Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag

Flechtwerk 2+1 stellt Angebot zur Unterstützung von getrennt lebenden Eltern vor

Mann hält Kleinkind mit Winterjacke an der Hand am Strand
Bild: Szilvia Basso - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Auf dem 17. DJHT präsentiert die Organisation Flechtwerk 2+1 gGmbH die Initiative Mein Papa kommt / Meine Mama kommt. Mit diesem Angebot soll die Eltern-Kind-Bindung gestärkt und Bindungsabbrüche verhindert werden. Denn Kinder mit zwei Elternhäusern brauchen die Gewissheit, dass sie unabhängig von der Distanz und dem Kontostand weiterhin mit beiden Eltern verbunden sind.

Der Umgang mit beiden Eltern ist im deutschen Familienrecht und laut UN-Kinderrechtskonvention ein wesentlicher Bestandteil des Kindeswohls. Für Trennungseltern weichen Rechtsansprüche und Lebensrealität oft voneinander ab, da Strukturen unzureichend auf Multilokalität eingerichtet sind. Jedes Jahr erleben in Deutschland über 130.000 minderjährige Kinder die Trennung ihrer Eltern. Viele der Kinder leben anschließend hunderte Kilometer von ihrem Papa oder ihrer Mama entfernt. Die Entfernung ist für viele Eltern finanziell und emotional eine große Herausforderung: Stundenlange Zug- und Autofahrten am Wochenende und auch die regelmäßigen Ausgaben für die Übernachtung und Freizeitgestaltung am Wohnort des Kindes gehören ab jetzt zu ihrem Alltag. Die Gefahr, die Nähe zum Kind zu verlieren, ist groß.

Mein Papa kommt / Meine Mama auf dem 17. DJHT

Die Initiative Mein Papa kommt / Meine Mama kommt wird auf dem 17. DJHT mit einem Messestand die Handlungsfelder Kindheit und Familie und Kinder- und Jugendhilfe auf Bundesebene repräsentieren. Die Initiative möchte Eltern in dieser Situation unterstützen, da für viele Eltern die Distanz finanziell und emotional eine große Herausforderung ist.

Außerdem werden auf dem 17. DJHT Veranstaltungen in Form von Zoom-Calls auf dem Messestand angeboten. Diese werden als 30-minütige Infoveranstaltungen für Fachkräfte organisiert, damit diese die Initiative kennenlernen können. Über die  Landingpage kann man sich für diese anmelden.

Bundesweites Angebot der Initiative

Mit dem bundesweiten Angebot ergänzt die Initiative das bewährte Helfernetz. Mein Papa kommt / Meine Mama kommt bietet eine pragmatische niederschwellige Lösung. Die Eltern beteiligen sich mit einem Elternbeitrag und können folgende Leistungen nutzen:

  • Kostenfreie Übernachtungen bei ehrenamtlichen privaten Gastgebern, damit anreisende Eltern finanziell entlastet werden und sie ihr Kind zuverlässig besuchen können. Denn Elternliebe kennt keine Entfernungen.
  • Konsumfreie Kinderzimmer auf Zeit bei privaten Gastgebern, Kindergärten, Familienzentren. Kinder bekommen am Papa-Tag/Mama-Tag Zugang zu kostenfreien, kindgerechten Orten an denen vertraute Begegnungen möglich sind. Denn Fernbeziehungen sind kein Kinderspiel.
  • Pädagogische Elternbegleitung mit einer individuellen telefonischen Beratung, Spielanregungen und Praxistipps zur Stärkung der Erziehungskompetenz und qualitätsvollen Umgangsgestaltung aus der Ferne. Denn auf die Trennung des Paares darf nicht die Trennung vom Kind folgen.

Wirkung der Initiative

  • Verhinderung von Bindungsabbrüchen und Entfremdung
  • Ermöglichung des Rechts des Kindes auf Umgang und Erfüllung des gesetzlichen Auftrages gemäß Sozialgesetzbuch VIII
  • Stärkung der Chancengleichheit von Trennungskindern und Vermeidung als soziale Halbwaise heranzuwachsen
  • Senkung des Verschuldungs- und Armutsrisikos und somit Entlastung der Sozialsysteme
  • Entlastung des Alleinerziehenden und Ermöglichung verlässlicherer Unterhaltszahlungen
  • Entlastung des Kindes von Schuldgefühlen durch die Stärkung kooperativer Elternschaft
  • Erfahrungen der Gesellschaft mit der Vielfalt von Familienformen
  • Entstigmatisierung von getrenntlebenden Eltern
  • Vermeidung von Isolation, Vereinsamung und Depressionen des anreisenden Elternteils und Entlastung des Gesundheitssystems.

Entstehungsgeschichte von Flechtwerk 2+1

Im Jahr 2008 vertraute sich der kleine Sven mit seinem Trennungsschmerz der Religionspädagogin Annette Habert an. Sein Vater schlief im Auto, wenn er am Umgangswochenende von weither anreiste. Die Kosten für die Übernachtung in einem Hotel konnte er sich nicht leisten. Annette vermittelte den Vater an einen ehrenamtlichen Gastgeber in ihrem Freundeskreis. Bald merkte sie, dass die familiäre Situation des Jungen kein Einzelfall war und vermittelte weitere Väter. Zunächst organisierte sie alles vom Küchentisch aus. Doch bald wurde klar, dass das Projekt einen größeren Umfang annehmen würde: 2012 gründete sie die Flechtwerk 2+1 gemeinnützige GmbH mit Sitz in München. Das Unternehmen ist Träger der Initiative Mein Papa kommt/Meine Mama kommt und anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe. Seit 2018 ist Bundesfamilienministerin Franziska Giffey die Schirmherrin. Die Initiative wird von der Landeshauptstadt München und vom Bundesfamilienministerium gefördert.

Quelle: Flechtwerk 2+1 gemeinnützige GmbH

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