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Aktueller Save the Children Syrien-Report: "Lernen unter Lebensgefahr"

Kugelschreiber liegt auf Ringordner
Bild: © emily2k - Fotolia.com

Für syrische Kinder war der Schulbesuch nie so gefährlich wie heute, das bestätigt der aktuelle Report der Kinderrechtsorganisation Save the Children

Mindestens einmal im Monat wurden im letzten Jahr die Bildungseinrichtungen von Save the Children im Norden Syriens aus der Luft angegriffen. Mehr als 3465 Schulen sind beschädigt, ganz zerstört oder für militärische Zwecke besetzt.

Kernaussagen des Reports:

  • Immer mehr Schulen müssen aufgrund der kriegerischen     Auseinandersetzungen geschlossen werden.
  •    Vor dem Konflikt besuchten fast 100% der Kinder eine Schule; 2,8     Millionen Mädchen und Jungen gehen heute nicht mehr zur Schule.     Damit belegt Syrien geschätzt einen der schlechtesten Plätze.
  •     Mehr als die Hälfte der befragten Kinder gaben an, dass sie sich nur sehr schwer oder gar nicht auf den Unterricht konzentrieren können.
  •    Syrische Flüchtlingskinder in Nachbarländern sind erschreckend oft von Missbrauch, körperlicher Gewalt, Schikanen und sozialer Ausgrenzung betroffen.

"Es ist beschämend, dass die Schulen angegriffen werden, obwohl internationale Vereinbarungen gerade deren Schutz in Zeiten bewaffneter Auseinandersetzungen vorn an stellen. Das Leben unschuldiger Kinder und Lehrer ist gefährdet und Millionen Mädchen und Jungen wird das Recht auf Bildung vorenthalten", sagt Save the Children Länderdirektor Roger Hearn. "Es ist kein Wunder, dass syrische Kinder unter solchen Umständen nicht mehr zur Schule gehen. Die internationale Gemeinschaft ist gefordert, endlich zu reagieren, damit die syrischen Kinder nicht zu einer verlorenen Generation werden."

Im vierten Jahr des Syrienkonflikts sind die Anmeldungen an Schulen auf die Hälfte gesunken. In stark betroffenen Gebieten wie Aleppo gehen nur noch 6% der Kinder zur Schule. In Gebieten mit vielen vertriebenen Familien brechen doppelt so viele Kinder die Ausbildung ab wie in anderen Regionen.

Inzwischen steigen auch die psychologischen Folgen und Traumatisierungen und behindern die Kinder beim Lernen. Über erhebliche Konzentrationsprobleme im Unterricht berichten die Hälfte der untersuchten Kinder und ein Drittel der Kinder kann die Anweisungen der Lehrer nicht befolgen. Jedes dritte Kind fühlt sich hilflos; 39% haben regelmäßig Albträume und 42% fühlen sich traurig. Nach Aussagen der Lehrer bekommen mehr als die Hälfte der Kinder sehr schnell Angst und 40% sind dauerhaft unglücklich.

Aber auch die Kinder, die dem Konflikt in Syrien entfliehen konnten, gehen nicht zur Schule. Jedes zehnte Flüchtlingskind muss arbeiten und vermutlich ist ihre Zahl noch viel höher. Allein aus Jordanien berichten 47% der Flüchtlingsfamilien, dass sie teilweise oder sogar vollständig vom Einkommen ihrer Kinder abhängig sind.

Flüchtlingskinder berichten außerdem, dass sie aufgrund ihrer Herkunft und der Belastung, die sie für die Gemeinde sind, in der örtlichen Schule geschlagen und schikaniert werden. Kinder aus von Save the Children unterstützten Programmen gaben an, dass sie auf dem Schulweg belästigt, in der Klasse ausgelacht und am Schultor eingeschüchtert wurden. "Wir haben von Kindern gehört, die von Lehrern in den Aufnahmeländern verflucht und ausgelacht wurden, ihnen gesagt wurde, dass die ihr Land zerstört hätten und zurück nach Syrien gehen sollen",sagt Roger Hearn. "Andere sind körperlichen Strafen in der Schule ausgesetzt. Allein in Ägypten sagten uns 30% der befragten Kinder, dass sie von Lehrern geschlagen wurden. 70% sagten aus, dass sie beschimpft wurden."

Save the Children appelliert an alle Seiten des Konflikts keine Schulen mehr anzugreifen, die internationalen Vorgaben zum Schutz von Schulen einzuhalten und die Menschenrechte zu befolgen. Alle internationalen Geber müssen sich weiterhin mit den notwendigen Mitteln für den Schutz und die Bildung der syrischen Kinder einsetzen.

Report zum Download: bit.ly/1mkQzJL

Quelle: Save the Children Deutschland e.V. vom 19.09.2014

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