Wahlalter 16

Es könnten am 26. September 1,4 Millionen Stimmen mehr sein

Einfarbige Spielfiguren stehen im Hintergrund und ein paar bunte Spielfiguren stehen mit einem Wahlzettel im Vordergrund.
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1.391.417 Stimmen bei der Bundestagswahl haben – oder nicht. Darüber kann der Bundestag selbst entscheiden. So stark sind nämlich die Jahrgänge 2004 und 2005. Zusammengenommen sind es knapp 1,4 Millionen Jugendliche, die am 26. September ihre Stimme als bei der Bundestagswahl als 16- oder 17-Jährige abgeben könnten, wenn das Wahlalter 16 bis dahin eingeführt würde. Diese Rechnung machte der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) auf.

„Es wird höchste Zeit, auch Unter-18-Jährige bei den Wahlen mitbestimmen zu lassen – vom Europa- bis zum Gemeindeparlament. Junge Menschen sind verantwortungsbewusster, engagierter, an politischen Themen interessierter und diskussionsfreudiger als viele denken. Sie sind Demokratie-reifer, Demokratie-erfahrener und auch Demokratie-durstiger als manch Erwachsener annimmt“, sagte Karin Böllert, die neben dem Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ auch Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Münster ist.

Bereits Kitas sind Schulen der Demokratiebildung. Für Schulen werden neue Formen der politischen Bildung gefordert. Mehr U3-Betreuung, mehr Kitaplätze und mehr Ganztagsbetreuung an den Schulen schafft Freiräume für die demokratische Bildung junger Menschen. Die Kinder- und Jugendhilfe macht sich auf den Weg, der demokratischen Bildung als einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bei der Begleitung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen einen breiten Raum zu geben. Unter-18-Jährige fordern mehr demokratische Teilhabe als die Generationen vor ihnen, so Prof. Böllert.

Jugendpolitisches Signal pro Wahlalter 16 auf Bundesebene gefordert

Karin Böllert appellierte an alle demokratischen Fraktionen im Bundestag und an die Bundesregierung, noch vor der Sommerpause ein „jugendpolitisches Signal pro Wahlalter 16 auf Bundesebene“ zu setzen. Mindestens eine parlamentarische Debatte dazu sei notwendig.

„Kinder und Jugendliche haben bei jedem Lockdown in der Corona-Pandemie Solidarität mit den älteren Generationen gezeigt. Sie haben enorme Abstriche hingenommen. Ihr Leben lief sozial auf Sparflamme. Sie haben ihre Kindheit und Jugend nicht wirklich leben können. Und trotzdem haben sie aus Einsicht verzichtet. Jetzt ist sind die älteren Generationen gefordert ihrerseits solidarisch mit den Jüngeren zu sein“, so Karin Böllert.

Es sei deshalb nun an der Zeit, für Jugendliche ein Zeichen zu setzen:

„Wenn die Bundespolitik den Unter-18-Jährigen jetzt das Gefühl gibt, bei künftigen Entscheidungsprozessen über ihre Stimmabgabe bei der Bundestagswahl beteiligt zu sein, dann ist das der richtige Weg. Und genau die demokratische Geste, auch 16- und 17-Jährige zur Wahl einzuladen, ist längst überfällig. Es ist vor allem aber auch der Mut mehr ‚junge Demokratie‘ zu wagen. Das ist mehr als nur Symbolpolitik. Es ist auch die Anerkennung der Leistungen der jungen Menschen in der Pandemie“, sagte DJHT-Chefin Böllert.

Die Kinder- und Jugendhilfe erwarte genau dieses Zeichen jetzt aus Berlin. „Ob dann schon in vier Monaten – am 26. September – oder erst in gut vier Jahren – im Herbst 2025 – die Wahlkabinen stärker und jünger frequentiert werden, bleibt abzuwarten. Die Profis der Kinder- und Jugendhilfe jedenfalls wünschen der Bundespolitik ’jungen, frischen Mut‘“, so die Vorsitzende der AGJ, Karin Böllert.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe AGJ vom 19.05.2021

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