Förderung der Erziehung in der Familie

Hessische Studie belegt: Familienzentren erreichen Problemfamilien

Die Familienzentren in Hessen sind eine sinnvolle und notwendige Erweiterung von Betreuungs-, Beratungs-, Bildungs- und Begegnungsangeboten. Dies belegt eine Studie, die das Hessische Sozialministerium gemeinsam mit der Stadt Gießen und der Justus Liebig-Universität Gießen durchgeführt hat und deren Ergebnisse nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

„Familienzentren können Familien frühzeitig und unmittelbar erreichen, auch jene, die benachteiligt sind und mit besonderen Schwierigkeiten wie Armut, Arbeitslosigkeit, Isolation zu kämpfen haben. Sie holen die Eltern dort ab, wo sie im Alltag stehen, und bieten zielgenaue Hilfe, effektive Entlastung und leiten zur Selbsthilfe an“, erklärte Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, heute beim Kongress zur kommunalen Implementierung von Familienzentren an der Universität Gieß

Ausbau in Hessen kommt voran

Um möglichst alle Kinder und Eltern zu erreichen, sei es notwendig, eine Vielzahl von niedrigschwelligen Anlaufstellen aufzubauen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Hier sieht die Staatssekretärin das Land und die Kommunen auf einem guten Weg. „Hessen gehört mit der Idee und der Umsetzung von Familienzentren bundesweit zur Spitzengruppe. Die Familienzentren sind in Hessen auf dem Vormarsch.“ Der Auf- und Ausbau von Familienzentren sei ein gesetztes Ziel der Landesregierung für die laufende Legislaturperiode von 2009 – 2014. Das Sozialministerium habe zur Unterstützung ein Förderprogramm mit einem jährlichen Volumen von 1,3 Millionen Euro aufgelegt, das auf große Resonanz stoße. Inzwischen werden hessenweit 98 Familienzentren mit Landesmitteln gefördert.

„Die heute vorgestellten Studienergebnisse belegen deutlich die hohe Akzeptanz von Familienzentren“, erklärte die Staatssekretärin. Das Forschungsprojekt des Instituts für „Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft“ der Justus Liebig - Universität Gießen unter Führung von Professorin Uta Meier-Gräwe in Zusammenarbeit mit der Stadt Gießen zur Implementierung von Familienzentren habe Pionierarbeit geleistet. Das Datenmaterial gebe wertvolle Hilfestellung wie in Hessen der Auf- und Ausbau der Familienzentren weiter voran gebracht werden könne. Das Sozialministerium hat die Studie finanziell gefördert.

Niedrigschwellige Angebote stärken Familien

Familienzentren unterstützen und begleiten Familien in ihrem jeweiligen Lebenszusammenhang. Die Einrichtungen bieten für alle Generationen und alle Personen sowie für jede Lebensphase wohnortnah und unkompliziert unter anderem Kinderbetreuung, Bildungs-, Förder- und Erziehungsangebote, Lese- und Sprachförderung, Familienbildung, Eltern- und Lebensberatung, Elternbildungsangebote, Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Qualifizierungen unter anderem im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit.

„Mit den Familienzentren schaffen und unterstützen wir ein aktivierendes, regionales Angebot für die Familien in Hessen. Familienzentren sind Knotenpunkte in einem Netzwerk von Kooperation und Information, das zugleich das kommunale Präventionsnetz und das soziale Unterstützungsnetz vor Ort wirkungsvoller gestaltet. Hierbei werden bildungspolitische, gesundheitspräventive und gewaltpräventive Ansätze mit familienbezogenen Angeboten unter einer ganzheitlichen Betrachtung in einem Sozialraum verknüpft“, unterstrich Petra Müller-Klepper.

„Die Weiterentwicklung von Kitas zu Familienzentren bzw. die Neugründung solcher Einrichtungen mit integrierten Unterstützungs- und Bildungsangeboten für Kinder und ihre Eltern stellen eine strukturelle und innovative Antwort auf veränderte Bedarfslagen von Familien in der heutigen Gesellschaft dar", erklärte Frau Professor Dr. Uta Maier-Gräwe bei der Vorstellung ihrer Studienergebnisse heute.

Ziel der Landesregierung sei es, hessenweit solche Knotenpunkte eines familienstützenden Netzwerks zu schaffen, betonte die Staatssekretärin. Hierbei gelte es, bereits vorhandene Strukturen wie zum Beispiel Angebote der Familienbildung und –beratung, die lokalen Bündnisse für Familien, die Tandems zur Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsplans sowie die Mehrgenerationenhäuser einzubeziehen, zu vernetzen und hierauf aufzubauen.

Anträge bis 1. März 2013

Das Hessische Sozialministerium fördert die Familienzentren mit bis zu 12.000 Euro pro Einrichtung und Jahr. Gefördert werden Personal- und Sachausgaben für die Leitung, Koordinierung, Vernetzung, das Management des Familienzentrums, die Sicherstellung der notwendigen Angebote oder die Leistungen Dritter. Die Förderung ist für die Entwicklung oder Weiterentwicklung von Familienzentren bestimmt und wird jeweils für ein Jahr für die Dauer von maximal 5 Jahren zur Verfügung gestellt.

Für die nächste Förderrunde können Anträge bis zum 1. März 2013 eingereicht werden. Antragsberechtigt sind kommunale und gemeinnützige Träger. Die Anträge können über die Kommune beziehungsweise über die Landkreise beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht werden. 
Weitere Informationen sind auf den Internetseiten des Regierungspräsidiums Kassel www.rp-kassel.hessen.de (Arbeit & Soziales / Förderung / Familienzentren Hessen) sowie des Hessischen Sozialministeriums www.hsm.hessen.de (Familie / Familienzentren) zu finden.

Quelle: Hessisches Sozialministerium vom 06.09.2012