Kinder- und Juegndpsychiatrie

CHIMPS-net-Studie untersucht die Unterstützung für Familien mit einem depressiven Elternteil

Ein trauriges Mädchen umarmt von hinten ihre Mutter, die verzweifelt ihre Hände vors Gesicht hält
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Als einer von 20 CHIMPS-net-Standorten (Children of mentally ill parents Network) in Deutschland, untersucht die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am LMU Klinikum München das Online-Präventionsprogramm „Gesund und Glücklich Aufwachsen online“ (GuG-Auf-online).

GuG-Auf-online ist die deutsche Onlineversion eines US-amerikanischen Präventionsprogramms für Kinder mit einem depressiven Elternteil. Es ist das erste familien- und gruppenbasierte Online-Präventionsprogramm, das wissenschaftlich auf seine Wirksamkeit hin untersucht wird und als Onlineprogramm auch während und nach der Corona-Pandemie flächendeckende Unterstützung anbieten kann.

Fast jede vierte Person in Deutschland hat einmal im Leben eine depressive Phase durchlebt

Viele davon sind Eltern minderjähriger Kinder. Circa 50 Prozent der Kinder depressiver Eltern leiden bis zum 21. Lebensjahr selbst an einer depressiven Störung. Sind beide Elternteile an einer Depression erkrankt, liegt das Erkrankungsrisiko der Kinder sogar noch höher. Wissenschaftliche Forschung konnte zeigen, dass durch geeignete Präventionsmaßnahmen das Erkrankungsrisiko von Kindern depressiver Eltern halbiert werden kann.

Die Entwicklung, Evaluation und Etablierung solcher Präventionsmaßnahmen in Deutschland ist Ziel des bundesweiten Forschungsprojektes CHIMPS-net (Children of mentally ill parents Network), welches vom Innovationsfonds der Bundesregierung gefördert wird.

„Die Ergebnisse der Studien zeigen uns, dass eine frühe Prävention bei der interdisziplinären Versorgung für Kinder psychisch kranker Eltern wichtig ist. Eine Aufnahme in die Regelversorgung ist sinnvoll, denn so kann einer generationenübergreifenden Weitergabe von psychischen Erkrankungen begegnet werden”, sagte Prof. Silke Wiegand-Grefe (UKE Hamburg), Leiterin des CHIMPS-net-Verbundes.

Online-Präventions-Programm

In acht zweistündigen Onlinesitzungen lernen Eltern und Kinder mit der Unterstützung von zwei Therapeutinnen Bewältigungsstrategien kennen, um besser mit eigenen akuten und chronischen Belastungen umzugehen. Außerdem geht es darum, die eigenen Ressourcen für eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kind(ern) zu stärken.

Das Online Präventionsprogramm unterstützt Eltern auf dem Weg zu einem positiven Elternsein. In einem geschützten Rahmen können die Familien untereinander ihre Erfahrungen teilen. Ihre Kinder erhalten Informationen, Anleitungen und Tipps, sodass sie das Verhalten ihrer Eltern besser verstehen und damit besser umgehen können. Schuldgefühle auf Seiten der Eltern und Kinder sollen abgebaut werden. Begleitet wird das Programm von einem digitalen Training in einer App.

„Erste Evaluationen der Offlineversion des Programms zeigen vielversprechende Ergebnisse“, sagte Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LMU Klinikum München. „Sie weisen darauf hin, dass die Prävention vor allem dann gelingt, wenn die Kinder lernen, mit ihren Gefühlen und mit Stress gut umzugehen.“

Bis Anfang 2022 können Eltern, die akut oder in Vergangenheit an einer Depression erkrankt sind oder waren, und deren Kinder acht bis 17 Jahre alt sind und keine psychische Störung aufweisen, an der Studie teilnehmen.

Einmal im Monat können sich Interessierte zudem auf einem Online-Infoabend über die Studie und das Präventionsprogramm informieren.

Quelle: Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LMU Klinikum München vom 27.08.2021

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