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Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Kreis bunter Holzfiguren
Bild: © RRF - Fotolia.com

Die Bildungsinitiative QUEERFORMAT und das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg haben eine Handreichung für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.

Die Handreichung „Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ ist das umfangreichste didaktische Material für pädagogische Fachkräfte, das die Bildungsinitiative QUEERFORMAT im Rahmen der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ (ISVBeschluss des Berliner Abgeordnetenhauses vom April 2009) erstellt hat. Beauftragt wurde die Handreichung vom Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB).

Wie die Bildungsinitiative QUEERFORMAT mitteilt, werden in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe vielfältige Lebensweisen bisher wenig berücksichtigt. Themen wie Geschlecht, Sexualität und Lebensformen seien oft noch immer stark tabuisiert, obwohl diese Themen gerade im Jugendalter eine zentrale Rolle spielen. Die Probleme und Lebenslagen von LGBT-Jugendlichen würden – wenn überhaupt – nur durch einzelne sensibilisierte Fachkräfte aufgegriffen.
Zusätzlich wirke im pädagogischen Alltag ein heteronormatives Verständnis, das häufig zu einer Nicht-Wahrnehmung für vielfältige geschlechtliche und sexuelle Entwicklungen führe. Da sich LGBT-Jugendliche in der Regel nicht als solche zu erkennen geben, herrsche unter den pädagogischen Fachkräften zumeist die Annahme, dieses Thema spiele in der eigenen Einrichtung keine Rolle und sei deshalb auch nicht relevant.
Tatsächlich geht es nach Angaben von QUEERFORMAT aber um die Lebenswelten von 5-10 Prozent der Kinder und Jugendlichen. In der Forschung werden LGBT-Jugendliche als vulnerable Gruppen bezeichnet, weil sie erhöhten psychosozialen Belastungen unterliegen, z. B einem höheren Suizidrisiko oder dem Risiko, obdachlos zu werden.

Die 145-seitige Handreichung sensibilisiert für die Relevanz des Themas in der Kinder- und Jugendhilfe, schafft einen Überblick über aktuelle Problemlagen, vermittelt Hintergrundwissen auf anschauliche Art und Weise und bietet Praxismaterialien zur Unterstützung der pädagogischen Arbeit. Erstmals liegt im deutschsprachigen Raum eine derart umfassende Handreichung für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe vor.

Im Abschnitt Grundlagentexte behandeln die Autor_innen zum Beispiel die Frage „Was ist Geschlecht?“, stellen Forschungsergebnisse zur psychosozialen Situation von LGBT-Jugendlichen und Kindern aus Regenbogenfamilien dar und greifen Fragen von Jugendlichen zu vielfältigen Lebensweisen auf.

Im Abschnitt Komprimiertes Hintergrundwissen finden sich u. a. ein ausführliches Glossar und Informationen zu den Themen Geschlechtervielfalt und Intersexualität. Die Praxismaterialien enthalten konkrete Vorschläge für die pädagogische Praxis, darunter eine Checkliste zur Selbstevaluation von Einrichtungen sowie Handlungsempfehlungen und -strategien. Der anschließende Serviceteil bietet kommentierte Literaturlisten, Materialempfehlungen für Kindertagesstätten und Jugendarbeit sowie Verweisadressen von Beratungsstellen und Treffpunkten in Berlin.

Eine Leseprobe der Handreichung findet sich auf der Website von QUEERFORMAT im Menupunkt Kinder- und Jugendhilfe unter Publikationen und Materialien. Bestellt werden kann die Handreichung gegen einen Unkostenbeitrag von 5 Euro zzgl. Versandkosten ebenfalls auf der Website unter folgendem Link:
http://www.queerformat.de/kinder-und-jugend-hilfe/publikationen-und-materialien/

Quelle: Bildungsinitiative QUEERFORMAT

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