Übergang Kita-Schule

DJHT-Leitveranstaltung „Wenn kleine Demokrat*innen in die Schule kommen…“

Einige Kinder im Grundschulalter unterschiedlicher Herkunft sind im Park und zwei davon machen "High Five".
Bild: © Robert Kneschke - fotolia.com

Die Koordinierungsstelle „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ führt im Rahmen des 17. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages (DJHT) am 19. Mai eine digitale Leitveranstaltung zum Übergang Kita-Schule durch. Die Veranstaltung geht der Frage nach, wie Fach- und Lehrkräfte sowie Eltern und Kinder den Übergang von der Kita in die Grundschule gemeinsam gestalten können.

Partizipation am Übergang Kita-Schule für eine nachhaltige Demokratiebildung

Der Übergang von der Kindertagesbetreuung in die Grundschule bildet eines der neuen Schwerpunktthemen des Begleitprojekts „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ innerhalb des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Hintergrund sind die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der vorherigen Projektphase, die der Schwerpunktbeitrag vom April 2019 aufgreift und die das Thesenpapier „Wir sind politisch. Elf Thesen zu Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“ zusammenfasst. In dem Papier wird unter anderem die Notwendigkeit aufgezeigt, die in der Kita erworbenen Demokratie-Kompetenzen von Kindern auch beim Übergang in die Primarbildung zu berücksichtigen, um Demokratie als Lebensform nachhaltig zu verankern. Idealerweise werden die angehenden Schüler/-innen bei diesem Übergangsprozess sowohl von frühpädagogischen Fachkräften als auch von Grundschullehrer/-innen begleitet, damit ihre Mitbestimmungsrechte auch im Primarbereich gesichert bleiben. Dies ist unabdingbar, damit die demokratiebildenden Impulse des Elementarbereichs nicht verhallen.

Bisherige Rahmenbedingungen und Umsetzung der Übergangsgestaltung

Die Zusammenarbeit von Kitas und Schulen wird seit Jahrzehnten politisch eingefordert und ist auch in den Landesgesetzen verankert. Vor dem Hintergrund der Veränderungen des deutschen Bildungs- und Betreuungssystems in den letzten Jahren und den damit einhergehenden neuen Anforderungen und Aufgaben gewinnt die Kooperation zwischen Fach- und Lehrkräften sowie Eltern und Trägern des elementar- und primarpädagogischen Bereichs stetig an Bedeutung.

Die partizipative Gestaltung des Übergangs Kita-Grundschule, verstanden als die Beteiligung von Kindern und Eltern unter pädagogischer Begleitung miteinander kooperierender Fach- und Lehrkräfte sowie anderer relevanter Akteur(inn)en, wird bereits innerhalb einiger (Modell-)Projekte, Programme und Konzepte erprobt und realisiert. In Deutschland ist eine solche partizipativ und kooperativ angelegte Übergangsgestaltung aber noch nicht flächendeckend strukturell verankert. Gründe hierfür liegen unter anderem in unterschiedlichen Handlungs- und Sichtweisen von Grundschullehrer/-innen und frühpädagogischen Fachkräften in Bezug auf ihr jeweiliges Arbeitsfeld. Eine Zusammenarbeit zwischen den Pädagog(inn)en beider Bildungsbereiche, die auf einheitlichen Standards z.B. in Bezug auf Demokratiebildung basiert, wird auch aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen in den Ländern noch nicht bundesweit umgesetzt. Auf Bundesebene sieht das Kinder- und Jugendgesetz (SGB VIII) lediglich vor, dass die frühpädagogischen Fachkräfte „mit den Schulen“ zusammenarbeiten sollen, „um den Kindern einen guten Übergang in die Schule zu sichern“ (§ 22a Abs. 2 SGB VIII). Die konkrete inhaltliche Ausgestaltung dieser Kooperation regeln die Länder.

Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft

Die optimale Verzahnung von Elementar- und Primarpädagogik bleibt folglich eine zentrale Aufgabe für die Gegenwart und Zukunft, um Kindern eine nachhaltige Demokratiebildung zu sichern: Erst die gelungene Zusammenarbeit der beiden Institutionen hinsichtlich einer partizipativen Gestaltung des Übergangs ermöglicht Kindern einen kontinuierlichen Bildungsverlauf, frei von Brüchen und dem Verlust ihrer demokratischen Kompetenzen.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des aktuellen 16. Kinder- und Jugendberichts erscheint ein flächendeckender und systematischer Austausch zwischen den Pädagog(inn)en aus der Primar- und Elementarbildung wichtiger denn je für eine gelungene Demokratiebildung. Der Bericht macht schließlich deutlich, dass das Potenzial von Grundschulen als demokratischer Lern - und Lebensort weder inhaltlich noch methodisch derzeit voll ausgeschöpft wird. Es werden jedoch auch in Bezug auf das Handlungsfeld der Kindertagesbetreuung Bereiche der Demokratiebildung aufgezeigt, die stärker in den Fokus gerückt werden müssen. Frühpädagogische Fachkräfte und Grundschullehrer/-innen können die Demokratiebildung in ihren jeweiligen Institutionen fördern und aufeinander abstimmen, wenn sie ihre Erfahrungen und Kenntnisse, etwa über Best Practice Beispiele und Konzepte auf Augenhöhe im Dialog teilen.

Das Programm und die Adressat(inn)en der Leitveranstaltung

Bezüglich der partizipativen Gestaltung des Übergangs Kita-Grundschule und der Zusammenarbeit der beteiligten Akteur(inn)en in diesem Prozess bleiben unter anderem folgende zentrale Fragen zu klären: Können Beteiligungskonzepte des Elementarbereichs auf den Primarbereich übertragen werden? Wie können die bisherigen Formen der Zusammenarbeit zu Demokratiebildung zwischen Kitas und Grundschulen ausgebaut werden und welche Rahmenbedingungen werden hierzu benötigt? Welche Ebenen und Akteur(inn)en sind einzubeziehen?

Diesen und weiteren Fragen geht die Koordinierungsstelle in ihrer Leitveranstaltung zur Partizipation am Übergang Kita-Grundschule beim 17. Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) am 19. Mai von 15:45 - 17:15 Uhr mit einem Fachforum auf den Grund.

Das Fachforum wird mit zwei Fachinputs beginnen. Hier zeigt zunächst Prof. Dr. Kathrin Aghamiri der Fachhochschule Münster aus wissenschaftlicher Perspektive den aktuellen Forschungsstand zum Thema auf. Danach gibt Elisabeth Dannenmann, Projektleiterin Interkulturelle Öffnung und ehemalige Kita-Leiterin des AWO-Landesverbandes Schleswig-Holstein, einen Einblick in Erfahrungen aus der Praxis. Anschließend werden die Inputgeber/-innen mit folgenden Podiumsgästen diskutieren: Sabine Urban, Referentin für Kinderhilfe/Kindertagesbetreuung im DRK Bundesverband und Vertreterin des Begleitprojekts, Dr. Arne Offermanns, Sachgebietsleitung Ganztag bei der Behörde für Schule und Berufsbildung der Stadt Hamburg, und Christoph Schieb, Leiter der Grundschule Bad Münder. Die Podiumsdiskussion wird unter Einbezug des Publikums stattfinden, indem Fragen und Ansichten der Teilnehmenden eingeholt werden.

Die Leitveranstaltung richtet sich insbesondere an (angehende) Fach- und Leitungskräfte der Kindertagesbetreuung, Fachberatungen, Trägervertreter/-innen, Grundschullehrer/-innen und -leitungen. Während der Veranstaltung wird ein Graphic Recording erstellt, das die wichtigsten Aussagen und Ergebnisse anschaulich zusammenfassen und im Online-Archiv allen Teilnehmenden zur Verfügung stehen soll.

Die Anmeldung zur Leitveranstaltung können Sie auf der Webseite des DJHT vornehmen.

Weitere Informationsangebote beim DJHT

Zudem wird das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Kooperationspartner der Koordinierungsstelle den Workshop „Eltern(mit)wirkung - den Übergang Kita-Schule gemeinsam gestalten“ beim 17. DJHT am 18. Mai 2021 von 15:45 - 17:15 Uhr anbieten.

Wenn Sie sich näher über die Koordinierungsstelle und das Begleitprojekt informieren möchten, haben Sie die Möglichkeit dazu im Rahmen der digitalen Fachmesse: Dort wird die Koordinierungsstelle mit einem Stand vertreten sein, wo Sie zum Beispiel Projektmaterialien finden und Fragen im Chat schreiben können. Wenn Sie mit der Koordinierungsstelle am Messestand in Kontakt treten möchten, melden Sie sich unkompliziert mit einer Registrierung für den DJHT an.

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