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BMBF fördert außerschulische Bildungs- und Kulturangebote für benachteiligte Kinder und Jugendliche

Logo "Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung"
Bild: Ilja Koschembar

"Kultur macht stark." Unter diesem Motto fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung ab 2013 außerschulische Angebote der kulturellen Bildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Gefördert werden beispielsweise Ferienfreizeiten und Sommerakademien mit kulturellem Bezug, Musik- und Theaterinszenierungen oder Paten- und Mentorenprogramme, bei denen junge Menschen an Kunst, Musik, Literatur oder die neuen Medien herangeführt werden.

"Gute Bildung für alle - das ist nicht allein eine Aufgabe des Staates, sondern der ganzen Gesellschaft", sagt Bundesbildungsministerin Annette Schavan. "Wir brauchen eine breite Bewegung für bessere Bildungschancen und werden deshalb Vereine, Verbände und zivilgesellschaftliche Gruppen vor Ort zusammenführen. So werden überall in Deutschland Bündnisse ins Leben gerufen, die sich um bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche kümmern."

Im Rahmen der Förderrichtlinie "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" fördert das BMBF außerschulische Angebote vor allem aus dem kulturellen Bereich. Junge Menschen werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt, ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt. Sie erfahren persönliche Wertschätzung und erleben, was es bedeutet, etwas bewegen zu können und gebraucht zu werden. So werden sie dazu ermutigt, ihr eigenes Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Mit dem neuen Programm des BMBF wird eine weitere Vereinbarung des Koalitionsvertrages von 2009 umgesetzt. Dieser sieht die Förderung von lokalen Bildungsbündnissen vor, in denen sich zivilgesellschaftliche Akteure zusammenschließen, um Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen.

Die Förderung beginnt 2013 und erstreckt sich über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. 2013 stellt das BMBF dafür 30 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Folgejahre ist eine Steigerung auf bis zu 50 Millionen Euro geplant.

Ein lokales Bündnis für Bildung soll vor Ort aus wenigstens drei Kooperationspartnern bestehen, die sich aus unterschiedlicher Perspektive um junge Menschen kümmern. Dies können beispielsweise Volkshochschulen, Bibliotheken, Chöre, Musik- und Theatergruppen oder auch andere Vereine sein. Die Förderung der lokalen Bündnisse für Bildung erfolgt über bundesweite Verbände und Initiativen, die sich bis zum 31. Juli mit Konzepten um eine Beteiligung an dem Förderprogramm bewerben können.

Ein wichtiger Partner des Programms "Kultur macht stark" ist der Deutsche Kulturrat mit seinen Mitgliedsorganisationen. Bildungsministerin Schavan begrüßte, dass der Kulturrat eine Dialogplattform zum Thema kulturelle Bildung aufbauen will, und kündigte an, dass das BMBF auch dieses Projekt unterstützen wird.

"Mit den Bündnissen für Bildung leistet das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen sehr wichtigen Beitrag zum Ausbau der Kulturellen Bildung vor Ort", so Max Fuchs, Präsident des Deutschen Kulturrates. "Auch der Deutsche Kulturrat wird sein Engagement im Bereich der Kulturellen Bildung weiter ausbauen. Mit unserer Dialogplattform möchten wir ein digitales wie analoges Netzwerk der Kulturellen Bildung in Deutschland schaffen. Über die geplante Internetseite, bei zukünftigen Veranstaltungen und Arbeitskreistreffen sowie in der regelmäßig erscheinenden Sonderbeilage der Zeitung Politik & Kultur sollen sich Experten wie Interessierte über Themen der Kulturellen Bildung informieren und austauschen können."

BKJ: Schavan schafft mehr Bildungschancen durch Kunst und Kultur
"Das Programm ist ein bildungspolitischer Paukenschlag und eine enorme Chance für die Kulturelle Bildung, die im Mittelpunkt des Programms steht. Damit würdigt die Bundesbildungsministerin das Potenzial der Künste im Hinblick auf mehr gesellschaftliche Teilhabe von sozial, ökonomisch und kulturell benachteiligten Kindern und Jugendlichen", sagte der BKJ-Vorsitzende. "Das Programm unterstreicht: Bildung ist mehr als Schule und braucht vielfältige Erfahrungsräume und Entwicklungsmöglichkeiten, wie sie etwa Musik- und Jugendkunstschulen, Bibliotheken und Museen, Theater- und Tanzwerkstätten oder Medien- und Zirkusprojekte eröffnen", sagte der Vorsitzende des Dachverbandes der Kulturellen Bildung, Dr. Gerd Taube. "Auch begrüßen wir, dass ‚Kultur macht stark!‘ die Kooperation unterschiedlichster Bildungsorte und -anbieter einfordert. Denn Vernetzung vor Ort ist ein Schlüssel für mehr Bildungserfolg."

Mitglieder und Vorstand der BKJ sehen in dem Programm die große Chance und Aufgabe – über die schon zahlreich in der Landschaft verankerten Einzel- und Leuchtturmprojekte hinaus – bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen einen breiten und systematischen Zugang zu Kultureller Bildung zu ermöglichen. Zugleich weist der Vorstand der BKJ darauf hin, dass weitere gemeinsame Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich sind, um dem Ziel gleicher Teilhabe- und Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen näherzukommen.

GEW: Kulturelle Bildung ist Kernaufgabe der Schulen
Mit scharfen Worten hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) heute auf die Ankündigungen der Bundesbildungsministerin reagiert. "Mathematische Kompetenzen lassen sich nicht durch gesponserte Theaterbesuche, sprachliche nicht durch Konzertbesuche in außerunterrichtlichen Projekten fördern. Statt kulturelle Bildung institutionell zu fördern, werden Bildungsangebote ohne pädagogisches Konzept auf den Markt geworfen", sagte Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule, in Frankfurt a.M. "Kulturelle Bildung ist eine Kernaufgabe der Schulen. Hier soll sie als wichtiger Teil der allgemeinen Bildung ihren originären Platz haben. Dafür müssen die Schulen mit den materiellen und finanziellen Rahmenbedingungen ausgestattet werden und qualifizierte Lehrkräfte haben."
 
Bildungsministerin Schavan betreibe dagegen Augenwischerei. „Einen Monat bevor der Nationale Bildungsbericht mit dem Schwerpunkt kulturelle Bildung erscheint, verspricht sie benachteiligten Kindern und Jugendlichen kulturelle Bildungsangebote. Das erinnert an die Geschichte von Hase und Igel: Wenn in dem Bericht die Situation der kulturellen Bildung als dramatisch geschildert wird, ist die Ministerin schon dagewesen und hat 230 Millionen Euro abgeladen", betonte Demmer. Ursprünglich sollten laut Koalitionsvertrag gut 1,5 Milliarden Euro für präventive und frühe individuelle Förderung sprachlicher und mathematischer Kompetenzen bereitgestellt werden. Der klägliche Rest werde jetzt PR-wirksam als "scheinheiliger Geldsegen" verteilt. 
 
"Statt das Kooperationsverbot für die schulische Bildung zu lockern und die Einrichtungen finanziell zu unterstützen, wird Geld in kurzfristige Projekte einmaliger kultureller Feuerwerke gesteckt - ohne Kontinuität und nachhaltige Wirkung für die Kinder und Jugendlichen", unterstrich die Schulexpertin. "Die Förderung geht in die falsche Richtung, die Finanzierung kultureller Bildung wird nicht gestärkt."

SPD-Fraktion kritisiert Bildungsbündisse
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Ernst Dieter Rossmann kritisierte, Annette Schavan habe auch aus dem letzten ihrer vier Prestigeprojekte für diese Legislatur die Luft raus gelassen.

"Größer könnte der Kontrast kaum sein: Statt wie im Koalitionsvertrag angekündigt mit "lokalen Bildungsbündnissen" viele benachteiligte Schülerinnen und Schüler in der Breite zu fördern, sollen nun private Stiftungen einigen Auserwählten ergänzende, auf kulturelle Bildung beschränkte, außerschulische Angebote ermöglichen. Sie sind im Einzelfall sicher nicht falsch und auch verdienstvoll. Aber diese "kulturellen Bildungsbündnisse" können keinen Beitrag zur Bekämpfung der Bildungsarmut leisten, wie es diese Koalition in ihrem Koalitionsvertrag versprochen hat. Sie erweitern sogar noch den Massnahmendschungel in der Bildung, mit dem Bund und Länder in den vergangenen Jahren auf den wachsenden Problemdruck einerseits und den dazu quer laufenden verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten andererseits reagiert haben."

Diese "Bildungsbündnisse" änderten laut Rossmann keinen Deut bei der sozialen Ungerechtigkeit in unserem Bildungswesen und der unzureichenden Finanzierung unserer Kitas, Schulen wie Hochschulen. Wenn der Deutsche Kulturrat darüber hinaus selber aber die kulturelle Bildung immer wieder als eine Kernaufgabe der Schule bezeichne, stelle sich die Frage, ob hier mit öffentlich subventionierten, vorrangig privaten, außerschulischen Angebotsmärkten überhaupt das richtige Instrument auf den Weg gebracht werde.

"Das Kooperationsverbot ist ein Grund für den Maßnahmendschungel im Bildungsbereich. Anstatt aber mit Nachdruck für eine Verfassungsreform zu kämpfen, die hier direktere gemeinsame Lösungen von Bund und Ländern eröffnet, kneift Schavan vor ihren unionsregierten Ländern. Beim Grundgesetz kämpft sie daher längst nicht mehr für bessere Bildung sondern beschränkt sich auf ein Zubrot für die Spitzenforschung. Das ist falsch und einer Bundesbildungsministerin unwürdig. Füer die SPD ist die Abschaffung des Kooperationsverbotes für alle Bildungsbereiche unverzichtbar. Nur dann können wir starke und leistungsfähige öffentliche Bildungsinfrastrukturen foerdern, die allen Kindern und Jugendlichen in gleicher Weise zugute kommen. Nicht weil es einfach ist, sondern weil es sachlich notwendig ist."

CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Kulturelle Bildung verbessert Lebenschancen 
Der bildungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Rupprecht, und der zuständige Berichterstatter im Haushaltsausschuss, Eckhardt Rehberg betonten die Bedeutung kultureller Bildung.

„Theatergruppe, Musikschule und Ballettkurs leisten wichtige Beiträge zur Persönlichkeitsbildung von Kindern und zu ihrem  Bildungserfolg. Kinder lernen hier Kreativität, Zielstrebigkeit, Leistungsbereitschaft, Disziplin und Teamfähigkeit.
Sie entdecken ihre Talente, gewinnen Selbstvertrauen in die eigene Stärke und nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Wir wollen, dass alle Kinder solche Erfahrungen machen können, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.
Deshalb werden wir künftig außerschulische Angebote im Bereich der kulturellen Bildung fördern. Hierfür stellen wir im nächsten Jahr 30 Millionen Euro bereit. Gefördert werden sollen insbesondere Projekte, in denen sich auch Ehrenamtliche engagieren. Damit stärken wir zugleich das bürgerschaftliche Engagement, das unsere Gesellschaft heute genauso braucht wie eh und je.“

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung / Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung / Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) / SPD-Fraktion / CDU/CSU-Fraktion

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