Förderung der Erziehung in der Familie

Fachkongress nimmt Kinderarmut in den Blick

Teilnehmer/-innen des Fachkongresses
Bild: Dominik Schmitz/LVR-ZMB Kinderarmut geht uns alle an! Beim Fachkongress (v.l.): Christoph Gilles (Leiter LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut), Referentin Dr. Antje Richter-Kornweitz (Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.), Corinna Spa

Rund 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen in NRW sind von Armut bedroht. Armut grenzt aus und gefährdet Teilhabe- und Bildungschancen. Sie bedeutet für Betroffene gesundheitliche Benachteiligung und den Ausschluss von Bildung, Kultur, Sport und Freizeitaktivitäten. Beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) in Köln haben nun rund 100 Fachkräfte aus den Bereichen Jugendhilfe, Gesundheit, Schule und Soziales das Thema im Rahmen des Fachkongresses "Kinderarmut geht uns alle an!" in den Blick genommen.

Viele von ihnen sind bereits in das LVR-Förderprogramm "Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut" eingebunden und berichteten beim Fachkongress über ihre Erfahrungen. 23 Kommunen nehmen bereits an dem Programm teil, das darauf abzielt Unterstützungsangebote für arme Familien innerhalb einer Kommune miteinander zu vernetzen. Der LVR stellt hierbei Geld für eine Koordinationsstelle im örtlichen Jugendamt zur Verfügung, die die notwendige Vernetzung der verschiedenen Akteure organisiert. Ein Ziel des Programms ist die Entwicklung von Präventionsketten, in denen für jede Altersgruppe passende Angebote vorgehalten werden - von Hausbesuchen bei Familien mit Neugeborenen, über Hausaufgabenbetreuung bis hin zur Freizeitgestaltung. Außerdem sollen Politik, Schulen, Ärzte, Eltern und die Öffentlichkeit für Kinderarmut sensibilisiert werden, damit schnell Unterstützungsangebote gemacht werden können.
 
Prof. Dr. Jürgen Rolle, Vorsitzender der LVR-Landesjugendhilfeausschusses, eröffnete den Fachkongress: "Schon 2009 hat unser Ausschuss eine Jugendpolitische Agenda verabschiedet, die die Verbesserung der Teilhabechancen junger Menschen zum Ziel hat. Die kommunalen Netzwerke gegen Kinderarmut sind aus diesen Bemühungen entstanden und ein echtes Erfolgsprojekt - das zeigt auch die enge Abstimmung mit dem Programm der Landesregierung "Kein Kind zurücklassen!". Der Fachkongress trägt dazu bei, das gesammelte Wissen und die gemachten Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben, um voneinander zu lernen." Rolle betonte, dass Armut immer auch ein Hinweis darauf sei, dass es notwendig ist, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern, die sie entstehen lassen hat. Mit dem Fachkongress wolle der LVR dazu beitragen, Unwuchten und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft zu gestalten oder zu reparieren. "Es ist dringend an der Zeit, auch darüber nachzudenken, was wir in dieser Gesellschaft anstreben müssten, damit es zu diesen sogenannten prekären Verhältnissen gar nicht erst kommt", so Rolle weiter.

Bei Vorträgen und einem World-Café gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem den folgenden Fragen nach: Wie erleben Kinder Armut und wie kann ihre Widerstandskraft gestärkt werden? Oder: Wie werden kommunale Netzwerke und präventive Angebote zur Verringerung der Folgen von Armut bei Kindern und Jugendlichen aufgebaut und erfolgreich umgesetzt.
Seit 2011 profitieren von "Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut" bereits der Kreis Euskirchen sowie die Städte Aachen, Stolberg, Düren, Hilden, Bergisch Gladbach, Hückelhoven, Kempen, Kerpen, Monheim am Rhein und Mülheim an der Ruhr. Seit August 2012 engagieren sich auch Dinslaken der Rheinisch-Bergische Kreis und die Städte Essen, Velbert, Hürth, Emmerich, Heiligenhaus, Eschweiler, Pulheim, Remscheid, Neuss und Kevelaer in dem Programm. In diesem Jahr kommen weitere fünf Kommunen dazu. Und auch 2014 haben Jugendämter die Möglichkeit in das Projekt einzusteigen.

Weitere Informationen erhalten Sie auch unter www.kinderarmut.lvr.de.

Quelle: Landschaftsverband Rheinland (LVR)

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