Förderung der Erziehung in der Familie / Hilfen zur Erziehung

BaWü: Bessere Förderung für Kinder aus Suchtfamilien

Eine Raucherin
Bild: © BeaUhart - Fotolia.com

Sozialministerin Katrin Altpeter will Kinder aus Suchtfamilien besser unterstützen und fördert deshalb eine gemeinsame Initiative der Landesstelle für Suchtfragen, des KVJS-Landesjugendamts und der Liga der freien Wohlfahrtspflege mit 100.000 Euro.

Ziel des Projekts „Schulterschluss“ ist es, die bestehenden Hilfestrukturen im Land durch eine verbindlichere Kooperation zwischen Jugendhilfe und Suchthilfe zu verbessern. „Mit dem Projekt Schulterschluss vernetzen Jugendhilfe und Suchthilfe ihre Angebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien und können ihnen Hilfe aus einer Hand anbieten. Damit kommen wir unserem Ziel, dass diese Kinder genau die umfassende Unterstützung erhalten, die in ihrer schwierigen Situation erforderlich ist, ein großes Stück näher“, sagte die Ministerin beim Startschuss des Projekts.

In Baden-Württemberg gibt es rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren, deren Eltern suchtkrank sind. Diese Kinder leiden häufig unter sozialen, psychischen und körperlichen Belastungen. Sie sind in ihrer persönlichen Entwicklung oft stark beeinträchtigt und haben im Vergleich zu Kindern aus nicht suchtbelasteten Familien ein bis zu sechsfach höheres Risiko, selbst ein Suchtverhalten oder eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Etwa 30 Prozent entwickeln später eine eigene Suchterkrankung. Starke Schamgefühle führen zu Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. Oftmals gehören auch psychische oder körperliche Gewalt oder Missbrauch zu ihrer Lebenserfahrung. Aus der Not heraus übernehmen die Kinder zudem oft eine Verantwortung, der sie eigentlich nicht gewachsen sind.

Hilfsangebote für diese Kinder werden oft dadurch erschwert, dass sie nur schwierig zu erreichen sind, denn das Thema Sucht ist in der Gesellschaft - auch bei Erziehern und Lehrern, die am ehesten auf problematische Familienhintergründe reagieren könnten – oft immer noch ein Tabu oder wird nicht erkannt. Hier setzt die Initiative „Schulterschluss“ an. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugend- und Suchthilfe werden das Thema in gemeinsamen Seminaren erarbeiten und – aufbauend auf den bereits bestehenden Netzwerkstrukturen vor Ort - eine verbindliche Kooperation auf örtlicher Ebene vereinbaren. Die Mitarbeiter sollen dafür sensibilisiert werden, im Interesse der betroffenen Kinder möglichst früh aktiv zu werden. Dabei soll ihnen auch vermittelt werden, wie die Kontakte zwischen Eltern, Diensten und Einrichtungen verbessert und enger werden können. Im Rahmen des Projekts werden dafür in allen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg entsprechende Schulungen angeboten.

Bereits seit über 20 Jahren bemühen sich die Suchthilfeeinrichtungen der Wohlfahrtsverbände in Baden-Württemberg, Angebote für Kinder aus Suchtfamilien auf die Beine zu stellen. „Diesen Kindern wird die Kindheit genommen. Sie sind oftmals seelisch und körperlich völlig überfordert. Sie brauchen Schutz und vor allem warme und verlässliche Beziehungen zu Erwachsenen. Je früher sie ganz spezifische Hilfe bekommen, desto entlastender und hilfreicher ist das für ihre gesunde Entwicklung“, beschrieb Hansjörg Böhringer, Vorsitzender der Landesstelle für Suchtfragen, die Idee hinter „Schulterschluss“. Auf diesen Bedarf müssten auch die Finanzierungsstrukturen in der Suchthilfe und Suchttherapie in Zukunft ausgerichtet werden.

Auch für die Jugendhilfe in Baden-Württemberg sind der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie die Förderung ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung zentrale Aufgaben. „Bei einem erheblichen Teil der Kinder und Jugendlichen, die von der Jugendhilfe betreut werden, gibt es einen Suchthintergrund in den Familien“, erklärte Roland Kaiser, Dezernent des KVJS‑Landesjugendamtes Baden-Württemberg. „Um die Kinder zu schützen und für ihren weiteren Lebensweg zu stärken, müssen alle Fachrichtungen optimal zusammenarbeiten.“

Darüber, dass die dafür erforderlichen Kooperationen zwischen den verschiedenen Hilfesystemen auf der Basis von stabilen und verlässlichen Netzwerkstrukturen künftig durch „Schulterschluss“ ermöglicht wird, waren sich alle Teilnehmer der Veranstaltung in Stuttgart einig.

Quelle: Staatsministerium Baden-Württemberg vom 14.02.2013

Info-Pool