EU-Jugendstrategie / Kindertagesbetreuung

EU-Jugendstrategie praktisch: Kunst und Freiwilligendienst unter einem Dach

eine Betreuerin malt mit 2 Kleinkindern
Bild: © Gennadiy Poznyakov- Fotolia.com

In der Integrativen Kindertagesstätte Biedermann in Leipzig hat man festgestellt, dass Kunst und Europäischer Freiwilligendienst sich hervorragend ergänzen. Und das schon seit drei Jahren.

Die Kita Biedermann im Leipziger Stadtteil Connewitz bietet Platz für 120 Kinder in acht Gruppen im Alter zwischen einem Jahr und dem Schuleintritt. Acht der Mädchen und Jungen haben verschiedenste Beeinträchtigungen. Die Kita ist eine von drei Kindertagesstätten, die das Internationale Bildungs- und Sozialwerk e.V. als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe unterhält.

Seit Herbst 2010 hat die Kita fünf Europäische Freiwillige aufgenommen. Augenblicklich verbringen Nataša Stanić aus Serbien und Orfelia Papikyan aus Armenien ihren EFD in der Kita. Zuvor hat man bereits gute Erfahrungen mit zwei jungen Männern aus den Niederlanden und Frankreich gesammelt.

Interesse für Kunst und Kultur wecken

„Unsere Kinder haben durch den Kontakt mit jungen Menschen aus anderen europäischen Ländern die Möglichkeit, eine neue Mentalität, Kultur und eine fremde Sprache kennenzulernen“, sagt Tanja Drewermann, Leiterin der Kindertagesstätte. Dieser Kontakt harmoniert ausgezeichnet mit dem Konzept der Kita, das Interesse der Mädchen und Jungen für Kunst und Kultur zu wecken.

Die schöpferischen Angebote, die von den PädagogInnen der Kita Biedermann vermittelt werden, umfassen eine große Bandbreite. Dazu zählen sowohl die bildende Kunst als auch Tanz, Theater und Musik. Die Kinder werden daher auf vielfältige Weise motiviert: Sie malen, töpfern, werken, installieren, musizieren und besuchen Theaterstücke.

Die Europäischen Freiwilligen arbeiten einen Großteil ihrer Zeit in diesen Projekten und sorgen für Impulse. Hauptsächlich unterstützen sie die Gruppenarbeit, spielen mit den Kindern oder musizieren auch mit der Vorschulband. Zusätzlich können sie eigene Projekte planen und durchführen.

Video-Portrait der Kita

Jip de Beer ist ein gutes Beispiel. Der junge Freiwillige aus den Niederlanden verbrachte 2011 ein halbes Jahr in der Kita. Er hat, wie seine Vorgänger und Nachfolger, die Möglichkeiten der Kita genutzt, sich selber auf kreative Weise einzubringen. Jip drehte ein Video, in dem er den Alltag der Kita Biedermann sehr anschaulich portraitierte.

Der junge Freiwillige verfolgte sein Projekt mit viel Enthusiasmus. Seine Einsatzfreude hat sich auch auf die Kinder übertragen, denen es offensichtlich jede Menge Spaß bereitet hat, sich vor der Kamera zu zeigen. Jip hat der Kita durch sein Engagement etwas Bleibendes hinterlassen und den Kindern eine künstlerische Facette nähergebracht. Die Vorteile des EFD sind durchaus beidseitig: Jip wurde nicht zuletzt durch die Zeit in der Kita angeregt, ein Medienstudium aufzunehmen.

Neben der Projektarbeit kommen die Freiwilligen auch in den Kindergartengruppen und den Familiengruppen zum Einsatz und haben dort hauptsächlich mit Kindern ab zwei bis drei Jahren Kontakt. Sie unterstützen die PädagogInnen bei allen alltäglichen Aufgaben und beteiligen sich auch an den Angeboten. Die Freiwilligen sind somit vollständig in das Team eingebunden.

Anfängliche Sprachprobleme überwinden

„Da die Kinder viel freier kommunizieren als Erwachsene, spielten sprachliche Barrieren bislang kaum eine Rolle“, berichtet Tanja Drewermann. „Natürlich sind die Voraussetzungen der Freiwilligen im Hinblick auf ihre Sprachkenntnisse unterschiedlich, aber die anfänglichen Probleme nehmen die Kleinen kaum wahr. Kinder gehen viel unbefangener auf Menschen zu als Erwachsene.“ Verständigungsprobleme tauchen eher auf andere Weise auf. „Sprachbarrieren existieren teilweise in Bezug auf die Einarbeitung. Sprachkurse und die Vermittlung von Alltagsaufgaben helfen den Freiwilligen, die anfänglichen Sprachprobleme zu überwinden“, bemerkt die Diplom-Heilpädagogin.

Eltern unterstützen die Integration

Dörte Dietrich vom FAIRbund e.V., der koordinierenden Organisation für die Freiwilligen in Leipzig, hat die Integration der Freiwilligen meist als völlig unproblematisch empfunden und führt das auch auf die Unterstützung im Umfeld zurück. „Vor allem die Eltern begrüßen die Mitarbeit. Sie gehen gerne auf die jungen Leute aus dem europäischen Ausland zu, um ihnen die Eingewöhnung zu erleichtern und schätzen die Vorteile, die ihre Kinder aus dem Kontakt mit jungen Menschen aus anderen europäischen Ländern ziehen.“

Die Stadt Leipzig unterstützt die Europäischen Freiwilligen, in dem sie sich als Bürger Leipzigs anmelden können. Sie erhalten zudem einen Leipzig-Pass, mit dem sie vielfältige Vergünstigungen der Stadt nutzen können.

Mit dem Engagement der Freiwilligen möchte die Kita Biedermann gerne auch in Zukunft fortfahren.

Quelle: Michael Sachse im Auftrag von JUGEND für Europa

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • Grundlagen zur EU-Jugendstrategie

    Die Staaten der Europäischen Union haben sich auf das jugendpolitische Ziel verständigt, bis 2018 die Lebenslagen junger Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen in Bildung und Arbeit geschaffen werden. Auch das freiwillige Engagement junger Menschen und ihre soziale Eingliederung junger Menschen soll gestärkt werden.

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  • Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Der Bund und die Länder setzen die EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam um. Sowohl der Bund als auch die Länder haben ihre Positionen zur Ausrichtung der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU im Vorfeld eingebracht. Impulse aus der EU-Jugendstrategie sollen als Motor für die Weiterentwicklung und Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nutzbar gemacht werden.

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  • Arbeitsprogramm von Bund und Ländern
    Team
    © Woodapple - Fotolia.com

    Es gibt vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Bund und Länder setzen eine Reihe von Maßnahmen individuell um, haben sich aber auch eine gemeinsame Agenda gesetzt. Das Arbeitsprogramm der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2018 beschreibt konkrete fachliche Vorhaben. Im Fokus steht dabei, Entscheidungsträger und Fachkräfte der Kinder und Jugendhilfe, insbesondere auf der kommunalen Ebene, zu erreichen.

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  • Mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die  Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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  • Strukturierter Dialog
    Logo des Stukturierten Dialogs in hellgrün
    © DBJR

    Der Strukturierte Dialog zwischen Jugend und Politik ist das „Jugendbeteiligungsinstrument“ der EU-Jugendstrategie. Er trägt dazu bei, dass die Vorstellungen und Anliegen junger Menschen in der Umsetzung der EU-Jugendstrategie und bei europäischer Politikgestaltung in Brüssel berücksichtigt werden.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals fassen zusammen, welche Themen junge Menschen in Europa bewegen und was sie von Jugendpolitik bzw. von Politik für junge Menschen erwarten und sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen.

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  • Die EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Am 26. November 2018 nahm der Rat der EU eine Entschließung mit dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ an. Damit legten die Mitgliedstaaten die Eckpunkte der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die nächsten neun Jahre fest.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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