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Verband Bildung und Erziehung NRW: Kindheit darf nicht stetig verkürzt werden

Ein Mädchen liegt inmitten von Puppen
Bild: © W-FOTO - Fotolia.com

Montag Fußball-Training, Dienstag Klarinette und Mittwoch Spanisch-Kurs – eine durch-terminierte Kindheit ist nicht gut für die Entwicklung junger Menschen, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung NRW (VBE). „Kinder brauchen Freiräume, Kinder müssen Kind sein dürfen, um sich selbst zu entfalten“, so Beckmann.

Kindern steht immer weniger Lebenszeit für eine echte „Kindheit“ zur Verfügung, bemängelt Beckmann. Die steigende Zahl der Alleinerziehenden und Ein-Kind-Familien führt dazu, dass Verwandtschaftsbeziehungen immer flacher werden und sich Eltern immer stärker auf das Kind konzentrieren und dabei oft zu hohe Anforderungen stellen. „Das sorgt häufig dafür, dass Kinder überbehütet und zu früh in die Erwachsenenrolle gedrängt werden“, erklärt Beckmann. So haben sie nicht mehr genügend Zeit, um ihre Entwicklung in den ersten Lebensjahren zu genießen und sich frei zu erproben.

Dazu käme noch die immer früher eintretende hormonelle Entwicklung, so Beckmann: „Kinder sind früher mit 13, 14 Jahren in die Pubertät gekommen und haben sich von ihren Eltern abgenabelt, heute setzt diese Zeit schon mit 11 oder 12 Jahren ein – Eltern haben also ihrerseits auch immer weniger Zeit, eine innige Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen.“

Viele der Probleme seien dabei aber hausgemacht, gibt Beckmann zu bedenken: „Eltern packen ihre Kinder heute viel stärker in Watte. Sie haben Angst, dass Keime Krankheiten auslösen oder kutschieren ihre Kinder überall hin, anstatt ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst mit Freunden zu verabreden oder den Schulweg gemeinsam mit anderen Kindern zu erleben.“ Kinder müssten viel stärker wieder selbst Erfahrungen sammeln können, egal ob beim Klettern und Toben im Wald, beim Basteln eines Drachen oder schlichtweg auf dem Schulweg, findet Beckmann: „Die Erfahrung, etwas selbst zu machen, hält länger und ist wertvoller als der einfache und schnelle Gang in den Spielzeugladen.“

Dazu gehört es aber auch, den Kindern genügend Freizeit zu lassen, mahnt Beckmann: „Es ist schon befremdlich, dass viele Eltern ihren Kindern einen passgenauen Plan aus Sportvereinen, Musikunterricht und Sprachkursen erarbeiten – das ist keine Förderung, sondern Stress!“ Kindern würde hier bereits in einer elementaren Phase ihrer Entwicklung das Gefühl vermittelt, keine Zeit zu haben. „Kinder müssen Kinder sein dürfen“, so Beckmann, „dazu gehört auch mal ein aufgescheuertes Knie und ein Regenwurm-Mahl als Mutprobe.“

Quelle: Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW vom 07.08.2012

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