Förderung der Erziehung in der Familie / Familienpolitik

Müttergenesungswerk wird 70 – ein weltweit einzigartiges Angebot

Eine Mutter hebt lachend ihren kleinen Sohn hoch, der auch lächelt
Bild: rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Seit 1950 setzt sich die gemeinnützige Stiftung für Gesundheitsvorsorge und -rehabilitation von Müttern ein und feierte am 31. Januar 2020 Jubiläum. In über 1.000 Beratungsstellen mit rund 130.000 Beratungen jährlich werden Mütter und inzwischen auch Väter und pflegende Angehörige unterstützt. Die gesetzliche Rahmenbedingungen für Kuren in Deutschland sind weltweit einzigartig.

Kuren zur Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und Väter gibt es nur in Deutschland – ein Verdienst der jahrzehntelangen fachlichen und politischen Arbeit des Müttergenesungswerks. Der Anspruch auf eine gesundheitliche Maßnahme ist in Deutschland politisch im Jahr 1989 im Sozialgesetzbuch (SGB V.) verankert worden. Seit 2002 gibt es eine Vollfinanzierung. 

Das Müttergenesungswerk ist die einzige Organisation, die politische Arbeit für Kurmaßnahmen für Mütter, Väter und pflegende Angehörige macht. Sie sichert Zugangswege, setzt innovative Qualitätsstandards für Kliniken, erreicht gesetzliche Verbesserungen und informiert Ärztinnen und Ärzte sowie Betroffene. Neuster Meilenstein: Seit 2018 gibt es erstmalig bundeseinheitliche Attest-Formulare für Kuren.

Von spendenfinanzierten Kuren zur gesetzlichen Pflichtleistung

„Das Müttergenesungswerk ist einzigartig in der Welt. Wenn es das Müttergenesungswerk nicht schon seit 70 Jahren gäbe, man müsste es erfinden. Welche andere von Spenden finanzierte Organisation kümmert sich so wunderbar um Mütter und mittlerweile auch um Väter und pflegende Angehörige? Sie alle, die dringend mal eine Pause vom aufreibenden Alltag brauchen, können mithilfe des Müttergenesungswerkes durchatmen und sich eine Auszeit nehmen, damit sie nach der Kur wieder gestärkt für ihre Familien da sein zu können“, so Elke Büdenbender, Schirmherrin des Müttergenesungswerks. Sie setzt mit Überzeugung die Arbeit der Gründerin Elly Heuss-Knapp, der Frau des ersten Bundespräsidenten, fort. Die legte 1951 mit ihrer Rede vor dem Deutschen Krankenkassentag den Grundstein für die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und erreichte mit den Spendensammlungen rund um den Muttertag, dass tausende Mütter für die Kur unterstützt werden konnten. 

„Die Gesundheit von Müttern, Vätern und pflegenden Angehörigen in den Familien zu stärken ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Das Müttergenesungswerk ist wichtige Partnerin für eine moderne Gesundheitspolitik für Familien und setzt die notwendigen Akzente. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann man nicht ohne gesundheitliche Unterstützung und gesetzliche Rahmenbedingungen denken“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler, die seit November 2019 dieses Ehrenamt bekleidet. 

Hochaktuelle Themen: Das Müttergenesungswerk als Trendsetterin

Wohin wenden sich Väter, die gesundheitlich unter Dauerbelastung leiden? Wie können pflegende Angehörige unterstützt werden? Diesen hochaktuellen Themen widmet sich das Müttergenesungswerk heute. Jährlich nehmen fast 50.000 Mütter, an die 2.000 Väter und mehr als 70.000 Kinder an Mütterkuren, Mutter-Kind-Kuren und Vater-Kind-Kuren in über 70 Kurkliniken im Müttergenesungswerk teil. Die Organisation fordert aktuell eine Verbesserung der gesetzlichen Zugangsbedingungen für Pflegende zu Kuren zur Vorsorge. Rund 700 pflegende Angehörige nehmen die spezifischen Kuren in Anspruch.  

Das Müttergenesungswerk kann bei der konzeptionellen Arbeit als Trendsetterin bezeichnet werden. Denn: Die Organisation hat bundesweit einzigartige gendersensible Kuren für Mütter und Väter entwickelt und ist mit der geschlechtsspezifischen Gesundheitsforschung vernetzt. In über 1.000 Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden unterstützen Beraterinnen und Berater Betroffene bei der Beantragung und Vorbereitung und organisieren Kurnachsorge. Dabei werden auch einkommensschwache Menschen finanziell unterstützt – soweit die Spendenmittel reichen. Die Beratungsstellen und -kapazitäten sinken jedoch kontinuierlich, da es keine öffentliche Förderung dieser Arbeit gibt. Das Müttergenesungswerk fordert daher den gesetzlichen Anspruch auf vor- und nachstationäre Kurberatung und Begleitung. Kontinuierliche Lobbyarbeit für Mütter, Väter und pflegende Angehörige ist ein ebenso wichtiger Stiftungszweck, wie konkrete Hilfe von Betroffenen vor Ort – eine wichtige Aufgabe, die nur im Netzwerk realisiert werden kann. Unter dem Dach des Müttergenesungswerks arbeiten fünf Organisationen eng zusammen: die Arbeiterwohlfahrt, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz, der Evangelische Fachverband für Frauengesundheit e.V. sowie die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung e.V.

Über vier Millionen Mütter profitierten von Kuren und gesetzlichen Rahmenbedingungen

Auch Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey gratulierte zum Jubiläum und würdigte die Verdienste der Stiftung: „Über 4 Millionen Mütter konnten in den vergangenen 70 Jahren von den Kuren profitieren und kehrten gestärkt in den Alltag zurück. Frauen sind auch heute noch meistens diejenigen, die sich – oft neben beruflicher Tätigkeit – besonders um die Familie kümmern: um die Kinder, um den Haushalt, zunehmend auch um pflegebedürftige Angehörige. Eine Kur in einer Klinik des Müttergenesungswerks gibt ihnen Zeit zum Luftholen und Auftanken. Sie hilft ihnen, sich wieder stärker auf sich selbst zu konzentrieren. Erfreulicherweise bringen sich aber auch Väter immer stärker in die Familien- und Erziehungsarbeit ein. Das Müttergenesungswerk hat diese gesellschaftliche Entwicklung aufgegriffen und bietet heute auch spezielle Angebote für Väter an. Mittlerweile gehen jährlich etwa 2.000 Väter in Kur – Tendenz steigend. Diese Entwicklung werden wir weiter unterstützen. Denn auch Papas brauchen neue Energie“, so Franziska Giffey.

Jahrzehntelang setzte sich das Müttergenesungswerk dafür ein, dass Kurmaßnahmen gesetzlich geregelt werden. Heute gehören sie zu den Pflichtleistungen der Gesetzlichen Krankenkassen. Belastete Mütter und Väter haben damit, sofern auch eine entsprechende medizinische Indikation besteht, ein Recht auf Vorsorgemaßnahmen mit oder ohne Kinder in den Kliniken des MGW. In keinem Land der Welt hat die Genesung von Müttern und Vätern einen vergleichbar hohen Stellenwert – es ist das Verdienst von Generationen von Frauen, die sich als Vertreterinnen des Müttergenesungswerkes hartnäckig für die Belange von gesundheitlich belasteten Eltern engagiert haben.

Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz wurde 2012/2013 die Grundlage geschaffen, dass auch pflegende Angehörige Kurangebote in Einrichtungen des MGW in Anspruch nehmen können. Der Bedarf wächst stetig für pflegende Frauen, aber auch für pflegende Männer.

Weitere Informationen über das Müttergenesungswerk finden sich unter www.muettergenesungswerk.de

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 31.01.2020 und Deutsches Müttergenesungswerk vom 15.01.2020

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