Förderung der Erziehung in der Familie / Hilfen zur Erziehung

Ergebnisse der Fachtagung "Stationen im Adoptionsprozess"

Das Bild zeigt die Silhouette einer Familie.

Am 5. und 6.11.2013 fand die 11. Fachtagung der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen (GZA) statt. Die Fachtagung handelte von nationaler und internationaler Adoptionsvermittlung und den Herausforderungen, die mit diesem Arbeitsfeld verbunden sind.

Zum Auftakt der Veranstaltung betonte Werner Keggenhoff, der Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz, der die Begrüßung der 90 Fachkräfte der Adoptionsvermittlungsstellen aus Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland übernahm, dass die Grenzen der räumlichen Kapazitäten im Mainhaus Stadthotel in Frankfurt erreicht seien. Daher habe die GZA leider in diesem Jahr einige Anmeldungen nicht mehr annehmen können. 90 Adoptionsvermittlerinnen und -vermittler waren nach seinen Worten in die Stadt gekommen, „in welcher Geld und Gewinn“ eine große Rolle spielen, um sich mit Themen zu befassen, die gänzlich andere Schwerpunkte setzen. Er lobte die professionelle und im Alltag oft schwierige Arbeit der Adoptionsvermittlungsstellen und der GZA. Er wünschte allen Teilnehmenden, dass sie viele wertvolle Impulse aus den Beiträgen beider Tage in ihre Vermittlungspraxis umsetzen können.

Im ersten Vortrag, den Andy Jespersen von der Universität Siegen sehr gut nachvollziehbar gestaltete, ging es um: „Gleichgeschlechtliche Pflege- und Adoptiveltern: Besondere Chancen, Ressourcen und Aufgaben gleichgeschlechtlicher Elternschaft“. Herr Jespersen stellte Forschungsergebnisse und Statistiken zu folgenden Bereichen vor: „Was ist Familie?“, „Normalfamilie und ihre Abweichungen“  und „Vielfalt von Familien“. Im Anschluss kamen die Fachkräfte mit dem Referenten in einen lebhaften Diskurs. Am Nachmittag referierte Dipl.-Psychologe Jochen Wolf Strauß zum Thema: „Welche Eltern braucht das Kind? Kriterien und Methoden der Überprüfung von Adoptionsbewerbern“. Diagnostische Möglichkeiten zur Erstellung einer Prognose über die Eignung der Bewerber für ein bestimmtes Kind und Kriterien für das Entstehen einer Eltern-Kind Beziehung wurden vorgestellt. Wie Haltungs- und Einstellungsfragen der Vermittlerinnen und Vermittler einfließen und Phänomene wie Übertragung und Gegenübertragung ablaufen, wurde durch Filmsequenzen veranschaulicht. Zu verschiedenen Fragestellungen erfolgte anschließend ein Austausch im World-Café. Den Abschluss des Tages gestalteten Iris Egger-Otholt, Juristin und Leiterin der GZA, und Karin Dymale-Eckert, pädagogische Fachkraft in der GZA. Ihre Rubrik „Neues aus der GZA“ wurde sehr positiv aufgenommen. Es ging um wichtige Neuerungen, die 2014 durch gesetzliche Änderungen und neue Vorgaben für die Adoptionsstatistik auf alle Fachkräfte zukommen. Die Auseinandersetzung mit den gesetzlichen Regelungen und kulturellen Besonderheiten vieler Herkunftsländer der Adoptivkinder, die erläutert wurden, bildet wichtige Grundlagen für die Arbeit der Adoptionsmittlungsstellen.

Am nächsten Vormittag beschäftigten sich die Fachkräfte intensiv mit den Adoptivkindern und insbesondere mit deren Lebensphase der Adoleszenz, die Adoptivfamilien oft vor besondere Herausforderungen stellt. Der Beitrag der Diplom-Pädagogin Mériem Diounani-Streek zeigte anhand der neuen internationalen Adoptionsforschung die Chancen gelingender Persönlichkeitsentwicklung von früh belasteten Kindern in rechtlich abge-sicherten Ersatz-familien auf. Die Besonderheiten der Identitäts-entwicklung und Ablösungskonflikte von Jugendlichen in Adoptivfamilien wurden beleuchtet. Nach der Mittagspause begrüßte Cornelia Lange, Leiterin der Abteilung Familie im dem Hessischen Sozialministerium in Wiesbaden, die Fachkräfte. Sie informierte die Anwesenden über die Entwicklung verschiedener aktueller Adoptionsthemen aus der Jugend- und Familienministerkonferenz, welche 2013 unter dem Vorsitz Hessens steht, und der Arbeitsgemeinschaft der obersten Familienbehörden und Jugendbehörden. Themen, die auch unsere Jahrestagung prägten, tauchten hier wieder auf und stießen auf großes Interesse. Gesetzliche Neuregelungen, um die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Lebenspartner zu ermöglichen, welche Rolle das Alter der Adoptionswilligen spielt, Babyklappen und Leihmutterschaften waren nur einige der Stichworte, die die Adoptionsvermittlungsstellen und die GZA in den kommenden Jahren weiter beschäftigen werden.

Daran schlossen sich perfekt die Vorträge von Monika Bradna, Dipl. Soziologin beim DJI München, an. Diese brachten den Fachkräften einerseits wichtige wissenschaftliche Aspekte aus der Studie über Babyklappen und anonyme Geburten nahe, die für die Arbeit mit abgebenden Müttern von zentraler Bedeutung sind. Anderseits sollte die Beschäftigung mit dem Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt die Fachkräfte auf zukünftige Aufgaben und neu entstehende Kooperationsbedarfe und Strukturen vorbereiten.

Quelle: Landesjugendamt Rheinland-Pfalz vom 18.11.2013

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