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Interview: Jugenddelegierter setzt sich für nachhaltige Entwicklung ein

Rupert Heindl und Jasmin Burgermeister
Bild: KLJB Rupert Heindl nahm mit seiner neuen Kollegin Jasmin Burgermeister am High Level Political Forum on Sustainable Development teil.

Rupert Heindl, Landesvorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern, ist als Jugenddelegierter bei den Verhandlungen der "Sustainable Development Goals" aktiv. In einem Interview hat er Fragen zu seiner Arbeit bei den Vereinten Nationen beantwortet.

Rupert, du warst bereits im Februar in New York. Wie unterschied sich dieses Treffen mit dem Treffen Anfang des Jahres?
Damals habe ich am ECOSO Youth Forum teilgenommen. Dieses wird speziell für die Beteiligung von Jugendlichen abgehalten. Die Ergebnisse des Youth Forums fließen jedoch nicht direkt in andere politische Prozesse auf UN-Ebene ein. Diesmal waren wir bei den Verhandlungen zum Post 2015-Prozess sowie beim High Level Forum on Sustainable Development. Diese beiden Prozesse spielen eine entscheidende Rolle für die Weltpolitik der nächsten 15 Jahre. Dementsprechend ist es für uns hier möglich, gemeinsam mit den VertreterInnen der Mitgliedsstaaten die Politik der UN sehr konkret mitzugestalten.

Was beeindruckt euch am meisten bei den Sitzungen in New York?
Die Sitzungen laufen meist sehr formal ab und es sind natürlich sehr viele Delegierte. Faszinierenderweise gibt es aber doch ganz große Ähnlichkeiten zu Verbandsversammlungen wie bei der KLJB. Sehr oft sind Gespräche auf dem Flur oder in nächtlichen Verhandlungen entscheidender für den Ausgang der Verhandlungen als die Statements im Plenum.

Wie steht ihr als Jugenddelegierte zu den Sustainable Development Goals (SDGs) als Nachfolger der Millennium Development Goals (MDGs)?
Die SDGs sind mehr als nur ein Nachfolger der MDGs. Sie gehen inhaltlich weit darüber hinaus. Während die Millenniumentwicklungsziele ihren Fokus auf den Entwicklungsländern hatten, sind Sustainable Development Goals eine Agenda für die ganze Welt. Wenn es um nachhaltige Entwicklung geht, ist auch Deutschland ein Entwicklungsland. Die SDGs sind eine große Chance, globale Probleme wie Klimawandel, Hunger und soziale Ungerechtigkeiten friedlich zu überwinden. Vielleicht sind sie auch die letzte Chance.

Was habt ihr dieses Mal in eurer Funktion als Jugenddelegierte eingebracht?
Der wichtigste Punkt ist mit Sicherheit die Jugendpartizipation. Momentan gibt es lediglich Jugenddelegierte in vier Delegationen, allesamt aus europäischen Staaten. Zum einen haben wir uns konkret bei anderen Staaten für die Einführung eines Jugenddelegiertenprogramms eingesetzt, zum anderen haben wir in Gesprächen mit dem Envoy on Youth und anderen Verantwortlichen konkrete Verbesserungsvorschläge für die Einbindung der Jugend vor Ort eingebracht. Neben der Jugendbeteiligung ging es uns bei den Verhandlungen um die SDGs vor allem auch darum, starke Formulierungen zum Thema Ressourcenverbrauch, Klimawandel und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung zu erreichen.

Wie werden die Teilnahme und die Beiträge der Jugenddelegierten angenommen?
Besonders im Prozess zu den SDGs wird die Zivilgesellschaft sehr ernst genommen. Die Mitgliedsstaaten haben verstanden, dass sich ein gesellschaftlicher Wandel nur dann umsetzen lässt, wenn man die Zivilgesellschaft auch von Anfang an daran beteiligt. Das führt zu einem sehr guten Klima mit vielen konstruktiven Diskussionen zwischen Mitgliedsstaaten und VertreterInnen der Zivilgesellschaft. Besonders als JugendvertreterInnen hatten wir das Gefühl, auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.

Im September sollen die Nachhaltigkeitsziele verabschiedet werden. Seit geraumer Zeit können die Vorlagen dazu online eingesehen werden. Wird es dabei noch große Veränderungen geben?
Die 17 Ziele stehen fest und auch bei den 169 Unterzielen wird es keine großen Veränderungen mehr geben. Allerdings gibt es noch Verhandlungen bezüglich des FfD (Financing for Development). Diese Verhandlungen sind sehr bedeutend, da es um die Finanzierung der Agenda geht. Auch die Formulierung, in welche die Ziele eingebettet sind, wird  noch heiß diskutiert.

Man hört wenig von den SDGs hier in Deutschland. Welche Möglichkeiten seht ihr, die Nachhaltigkeitsziele mehr in der Öffentlichkeit zu diskutieren?
Es passiert bereits einiges in Deutschland. Neben dem Rat für Nachhaltigkeit gibt es auch den Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung des Bundestags. Es gibt also schon viele Veranstaltungen und auch in den sozialen Medien bekommt man einiges mit. Aber auch die Politik selbst muss die SDGs zum Thema machen und Möglichkeiten der BürgerInnenbeteiligung bei der Umsetzung schaffen. Wir als BürgerInnen müssen der Politik den Rücken stärken, um diese Agenda umzusetzen, und Veränderungen einfordern, wenn sie hinter den Zielen zurückbleibt. Es ist daher von sehr großer Bedeutung, wie viel Aufmerksamkeit der Verabschiedung der SDGs im September zu Gute kommt.

Wie geht es bis September weiter?
Momentan sind die Verhandlungen noch im vollen Gange. Ziel ist es, bis Juli die Verhandlungen erfolgreich abzuschließen. Dabei wollen wir uns natürlich auch von Seiten der Jugend noch inhaltlich einbringen. Unser Ziel ist es, bis September auch in Deutschland noch bedeutend mehr Aufmerksamkeit auf die SDGs zu lenken.

Was wird sich in Deutschland ändern, wenn die SDGs beschlossen sind?
Ob es wirklich Veränderungen gibt wird sich erst bei der Umsetzung zeigen. Sind die SDGs beschlossen, müssen konsequenterweise alle anderen politischen Prozesse an ihren Inhalten ausgerichtet werden. In Deutschland sind wir da in einigen Bereichen schon recht weit. Die Energiewende ist beispielsweise ein deutsches Vorzeigeprojekt auf internationaler Ebene. Ganz konkret müssen aber internationale Freihandelsabkommen und die europäische und deutsche Agrarpolitik den Ansprüchen der SDGs gerecht werden.

Quelle: KLJB (Katholische Landjugendbewegung Deutschlands) vom 08.07.2015.