Förderung der Erziehung in der Familie / Digitalisierung und Medien

Online-Portal „boys & books“ will Leselust von Jungen fördern

Jemand liegt im Gras und liest ein Buch.
Bild: © Andriy Petrenko - Fotolia.com

Die PISA-Studien und andere Erhebungen belegen: Lesen ist für Jungen „uncool“, sie lesen weniger als Mädchen und oft auch deutlich schlechter. Dem entgegenwirken will das Online-Portal „boys & books“, dessen Leitung Prof. Dr. Ina Brendel-Perpina – Vertreterin des Lehrstuhls für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur an der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – übernommen hat.

„Häufig verabschieden sich Jungs im Alter von 8 bis 12 Jahren weitgehend vom Lesen – und wer das flüssige und mühelose Lesen bis dahin noch nicht beherrscht, wird bei der Lesekompetenz, Lesemotivation und Lesepraxis langfristig abgehängt“, erklärt Brendel-Perpina. Sie wurde im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Lesepreis für ihre Arbeiten zu Leseclubs ausgezeichnet, in denen sich Kinder und Jugendliche regelmäßig treffen, um gemeinsam zu lesen und sich über Bücher auszutauschen. Brendel-Perpina wirkte seit dem Start von „boys & books“ vor sechs Jahren laufend an der Entwicklung der Seite mit.

Projekte zur Leseförderung

Das Portal www.boysandbooks.de  richtet sich an Literaturvermittler und Leseförderer in Schulen, Bibliotheken und Medien, im Buchhandel sowie an Eltern und bietet eine Plattform für alle, die sich in Projekten zur Leseförderung engagieren. Dabei werden wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse zusammengeführt und allen Akteuren zugänglich gemacht. Alle Buchtipps werden von Leseproben, Inhaltsangaben, Rezensionen und Hinweisen zur Leseförderung begleitet. Die Seite bietet altersgerechte Buchempfehlungen – speziell ausgewählt für Kinder und Jugendliche, die wenig oder schlecht lesen oder die Lust daran verloren haben.

„Lesen darf nicht nur auf die rein funktionalen Grundfertigkeiten, das Entziffern von Wörtern, Sätzen und kurzen Texten für den alltäglichen und schulischen Gebrauch, reduziert werden“, so Brendel-Perpina. Vielleser hätten Vorteile in allen wichtigen Entwicklungsbereichen: Ihr Sozial- und Kommunikationsverhalten sei besser, ihre Dialog- und Konfliktfähigkeit gestalte sich entwickelter und ihre Teilhabe an kulturellen Angeboten und gesellschaftlichen Aufgaben sei größer.

Leseempfehlungen für Jungen

Zweimal jährlich werden die neu erschienenen Top-Titel für Jungen ab dem Grundschulalter auf der Webseite vorgestellt. Die von einer Fachjury ausgewählten Buchtipps orientieren sich dabei grundsätzlich an den Bedürfnissen von „Literatur-Anfängern“. Die Leseempfehlungen basieren auf genreorientierten Kriterien – verbunden mit aus der Leseforschung bekannten genderspezifischen Genrepräferenzen sowie Kriterien der Verständlichkeit und motivierenden Textgestaltung. Besonders interessant für Jungen sind dabei Abenteuerliteratur, komische Antiheldengeschichten und Fantasy, aber auch Krimi- oder Gruselgeschichten sowie Comics und Graphic Novels.

Gemeinsam mit Studierenden untersucht das Team um Brendel-Perpina empirisch, inwieweit die empfohlenen Bücher bei den jungen Lesern aufgenommen werden. Im Rahmen von Seminaren zur gendersensiblen Leseförderung analysieren die Studierenden die Top-Titel und führen Interviews mit Jungen, die diese Bücher gelesen haben. So wird die literaturwissenschaftliche mit einer sozialwissenschaftlichen Perspektive zusammengeführt, um wiederum Empfehlungen für die Leseförderung zu entwickeln.

Quelle: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt vom 17.12.2018

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