Förderung der Erziehung in der Familie / Gesundheit

Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Kindern mit einer Lese- und/ oder Rechtschreibstörung veröffentlicht

bunte Buchstaben ergeben ABC
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Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie hat eine wissenschaftliche Leitlinie herausgebracht, mit dem Ziel einer verbesserten Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie freut sich sehr, dass unter ihrer Federführung eine weitere, sehr wichtige S3-Leitlinie entstanden ist, die die wissenschaftliche Grundlage für eine deutlich verbesserte Diagnostik und Behandlung der Kinder und Jugendlichen mit einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung darstellt.

"Es ist unverantwortlich, die fachärztliche Perspektive bei der Diagnostik und Behandlung der Lese- und Rechtsschreibstörung außer Acht zu lassen", betont der Präsident der DGKJP, Professor Dr. med. Jörg M. Fegert.

"Wenn die psychischen Ursachen oder Begleitsymptome einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung übersehen werden, gleiches gilt für eine Seh- oder Hörstörung, dann verstärkt sich das Leiden des Kindes und seiner Familie, weil nicht die Ursache behandelt wird, sondern nur Symptome einer anderen Störung" ergänzt Jörg Fegert.

An wen richtet sich die Leitlinie?

Die Leitlinie ist von Fachvertreter/-innen verschiedener Disziplinen erstellt worden und richtet sich dementsprechend an eine große Gruppe von Fachdisziplinen und ihrer Angehörigen. Hierzu gehören die Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, für Kinder- und Jugendmedizin, für Psychiatrie und Psychotherapie, für Phoniatrie und Pädaudiologie, für Psychosomatische Medizin, sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychotherapeuten, Psychologen, Neuropsychologen, Schulpsychologen, Lehrkräften, Sonderpädagogen, Heilpädagogen, Lerntherapeuten, akademische Sprachtherapeuten, Logopäden. Außerdem kann sie von Angehörigen sowie den betroffenen Kindern und Jugendlichen selbst als Informationsgrundlage verwendet werden.

"Wir beobachten mit zunehmender Besorgnis, dass die Diagnose einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung in Schulen und Bildungseinrichtungen in Frage gestellt wird", sagt der Stellvertretende Präsident der DGKJP, Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Tobias Banaschewski.

"Die Befürchtung seitens einzelner Pädagogen, dass mit der Diagnosestellung eine schulische Förderung und Behandlung verhindert wird und dass die Betroffenen sich in Folge nur noch in ihr Schicksal ergeben müssen, ist vollkommen unbegründet" hebt Tobias Banaschewski hervor.

"Im Gegenteil, betont der Koordinator der Leitlinie, Professor Dr. med. Gerd Schulte-Körne, " durch eine frühe Diagnostik kann eine individuelle, spezifische Behandlung rechtzeitig begonnen werden. In der Leitlinie führen wir alle wirksamen Methoden und auch die nicht-wirksamen auf, wie z.B. auditive oder rein visuelle Trainings. Nur mit diesem Wissen kann zukünftig vermieden werden, dass Kinder und ihre Eltern vergeblich viel Zeit mit Üben in Schulen und außerschulischer Förderung verbringen, ohne dass das Kind einen Lernzuwachs erzielt.

Die Leitlinie ist unter folgendem Link abrufbar: www.dgkjp.de/leitlinien

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) vom 21.05.2015