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Das Vermächtnis der Jugendrichterin Kirsten Heisig

Wenige Wochen nach dem Freitod der Berlinerin Jugendrichterin Kirsten Heisig erscheint ihr Buch „Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Straftäter.“ und ist sofort ausverkauft.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den in dem Buch dokumentierten verzweifelten Versuch Kirsten Heisigs, den Nährboden jugendlicher Kriminalität zu beschreiben und notwendige gesellschaftliche Reaktionen daraus abzuleiten. So agierten beispielsweise nach Heisigs Meinung in Deutschland zunehmend weit verzweigte Familien-Clans nach eigenen Gesetzen mit einem hohen Kriminalitäts- und Gewaltpotential, ohne dass der Staat intervenieren und vor allem die Kinder schützen würde. Sie habe im Laufe der Jahre den Eindruck gewonnen, dass bei Migrantenfamilien seltener und zurückhaltender in das elterliche Sorgerecht eingegriffen werde als bei Deutschen.

Die Jugendrichterin glaubte nicht an die von Kriminalitätsstatistiken ausgewiesene Abnahme der Jugendgewalt. Sie meinte stattdessen „eine schleichende Brutalisierung in den Köpfen vieler Kinder und Jugendlicher“ zu erkennen. Diese sei allein mit den Mitteln der Strafjustiz nicht zu bewältigen.

Kirsten Heisig hatte das "Neuköllner Modell" etabliert, das das Ziel verfolgte, delinquente Jugendliche ohne Einhaltung von Formeln und Fristen schnell vor den Richter zu bringen. Sie befürwortete auch, dass Eltern von Schulschwänzern durch Bußgelder bestraft werden - auch, wenn sie Hartz-IV-Empfänger sind. Das hat ihr nicht nur Freunde eingebracht.

Kirsten Heisig sah die Gesellschaft in der Verantwortung, zügig zu reagieren, um jugendlicher Gewaltbereitschaft effizienter zu begegnen. Sie wird nicht mehr erleben, ob ihr Appell gehört wird.

Lesen Sie den Artikel in der Süddeutschen Zeitung unter: http://www.sueddeutsche.de/leben/gewalt-in-der-gesellschaft-die-leiden-der-jugendrichterin-kirsten-heisig-1.979470

Quelle: Süddeutsche Zeitung online

 

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