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Careleaver Weltweit: Careleavern einen Freiwilligendienst im Ausland ermöglichen

Junge Frau auf Straße, hinter ihr eine Graffitti-Wand
Bild: Death to Stock

Die EmMi Luebeskind gGmbH möchte jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die einen Teil ihres Lebens in öffentlicher Erziehung – z.B. in Wohngruppen oder Pflegefamilien – verbracht haben und sich am Übergang in ein eigenständiges Leben befinden, ermöglichen, sich für 6-12 Monate sozial im europäischen oder weltweiten Ausland zu engagieren. Im Rahmen des Pilotprojekts, für das interessierte Careleaver gesucht werden, sollen Erkenntnisse gewonnen und Strategien erprobt werden, die jungen Menschen ohne verlässliches familiäres Netzwerk einen realisierbaren Zugang und eine Teilnahme an internationalen Austauschprogrammen ermöglichen.

Auslandserfahrungen sollten selbstverständlicher Bestandteil des Werdegangs eines jeden jungen Menschens werden

Staatlich geförderte soziale Freiwilligendienste im In- und Ausland wie „weltwärts“ oder der „Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD)“ stellen für die meisten jungen Erwachsenen ein biographie-einschneidendes Erlebnis dar, die sich nach ihrem Schul- oder Ausbildungsabschluss zu solch einem Engagement entscheiden. Unabhängig von dem Impact, die die Freiwilligenarbeit vor Ort in der Einsatzstelle hinterlässt oder nicht, bedeutet das Eintauchen in eine fremde Kultur und Sprache und die oft anspruchsvollen und schwierigen Umstände im Einsatzprojekt eine enorme Herausforderung für die Freiwilligen, die sich aus ihrer Komfortzone heraus in etwas Fremdes und Neues bewegen. Diese Erfahrung stärkt das Selbstvertrauen, die interkulturelle Kompetenz, die individuelle Resilienz und viele andere Fähigkeiten, die der oder dem Freiwilligen auf ihrem oder seinem späteren privaten und beruflichen Lebensweg in vielerlei Hinsicht von Vorteil sind.

Freiwilligendienst „weltwärts“ – ein Beispiel

Der Freiwilligendienst „weltwärts“ ist beliebt wie nie: Seit seiner Einführung im Jahr 2008 ist die Zahl der entsendeten Freiwilligen um 67% gestiegen . Allerdings ist „weltwärts“ auch nach wie vor ein Angebot für ohnehin schon privilegierte junge Menschen. Laut der letzten Freiwilligenbefragung aus dem Jahre 2016 hatten 94% der Teilnehmer/-innen ein Abitur oder eine Allgemeine Hochschulreife. Die Zahl der weltwärts-Freiwilligen mit einer klassischen Berufsausbildung lag bei nur 17 Prozent, wobei die meisten bereits einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss und seltener eine klassische berufsbildende Ausbildung abgeschlossen hatten. 15 Personen mit einer Behinderung reisten 2015 als weltwärts-Freiwillige ins Ausland und der Anteil der Freiwilligen mit Migrationshintergrund lag bei 12 Prozent.

Eine eigene Anfrage beim statistischen Bundesamt ergab, dass der Anteil der Careleaver am weltwärts-Programm nicht erhoben wird. Daher kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob und in welchem Ausmaß Careleaver vom weltwärts-Programm der Bundesregierung erreicht werden. Individuelle Erfahrungen haben aber gezeigt, dass die Bedarfe von Careleavern bei einer Teilnahme spezifisch sind und über das hinausgehen, was das BMZ und Entsendeorganisationen anbieten und leisten. Die im Jahr 2018 erschienene Studie zum Internationalen Jugendaustausch hat die allgemeinen Problemstellungen marginalisierter Jugendlicher beim Zugang zu Entsendeprogrammen bestätigt.

Wie kann Careleavern ein realisierbarer Zugang und eine Teilnahme an Freiwilligendiensten ermöglicht werden?

Im Vergleich zu ihren Peers haben Careleaver meist kein verlässliches oder solides familiäres Netzwerk, dass ihnen bei progressiven Entscheidungen den Rücken stärkt. Pflegefamilien und Institutionen der Jugendhilfe zeichnen den Careleaver einen weltwärts-Aufenthalt häufig gar nicht erst als Option auf den Horizont der Möglichkeiten, sondern visieren den schnellstmöglichen Auszug aus der Jugendhilfe an. Ein vorübergehender Rückzug in die Jugendhilfe nach einem Auslandsaufenthalt ist nicht möglich. Um Careleavern eine faire Chance zu bieten, alle eigenen Potentiale auf dem Weg ins Erwachsenenleben auszuschöpfen und frei zwischen allen Möglichkeiten wählen zu können, ohne durch die eigene Herkunft beschränkt zu werden, sollen im Rahmen eines Pilotprojekts Erkenntnisse gewonnen und Strategien erprobt werden, die Careleavern einen realisierbaren Zugang zu und eine Teilnahme an Freiwilligendiensten ermöglichen.

Pilotprojekt mit Stipendienprogramm für Careleaver

Mit dem Pilotprojekt der EmMi Luebeskind gGmbH sollen Careleaver angesprochen und erreicht werden, die ein eigenes Interesse an einem sozialen Freiwilligendienst im Ausland haben, sich aber ohne spezifische zusätzliche Unterstützung nicht in der Lage sehen, an einem Programm wie weltwärts oder dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) teilzunehmen. Potentielle Teilnehmer/-innen können Careleaver aus dem gesamten Bundesgebiet sein, die in stationären Wohngruppen, Kinderdörfern, Pflegefamilien oder auch als entkoppelte Jugendliche aufgewachsen sind und das 18. Lebensjahr bereits erreicht haben oder kurz vor der Volljährigkeit stehen.

Das Stipendienprogramm bedingt den Zugang der Careleaver in das bestehende weltwärts-Entsendeprogramm bzw. den IJFD. Daher müssen die spezifischen Zugangsvoraussetzungen auch für Teilnehmende gelten:

  • Alter zwischen 18 und 28 Jahren am Tag der Ausreise (beziehungsweise 35 Jahre bei einer Behinderung oder Beeinträchtigung)
  • gesundheitliche Eignung
  • ein Schulabschluss und Grundkenntnisse einer Fremdsprache
  • ggf. deutsche Staatsbürgerschaft oder ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht
  • Interesse an anderen Kulturen sowie Engagement und persönliche und soziale Kompetenzen, die bei der Bewältigung eines Freiwilligendienstes hilfreich sind.

Spezifische Zugangsvoraussetzungen für das Stipendienprogramm sind: einen Teil des Lebens in öffentlicher Erziehung – z.B. in Wohngruppen oder Pflegefamilien – verbracht zu haben.

Careleaver für Entsendeprogramm gesucht

Das Stipendienprogramm beabsichtigt Careleavern einen vereinfachten und somit gleichberechtigteren Zugang zu einem Entsendeprogramm zu ermöglichen. Dabei geht es nicht darum, den Careleavern die Teilnahme an sich zu vereinfachen, sondern einen adäquaten Ansatz zu finden, die notwendige Unterstützung zu ersetzten, die Freiwillige aus geregelten Familienverhältnissen von ihren Eltern und Angehörigen erhalten und damit das Unterstützungsangebot durch Bundesministerien und Entsendeorganisationen zu ergänzen. Dafür sollen innerhalb des Pilotprojektes verschiedene Strategien erprobt werden.

Es soll jeweils für Herbst 2019, 2020 & 2021 eine Kohorte aus Careleavern gebildet werden, die über eine oder mehrere Entsendeorganisation für 6-12 Monate für einen sozialen Freiwilligendienst ins Ausland gehen. Für eine Entsendung ab Herbst 2019 mit Unterstützung durch das Careleaver Weltweit Projekt sind noch wenige Plätze frei. Weitere Informationen dazu finden sich auf dem aktuellen Careleaver Weltweit Flyer.

In den drei Phasen des Freiwilligendienstes (Vorbereitung, Einsatz, Nachbereitung) werden phasenspezifische Unterstützungsmodalitäten angeboten, die ein breites Netz an fachlicher, organisatorischer, finanzieller und emotionaler Hilfestellungen bieten sollen. Die Careleaver sollen nach eigenem Ermessen entscheiden können, welche Angebote sie im Rahmen ihrer individuellen Situation in Anspruch nehmen möchten.

Kontakt

Bewerbungen und Interessensbekundungen sind an das Careleaver Weltweit Team zu richten: info@DontReadMecareleaver-weltweit.de. Bei Fragen zum Stipendienprogramm für Careleaver hilft Alina Kierek: kierek@DontReadMecareleaver-weltweit.de.

Weitere Informationen gibt es auf der Programm-Webseite www.careleaver-weltweit.de, bei Facebook und Instagram sowie unter 0176 7312 2079 – auch per WhatsApp, Telegram und Signal.

Quelle: EmMi Luebeskind gGmbH

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