder explizit zu missachten. Rollenmodelle, Vorbilder oder auch abschreckende Beispiele sind in Folge der globalen sozialen und medialen Vernetzung viel präsenter als noch zur Zeit unserer Vorfahren. Gleichzeitig führen Berichte über soziale und wirtschaftliche Benachteiligung von Kindern aufgrund ihres Vornamens (zugespitzt als “Kevinismus” und “Chantalismus” bezeichnet) zur Verunsicherung der Eltern. Es gibt sogar Foren im Internet, wo sich explizit über Namensanzeigen lustig gemacht wird. “Zurück zu den Wurzeln” heißt es nun, und in den Kinderkrippen spielen Oskar und Emma mit Paula und Hans. Also doch wieder die Namen der Großeltern?

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Folke Mitzlaff am Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel musste sich für das erwartete Baby auch all diesen Fragen stellen; und er suchte Hilfe bei Methoden der Wissensverarbeitung - zunächst als Freizeitprojekt nach Feierabend. Doch die Ergebnisse waren vielversprechend und es entstand der Nameling (nameling.net): eine Seite im Internet, die aktuelle Ergebnisse der Forschungsarbeit Namenssuchenden zur Verfügung stellt. Hierzu werden Beziehungen zwischen Namen, basierend auf dem gesamten Datenbestand der Wikipedia, berechnet. Aber auch aktuelle Trends werden durch kontinuierliche Beobachtung des Kurznachrichtendienstes ‘Twitter’ ermittelt. Der Nameling ist noch ein junges Projekt, liefert aber bereits überraschende Ergebnisse. Beispielsweise werden zu einem weiblichen norddeutschen Namen wie ‘Heike’ (http://nameling.net/name/Heike) tendenziell weitere weibliche Namen nordischen Ursprungs angezeigt, und ein persischer Name wie ‘Dariush’ (http://nameling.net/name/Dariush) führt zu weiteren Namen persischer Herkunft. Jeder Name, jede Kategorie (aus entsprechenden Artikeln der Wikipedia entnommen) lässt sich zur weiteren Navigation verwenden, und gefällige Namen können per Mausklick als Favorit gespeichert werden. Es ist sogar möglich, seine Favoriten mit Freunden bzw. der Partnerin/dem Partner zu teilen.

Wem Greta gefällt, dem gefällt auch Frieda
Für das Fachgebiet Wissensverarbeitung im Fachbereich Elektrotechnik/Informatik um Prof. Dr. Gerd Stumme bietet sich hier die Möglichkeit, existierende Verfahren zu testen und neue Verfahren anwendungsnah zu entwickeln. Prof. Stumme: “Mit zunehmender Nutzung des Namelings können wir noch aktuellere Empfehlungen anbieten. Jeder kennt die Verkaufsempfehlungen bei führenden Online-Händlern wie „84% der Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch jenes’“. Bei Nameling hieße es dann: „84% der Nutzer, denen Greta gefällt, gefällt auch Frieda“. Stumme ist sicher, dass über die Verknüpfung mit Geo-Lokationen der Nameling in Zukunft auch regionale Vorlieben erkennen wird. “Die zunehmende globale Vernetzung erschwert also einerseits werdenden Eltern die Namensfindung, bietet aber auch - wie der Nameling zeigt - interessante Möglichkeiten, Orientierung in der zunehmenden Menge verfügbarer Namen zu geben.“

Quelle: Universität Kassel

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