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Landschaftsverband Rheinland feiert 60-jähriges Bestehen

LVR-Fahnen
Bild: Ludger Ströter/LVR

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) feiert am 12. Mai 2013 sein 60-jähriges Bestehen. Am 12. Mai 1953 wurde der rheinische Kommunalverband gegründet, am 1. Oktober 1953 nahm er seine Arbeit auf. Mit einem gemeinsamen Festakt begehen der LVR und sein westfälisches Pendant, der LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), im Oktober ihr Jubiläum in Münster.

Im LVR wird das Jubiläumsjahr von einer Wanderausstellung begleitet. Die Ausstellung wird erstmals am Tag der Begegnung am 29. Juni zu sehen sein. Das beliebte inklusive Familienfest findet anlässlich des Jubiläums am Hauptsitz des LVR in Köln statt.
 
Heute arbeitet der LVR mit rund 16.000 Beschäftigten für die etwa 9,6 Millionen Menschen im Rheinland. Hierbei erfüllt er rheinlandweit Aufgaben in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und der Kultur. Er ist der größte Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen in Deutschland, betreibt 41 Förderschulen, zehn Kliniken und drei Netze Heilpädagogischer Hilfen sowie elf Museen und vielfältige Kultureinrichtungen. Der Haushaltsplan des LVR für 2013 umfasst Aufwendungen in Höhe von 3,37 Milliarden Euro. Den größten Teil der Einnahmen des LVR stellen die Mitgliedskörperschaften über die Landschaftsumlage. Gemäß des Entwurfs und des Umlagesatzes von 16,65 Prozent-Punkten werden die StädteRegion Aachen, die Kreise und die kreisfreien Städte im Rheinland 2013 rund 2,245 Milliarden Euro Umlage entrichten. Fast alle Kommunen erhalten LVR-Leistungen in einem höheren Umfang, als sie Umlage zahlen.

Die 13 kreisfreien Städte, 12 Kreise und die StädteRegion Aachen im Rheinland tragen und finanzieren den Kommunalverband, dessen Arbeit von der Landschaftsversammlung Rheinland mit aktuell 128 Mitgliedern aus den rheinischen Kommunen gestaltet wird. Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland: "Seit sechs Jahrzehnten entscheiden die politischen Gremien der kommunalen Familie erfolgreich über die soziale und kulturelle Weiterentwicklung des Rheinlandes. Die Verbesserung der Teilhabechancen von Menschen mit Behinderung durch Inklusion, eine hohe Qualität bei der Behandlung psychisch kranker Menschen sowie die regionale, historische und kulturelle Identifikation stehen bei unserer Arbeit im Vordergrund."
 
"In den vergangenen 60 Jahren hat der LVR eine Vielzahl an politischen, gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen miterlebt und mitgestaltet. Heute sind wir ein moderner Dienstleister für alle Menschen im Rheinland. Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit und zugleich unser größtes Anliegen ist es, Inklusion, also die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung, in allen Lebensbereichen zu verwirklichen", sagt LVR-Direktorin Ulrike Lubek.

Um das Thema Inklusion und das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap in die Öffentlichkeit zu tragen, veranstaltet der LVR seit 1998 jährlich den "Tag der Begegnung", meistens in Xanten. Das Fest ist im Laufe der Jahre zu einem Großereignis geworden, bei dem alle Gäste gemeinsam ein Zeichen für Inklusion setzen. Anlässlich seines 60-jährigen Jubiläums feiert der LVR das Familienfest in diesem Jahr an seinem Hauptsitz in Köln. Bis zu 50.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Auf dem Programm der Veranstaltung im Rheinpark und am Tanzbrunnen stehen am 29. Juni unter anderem Guildo Horn, die Höhner und Köbes Underground.

Am Tag der Begegnung wird erstmals die Ausstellung gezeigt, mit der der LVR sein Aufgabenspektrum und wichtige Meilensteine der vergangenen 60 Jahre der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung wandert anschließend ins Landeshaus in Köln-Deutz sowie zu weiteren Orten im Rheinland. Höhepunkt des Jubiläumsjahrs bildet eine gemeinsame Festveranstaltung mit dem LWL. Diese findet in Anwesenheit von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am 2. Oktober in Münster statt.

60 Jahre LVR - 60 Jahre Engagement für die Menschen im Rheinland

Der Arbeitsaufnahme der beiden Landschaftsverbände LVR und LWL im Jahr 1953 vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen über die regionale Selbstverwaltung. Gegründet wurden die Landschaftsverbände am 12. Mai 1953 mit der Veröffentlichung der Landschaftsverbandsordnung Nordrhein-Westfalen. Zum Zeitpunkt seiner Gründung beschäftigte der LVR rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hatte einen Etat in Höhe von 296 Millionen DM.

Von Beginn an unterhielt der LVR unter anderem psychiatrische Kliniken im Rheinland, das Rheinische Landesmuseum Bonn und war verantwortlich für die Denkmalpflege. Zudem plante, baute und unterhielt er die Straßen im Rheinland. Diese Aufgabe ordnete das Land Nordrhein-Westfalen zum 1. Januar 2001 dem neu gebildeten Landesbetrieb Straßenbau zu. Von Anfang an gehörte die Unterstützung von Menschen mit Behinderung zu den Kernaufgaben des LVR. Er war als überörtlicher Träger der Sozialhilfe und der Kriegsopfer- und Schwerbehindertenfürsorge für zahlreiche Hilfen für Menschen mit Behinderung zuständig.

Bei sozial- und gesundheitspolitischen Reformen war der LVR oft Vorreiter - etwa bei der Psychiatriereform, dem Enthospitalisierungsprogramm, der Einrichtung von Wohngruppen für behinderte Menschen oder der Pflegeversicherung. Ziel war es von Beginn an, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen aus ihrer Isolation in die Gesellschaft hineinzuführen.

Erster Sitz des LVR war Düsseldorf. 1959 zog die Zentralverwaltung des Kommunalverbandes von Düsseldorf in das neu gebaute Landeshaus am Köln-Deutzer Kennedy-Ufer. Der Antrag, den Verwaltungssitz nach Köln zu verlegen, war leidenschaftlich umkämpft. Von der Verlegung waren 800 Beamtinnen, Beamte und Angestellte der Verwaltung betroffen. 600 von ihnen entschieden sich für einen Wohnsitz in Köln, 200 der Beschäftigten aus Düsseldorf blieben ihrer Heimatstadt treu und pendelten nach Köln.

Der LVR heute - Gestalter der Behinderten- und Jugendhilfe, der Psychiatrie und der Kultur im Rheinland

In den vergangen 60 Jahren hat sich der Landschaftsverband Rheinland zu einem modernen Dienstleister für soziale, gesundheitliche und kulturelle Aufgaben entwickelt. Das Thema Inklusion nimmt insbesondere seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik einen besonders hohen Stellenwert ein.

Oberste Prämisse der 41 LVR-Förderschulen im Rheinland ist die Vorbereitung auf ein Leben in größtmöglicher Selbstständigkeit. Das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung fördert der LVR auf freiwilliger Basis mit seiner Inklusionspauschale. So erhalten die Träger allgemeiner Schulen Geld für Umbaumaßnahmen, technische Hilfsmittel oder Personal, um Schülerinnen und Schüler mit Handicap den Unterrichtsbesuch zu ermöglichen.

Das LVR-Landesjugendamt ist Partner der 96 Jugendämter und der freien Träger der Jugendhilfe im Rheinland und unterstützt diese durch Beratung und finanzielle Förderung. Es hat außerdem die Aufsicht über Kindertageseinrichtungen und Heime der Jugendhilfe im Rheinland und berät beziehungsweise finanziert diese. Die LVR-Jugendhilfe Rheinland ist Träger von vier eigenen Jugendhilfe-Einrichtungen.

In den zehn LVR-Kliniken werden jährlich rund 60.000 Menschen behandelt - stationär, teilstationär oder ambulant. Die Behandlungsangebote richten sich an psychisch kranke Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Therapiert werden unterschiedliche psychische Erkrankungen: Psychosen, Ängste, Depressionen, Suchterkrankungen oder Demenzerkrankungen. Rheinlandweit begleiten die LVR-HPH-Netze rund 2.200 Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung auf ihrem Weg in die Gemeinschaft - 500 von ihnen leben bereits in einer eigenen Wohnung.

Der LVR versteht sich als Partner der Menschen mit Behinderung. Er unterstützt und fördert den Paradigmenwechsel von wohlmeinender aber entmündigender Fürsorge hin zu Selbstbestimmung und Teilhabe. Wichtigstes Beispiel: individuelle Wohnhilfen aus einer Hand. Unter der Überschrift "ambulant vor stationär" startete der LVR ein umfassendes Programm zur Umorientierung und Weiterentwicklung der Wohnhilfen für Menschen mit Behinderung. Seitdem ist es dem LVR gelungen, deutlich mehr Menschen mit Handicap ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Das Rheinland zählt zu den ältesten und lebendigsten Kulturregionen im Herzen Europas. Der LVR bildet seit 60 Jahren die kulturelle Vielfalt in dieser Region ab und bewahrt sie für die Allgemeinheit. Dies geschieht in seinen Museen, in der Denkmal- und Bodendenkmalpflege, beim Landschaftsschutz und der Kulturlandschaftspflege.
 
"Unseren 60. Geburtstag nehmen wir zum Anlass, den Menschen im Rheinland unsere Geschichte und unsere Aufgaben zu zeigen", resümiert LVR-Direktorin Ulrike Lubek. "In allen unseren Aufgabenfeldern versuchen wir so zu sein, wie das Rheinland selbst - lebendig, vielseitig und richtungsweisend. In unserem Jubiläumsjahr soll dies besonders sichtbar werden."

Quelle: Landschaftsverband Rheinland (LVR)

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