Digitalisierung und Medien / Im Fokus

Die Kinder- und Jugendhilfe im Social Web: Das Spektrum der Interessierten wird breiter

Fachveranstaltung des Fachkräfteportals beim DJHT in Stuttgart
Bild: Christian Herrmann, IJAB   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Mit einer Fachveranstaltung während des 14. Kinder- und Jugendhilfetag griff das Fachkräfteportal das Thema "Chancen und Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe im Social Web" auf. Nach den medienkritischen, vor allem aus dem Blickwinkel des Kinderschutzes und Jugendmedienschutzes geführten Diskussionen, rücken nun die Möglichkeiten von Social Media in den Blickpunkt des Interesses vieler Fachkräfte.

In Saal C5 des Konferenzzentrums der Stuttgarter Messe war für 100 Besucherinnen und Besucher bestuhlt worden, etwa 150 kamen. Es wären noch mehr geworden, gäbe es nicht strenge feuerpolizeiliche Auflagen. Die Belüftungsanlage des Raumes wurde vor eine ernste Herausforderung gestellt. Das Thema Social Media und deren Nutzung in der Kinder- und Jugendhilfe liegt in der Luft, das spürte man. Zunehmend ist damit nicht mehr ausschließlich der kritische Blick auf die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen gemeint, sondern Informationsmanagement für Fachkräfte, Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnenführung von Trägern, sowie der Anschluss an die Zielgruppe Jugend mit neuen Mitteln. Das Scheitern zweier Gesetze, die Mediennutzung regulieren sollten, der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder und das Zugangserschwerungsgesetz zu kinderpornographischen Inhalten von Ursula von der Leyen, mag dazu beigetragen haben, die Wahrnehmung von Fachkräften auch für die positiven Aspekte von Facebook, Twitter & Co zu öffnen. Und es sind nicht mehr ausschließlich Medienpädagogen und Jugendinformationsdienste, die sich schon seit langem für die aktive Nutzung von Social Media stark machen.

Drei Referentinnen und Referenten waren vom Team des Fachkräfteportals eingeladen worden. Katrin Kiefer eröffnete mit einer Übersicht über die Social-Media-Nutzung von NGOs und NPOs in Deutschland und deren Veränderung in den vergangenen Jahren. 60 Organisationen hat sie seit 2009 beobachtet und dabei deren Angebote in Social-Media-Diensten seit 2005 im Detail untersucht.

Jörg Eisfeld-Reschke beleuchtete die unterschiedlichen Aufgabenstellungen - vom Freiwilligen-Management über Fundraising und Lobbyarbeit bis hin zur Personalentwicklung - innerhalb derer Social Media zum Einsatz kommen können und beschrieb das gezielte Medienengagement von Organisationen als Teil einer sich verändernden Unternehmenskultur. Dabei traten auch die Vorbehalte und Ängste vieler Träger deutlich hervor. Jörg Eisfeld-Reschke profitiert dabei besonders von seinen Erfahrungen mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und ließ das Publikum daran teilhaben.

Petra Borrmann von 2aid.org schilderte das Engagement ihrer Organisation für den Brunnenbau in Afrika. Zwar kann man keinen Brunnen online bauen, aber alle dafür nötigen Voraussetzungen online schaffen. Das Rekrutieren von Gleichgesinnten, die Einbeziehung einer Community bei der Festlegung auf Projekte, das Beschaffen der nötigen Mittel und das Vermitteln von Denkanstößen zum Thema Wasser und globale Gerechtigkeit. Es hätte einer eigenen Veranstaltung bedurft, den Transfer der dabei gewonnenen Erkenntnisse für die Kinder- und Jugendhilfe zu diskutieren.

Es waren nicht unbedingt die Medienskeptiker, die sich in Raum C5 versammelten. Es waren vielmehr Vertreter von Organisationen, die Social Media nutzen möchten, beispielsweise für Beratungsangebote und dabei Empfehlungen und Unterstützung in Anspruch nehmen möchten. Auffällig auch die hohe Anzahl von Wortmeldungen, die darauf verwiesen, dass viele Fachkräfte gerne Aktivitäten im Social Web entwickeln würden, dabei aber von ihren Trägern ausgebremst werden. Der von Trägern befürchtete Kontrollverlust über Themen, für die sie eine alleinige Deutungshoheit beanspruchen, spielt dabei eine Rolle. Ein weiteres Thema waren die Unterscheidung von Institutonellem, Privatem und Persönlichem im Netz und welche verbindlichen Regeln für das Auftreten von Fachkräften dabei von Seiten der Träger festgelegt werden müssen. Mit dem Entwickeln einer Social Media Policy für den spezifischen Bedarf eines Trägers verbindet sich auch die Chance Social Media in der Organisation zu diskutieren, breit aufzustellen und zum Teil einer Unternehmenskultur zu machen.

Präsentationsfolien der Referent/inn/en zum Download

>> Katrin Kiefer: http://www.slideshare.net/katrinkiefer
>> Jörg Eisfeld-Reschke: http://www.slideshare.net/joergreschke
>> Petra Borrmann: http://www.slideshare.net/2aidorg

Weitere Materialien

>> Social Media Policy für Nonprofit-Organisationen von Jörg-Eisfeld-Reschke und Jona Hölderle: http://www.pluralog.de/_sonst/E-Book-Social_Media_Policy_fuer_NPOs.pdf

>> NGOs im Social Web von Katrin Kiefer: http://netzwerkpr.de/index.php/tag/master-arbeit/

INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

Fachveranstaltung "Chancen und Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe im Social Web" beim 14. DJHT in Stuttgart

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