EU-Jugendstrategie / Kinder- und Jugendpolitik

„Engage. Connect. Empower.“ – EU-Kommission legt Vorschlag für EU-Jugendstrategie ab 2019 vor

Eine Gruppe Jugendlicher stehen in ihrer Freizeit zusammen und hören Musik
Bild: rawpixel.com

Am 22. Mai 2018 hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für eine erneuerte jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa vorgestellt. Dieser bringt einige Neuerungen mit sich, darunter eine stärkere Fokussierung auf die Vermittlung europäischer Werte und die Förderung der politischen Partizipation junger Menschen. Die EU-Jugendprogramme werden dabei als Umsetzungsinstrumente eine starke Rolle spielen.

Über die letzten acht Jahre rückten die Jugend und ihre spezifischen Herausforderungen dank der EU-Jugendstrategie stärker in den Vordergrund. Dennoch wurde viel Kritik an der bisherigen EU-Jugendstrategie geübt, darunter an der Vielzahl der Themen und Prioritäten, die den Mitgliedstaaten nur wenige Gestaltungsräume ließen oder aber etwa daran, dass die Ziele wenig bindend waren.

Vier Ziele und drei Aktionsbereiche

Mit ihrer Mitteilung schlägt die EU-Kommission nun einen anderen Weg ein. Wo die letzte EU-Jugendstrategie acht Themenfelder mit entsprechenden jugendpolitischen Zielen festlegte, legt sie vier übergreifende Ziele und drei Aktionsbereiche fest.

Die Ziele lauten:

  • Junge Menschen dazu befähigen, ihr Leben selbst zu gestalten und sie mit Kompetenzen auszustatten, die es ihnen ermöglichen, sich in einer sich verändernden Welt zu behaupten;
  • Junge Menschen dazu ermutigen, aktive Bürger zu werden, solidarisch zu handeln und positive Veränderungen in ihren Lebenswelten zu gestalten, inspiriert durch die europäischen Werte und eine europäische Identität
  • Soziale Exklusion junger Menschen zu verhindern;
  •  Wirkungen von Politikentscheidungen, die junge Menschen betreffen, durch mehr Dialog und sektorübergreifende Herangehensweise zu verbessern.

Die Aktionsbereiche der neuen EU-Jugendstrategie sind:

  • ENGAGE: Stärkung der Teilhabe junger Menschen am demokratischen Miteinander
  • CONNECT: Freiwilliges Engagement, Lernmobilität, Solidarität und interkulturelles Miteinander ermöglichen
  • EMPOWER: Jugendarbeit durch mehr Qualität, Innovation und Anerkennung stärken

Darüber hinaus schlägt die Kommission eine Anlehnung der EU-Jugendstrategie an die Laufzeit des Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) vor und stellt somit die Finanzierung der Vorhaben in eine Linie mit den politischen Prioritäten der EU.

Junge engagierte Bürgerinnen und Bürger

Bemerkenswert ist der veränderte Blick, den die EU-Kommission auf junge Menschen wirft. Wo der Schwerpunkt bislang oft wirtschaftlicher Natur war und politischen Strategien sowie Förderinstrumente auf die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeiten abzielten, soll die EU-Jugendstrategie künftig junge Menschen dabei unterstützen, ihr eigenes Leben selbst zu gestalten und die dafür nötigen Kompetenzen und Handlungsfähigkeiten zu erwerben. Die Mitteilung betont, dass junge Menschen die Zukunft der EU prägen und gestalten; sie sind eine Bereicherung für die EU und Akteure des gesellschaftlichen Wandels. So sollen sie stärker gehört und beteiligt werden.

Die neue EU-Jugendstrategie soll dazu beitragen, das „Beteiligungsparadox“ zu lösen, worunter verstanden wird, dass junge Menschen gesellschaftlich engagiert sind und sich auch für Politik, nicht jedoch für die traditionellen Formen (Parteien, Wahlen etc.) der politischen Beteiligung interessieren. So soll unter anderem der Strukturierte Dialog, nun „EU Youth Dialogue“, gestärkt und neue Beteiligungsformen, z.B. digitale Prozesse, eingeführt werden. Auch sollen sich die Mitgliedstaaten stärker bemühen gesetzliche und administrative Hürden aufzuheben, die grenzüberschreitende Freiwilligendienste und Solidaritätsprojekte erschweren.

Zielgruppe: Benachteiligte junge Menschen

Benachteiligte junge Menschen waren immer eine prioritäre Zielgruppe der EU-Jugendstrategie. Aus Sicht der Kommission haben die bisherigen Maßnahmen aber nicht wie gewünscht gewirkt. Es soll daher mehr unternommen werden, um benachteiligte junge Menschen zu erreichen und ihre Teilhabe zu gewährleisten. Die EU-Kommission sieht eine klare Verbindung zwischen Benachteiligung und Teilhabe am demokratischen Leben sowie zwischen Benachteiligung und erschwertem Zugang zu Angeboten der grenzüberschreitenden Lern- und Engagementmobilität.

Insbesondere mit dem „EU Youth Dialogue“, der Fortsetzung des bisherigen „Strukturierten Dialogs“, sollen weitere Zielgruppen erreicht werden, speziell in ihren jeweiligen Sozialräumen. Die Verantwortung dafür liegt bei den Mitgliedstaaten, die aufgerufen sind, auch auf lokaler Ebene für einen verstärkten politischen Dialog zu sorgen. Dabei soll die „Inclusion and Diversity Strategy“ im Rahmen von Erasmus+ beispielgebend sein.

Agenda für Youth Work

Ein besonderes Merkmal der Mitteilung liegt in der Zielsetzung „Anerkennung der nicht-formalen Bildung“. Dieser Punkt war bereits Bestandteil der vorherigen EU-Jugendstrategie und Gegenstand diverser Schlussfolgerungen des Rates, jedoch war die politische Rückendeckung dafür bisher nie ausreichend gewesen. Hier schlägt die Kommission konkrete Maßnahmen vor, darunter das Aufsetzen einer Youth Work Agenda für die Qualitätsentwicklung, für Innovationen und die Anerkennung von Jugendarbeit.

Die Kommission macht insbesondere darauf aufmerksam, dass Erasmus+ ein wirksames Instrument für die Anerkennung und Finanzierung des Kapazitätsausbaus in der Jugendarbeit sein kann. Darüber hinaus werden die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, die Qualifizierung von Fachkräften im Umgang mit digitalen Tools zu fördern und Anerkennungsinstrumente zu entwickeln.   

Klarer Fahrplan für die Kommission, Empfehlungen für die Mitgliedstaaten

Die Kommission beschreibt sehr deutlich ihre eigenen Beiträge und Vorhaben für die kommenden neun Jahre, von denen sie sich erhofft, dass sie für die Mitgliedstaaten ebenfalls handlungsleitend sein werden. Auch schlägt sie konkrete Koordinierungsinstrumente, Governance Strukturen sowie Evaluationsinstrumente vor. So soll in Zukunft ein EU Youth Coordinator bei der Kommission für eine verstärkte sektor- und institutionsübergreifende Kooperation sorgen. Jugendorganisationen,Interessenvertretungen sowie zivilgesellschaftliche Akteure sollen stärker eingebunden und beteiligt werden. Die Kommission wünscht sich außerdem Evaluierungsindikatoren und fordert die Mitgliedstaaten auf, diese gemeinsam festzulegen. Außerdem soll alle drei Jahre über die Umsetzung berichtetund 2024 gegebenenfalls nachjustiert werden. Der Rat wird aufgefordert, einen neuen EU-Arbeitsplan für die Jugend zu entwickeln, der gemeinsame Themen definiert.

Den Mitgliedstaaten werden konkrete Empfehlungen für die Umsetzung mitgegeben, deren Auswahl und konkrete Ziele diese in nationalen Aktionsplänen beschreiben sollen. Die EU-Jugendprogramme sollen stärker als bisher für die Umsetzung genutzt werden, was u.a. eine engere Zusammenarbeit mit den Nationalen Agenturen bedingt. Die Kommission regt an, die Erkenntnisse und praktischen Anregungen aus der bisherigen und der zukünftigen europäischen Zusammenarbeit weiterhin für die Weiterentwicklung nationaler Jugendpolitik und Jugendarbeit zu nutzen.

Fazit

Insgesamt ist es ein schlüssiger Vorschlag, der die Erfahrungen der letzten EU-Jugendstrategie aufgreift und sich eindeutig im Handlungsfeld des Jugendbereiches verortet. Der Vorschlag zeichnet sich durch eine starke Verantwortungsübernahme der Kommission aus, die klar beschreibt was sie zu tun gedenkt. Gleichzeitig beschreibt sie auch deutlich, wo sie die Verantwortung der EU-Staaten sieht, und zählt die Maßnahmen auf, die sie ergreifen sollten und bietet dabei Unterstützung und Mittel an.

 Hintergrundinformationen und -dokumente zum Vorschlag für eine erneuerte EU-Jugenstrategie ab 2019 finden sich auf der Webseite der Europäischen Kommission.

Quelle: JUGEND für Europa

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • Grundlagen zur EU-Jugendstrategie

    Die Staaten der Europäischen Union haben sich auf das jugendpolitische Ziel verständigt, bis 2018 die Lebenslagen junger Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen in Bildung und Arbeit geschaffen werden. Auch das freiwillige Engagement junger Menschen und ihre soziale Eingliederung junger Menschen soll gestärkt werden.

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  • Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Der Bund und die Länder setzen die EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam um. Sowohl der Bund als auch die Länder haben ihre Positionen zur Ausrichtung der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU im Vorfeld eingebracht. Impulse aus der EU-Jugendstrategie sollen als Motor für die Weiterentwicklung und Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nutzbar gemacht werden.

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  • Arbeitsprogramm von Bund und Ländern
    Team
    © Woodapple - Fotolia.com

    Es gibt vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Bund und Länder setzen eine Reihe von Maßnahmen individuell um, haben sich aber auch eine gemeinsame Agenda gesetzt. Das Arbeitsprogramm der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2018 beschreibt konkrete fachliche Vorhaben. Im Fokus steht dabei, Entscheidungsträger und Fachkräfte der Kinder und Jugendhilfe, insbesondere auf der kommunalen Ebene, zu erreichen.

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  • Mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die  Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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  • Strukturierter Dialog
    Strukturierter Dialog - mitdenken, mitreden, mitbestimmen. Jugend bewegt Politik
    DBJR

    Der Strukturierte Dialog zwischen Jugend und Politik ist das „Jugendbeteiligungsinstrument“ der EU-Jugendstrategie. Er trägt dazu bei, dass die Vorstellungen und Anliegen junger Menschen in der Umsetzung der EU-Jugendstrategie und bei europäischer Politikgestaltung in Brüssel berücksichtigt werden.

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  • Jugendpolitische Zusammenarbeit der EU ab 2019
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Die Weiterentwicklung der jugendpolitischen Zusammenarbeit steht derzeit auf der jugendpolitischen Agenda der EU und Deutschlands, denn die EU-Jugendstrategie endet mit Ablauf des Jahres 2018. Für die Vorbereitung einer neuen Strategie hatte die EU-Kommission 2017 zum Jahr des „Zuhörens“ erklärt, um breit zu konsultieren. 2018 wird das Jahr der Abstimmung eines neuen Rahmens der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die Zeit ab 2019 sein.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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