Die EU-Jugendstrategie 2019 - 2027

Am 26. November 2018 nahm der Rat der EU eine Entschließung mit dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ an. Damit legten die Mitgliedstaaten die Eckpunkte der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die nächsten neun Jahre fest.
Die Entschließung beschreibt die Ziele, Prinzipien, Schwerpunkte, Handlungsbereiche und Maßnahmen der europäischen Zusammenarbeit.

Die EU-Jugendstrategie soll die Teilhabe der Jugendlichen am demokratischen Leben sowie das soziale und bürgerschaftliche Engagement fördern und zielt darauf ab, dass alle jungen Menschen über die notwendigen Grundlagen verfügen, um sich an der Gesellschaft zu beteiligen.

Im Einzelnen “soll die Strategie

  • es jungen Menschen ermöglichen, ihr eigenes Leben zu gestalten, bei ihrer persönlichen Entwicklung und ihrem persönlichen Wachstum hin zur Selbstständigkeit helfen, sie widerstandsfähiger machen und sie mit Lebenskompetenzen ausstatten, damit sie in einer sich verändernden Welt zurechtkommen;
  • junge Menschen ermutigen und sie mit den notwendigen Mitteln ausstatten, sich durch Identifizierung mit den Werten der EU und einer europäischen Identität als aktive und solidarische Bürgerinnen und Bürger für einen positiven Wandel einzusetzen;
  • politische Entscheidungen bezüglich ihrer Auswirkungen auf junge Menschen in allen Bereichen, insbesondere Beschäftigung, Bildung, Gesundheit und soziale Inklusion verbessern;
  • zur Beseitigung der Jugendarmut und aller Formen von Diskriminierung beitragen und die soziale Inklusion junger Menschen fördern.“

Youth Goals als Inspiration und Vision

Auch die von jungen Menschen im Strukturierten Dialog erarbeiteten Europäischen Jugendziele werden berücksichtigt. Die elf sogenannten Youth Goals sind in im Anhang der Entschließung als Anlage 3 detailliert aufgeführt. „Die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission werden im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten aufgefordert, sich neben anderen Zielen auch von den Europäischen Jugendzielen inspirieren zu lassen und diese Vision in alle damit verbundenen Politikbereiche und Agenden einzubeziehen, wo immer dies sinnvoll ist.“

Der Rat verpflichtet sich, die Prinzipien Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Inklusion, Teilhabe, globale, europäische, nationale, regionale, lokale Dimension und den dualen Ansatz (Ressort- und Querschnittspolitik) in der jugendpolitischen Zusammenarbeit anzuwenden.

Er spricht sich also u.a. dafür aus, die Umsetzung der EU-Strategie in Verbindung mit der regionalen und der lokalen Ebene zu gewährleisten, und auch die Ansichten junger Menschen in der Behandlung globaler Themen zu berücksichtigen. Beides ist für eine nachhaltige Wirkung notwendig.

Handlungsbereiche: Beteiligung, Begegnung und Befähigung

Für das ressortbezogene Handeln hat der Rat sich für die EU-Jugendstrategie auf die drei Handlungsbereiche „Beteiligung, Begegnung und Befähigung“ verständigt.

Unter der Überschrift BETEILIGUNG soll mit der EU-Jugendstrategie „eine sinnvolle gesellschaftliche, wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Partizipation junger Menschen“ befördert werden. Zugeordnet sind hier Aspekte wie die Stärkung einer inklusiven demokratischen Partizipation und einer aktiven Beteiligung an politischen Gestaltungsprozessen, die Umsetzung des neuen EU-Jugenddialogs und die Entwicklung von Erfahrungs- und Lerngelegenheiten für Partizipation. Dabei ist gewünscht, insbesondere auch digitale sowie inklusive Formate der demokratischen Beteiligung weiter zu entwickeln.

BEGEGNUNG steht für europäische Begegnungen, Beziehungen und Austausche junger Menschen, eine der Grundlagen für die Förderung von Solidarität und europäischer Integration. Mitgliedstaaten sind eingeladen, grenzüberschreitende Mobilität für junge Menschen und Fachkräfte zu ermöglichen, u.a. indem Hindernisse beseitigt und Unterstützungsmaßnahmen für junge Menschen mit geringeren Chancen umgesetzt werden. Auch das solidarische Engagement junger Menschen soll gestärkt werden, sei es über eigene Förderprogramme oder über Synergien mit den EU-Jugendprogrammen (Erasmus+ JUGEND IN AKTION und Europäisches Solidaritätskorps).

Im Mittelpunkt des Aktionsbereiches BEFÄHIGUNG steht die weitere Stärkung und Profilierung von Youth Work in Europa. Kohärenz soll eine neue europäische Youth Work Agenda für Qualität, Innovation und Anerkennung von Jugendarbeit ermöglichen. Ein besonderes Anliegen ist der weitere Aufbau einer qualitätsvollen Jugendarbeit, was die Unterstützung von qualitätsbildenden Grundlagen auf den unterschiedlichen Ebenen beinhaltet, wie z.B. bei politischen Entwicklungen, in der Weiterbildung von Fachkräften, bei rechtlichen Grundlagen und Ressourcen.

Arbeitsmethoden der europäischen Zusammenarbeit

Als Arbeitsmethoden in der europäischen Zusammenarbeit werden auch in der neuen EU-Jugendstrategie eine evidenzbasierte Jugendpolitik, das grenzüberschreitende Voneinander-Lernen, die Nutzung von EU-Förderprogrammen, die Information und Kommunikation und die EU-Arbeitspläne für die Jugend umgesetzt. Neu ist die vorgesehene strukturierte gegenseitige Information der Mitgliedstaaten über geplante nationale jugendpolitische Maßnahmen. Damit kann eine Übersicht über Schwerpunkte geschaffen werden, die für

  • bilaterale oder multilaterale Projekte im Jugendbereich
  • die Zusammenarbeit von Mitgliedstaaten zu gemeinsamen Themen
  • das Voneinander Lernen und dieSichtbarkeit regionaler und nationaler Maßnahmen auf EU-Ebene

genutzt werden kann.

EU-Jugenddialog als Weiterentwicklung des Strukturierten Dialogs

Ein wesentlicher Baustein der EU-Jugendstrategie wird auch weiterhin die Beteiligung junger Menschen sein. Der EU-Jugenddialog als Weiterentwicklung des bisherigen Strukturierten Dialogs sieht ein Beteiligungskonzept vor, das die Information über Beteiligungsmöglichkeiten und über das jeweilige konkrete Thema auf allen Ebenen, die Konsultation durch interaktive Online- und Offline-Methoden und das Heranziehen von Forschungserkenntnissen, den direkten Dialog zwischen jungen Menschen und Entscheidungsträgern und die Anwendung des Partnerschaftsprinzips bei der Realisierung des EU-Jugenddialogs auf nationaler und europäischer Ebene beinhaltet.

Der Dialog mit der Zivilgesellschaft, den lokalen und regionalen Akteure und Entscheidungsträgern anderer politischer Bereiche soll über eine neue europäische Plattform zur EU-Jugendstrategie gestärkt werden.

Der Text der Entschließung kann im Amtsblatt C 456 vom 18.12.2018 eingesehen werden.