Kinder- und Jugendhilfetag / Europa

Interview zum 16. DJHT: Ein soziales und gerechtes Europa für alle junge Menschen

Ein junger Mann steht vor einer Europa-Karte
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Der Kinder- und Jugendhilfetag findet auch in diesem Jahr wieder mit einem eigenen europäischen Schwerpunkt statt. Die Redaktion des Fachkräfteportals sprach mit Frank Peil, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei JUGEND für Europa über das europäische Fachprogramm und fragte nach Einschätzungen zu den aktuellen politischen Entwicklungen.

Fachkräfteportal: Zum zweiten Mal in Folge veranstaltet JUGEND für Europa ein eigenständiges europäisches Fachprogramm auf dem DJHT. Was ist das Neue in diesem Jahr? Gibt es besondere Angebote für die Gäste aus Europa und darüber hinaus?

Frank Peil: Es freut uns sehr, dass unser Wunsch aus dem Jahr 2014 in Erfüllung gegangen ist und JUGEND für Europa - gemeinsam mit der AGJ - wieder ein Europa-Programm anbieten kann. Auch diesmal haben viele unterschiedliche Träger und Initiativen aus Deutschland mit ihren europäischen Partnern dafür gesorgt, dass das Programm und die Fachveranstaltungen gute Bezüge zu aktuellen Fragestellungen und Herausforderungen bieten. Da reicht die Palette der Anbieter vom Kreis Steinfurt über die italienische Nationalagentur Erasmus+ bis zum DBJR. Und wir sind ein bisschen stolz darauf, dass unsere europäische Expertise ein gutes Fundament für das Fachprogramm bilden kann.

Neu ist sicherlich, dass es uns als Nationaler Agentur im EU-Programm Erasmus+ im Vorfeld gelungen ist, vor allem über unser Netzwerk einen europäischen Aufruf zur Teilnahme so erfolgreich, wie es sich im Moment darstellt, zu platzieren. 400 Fachkräfte aus Jugendarbeit, Jugendforschung, Jugendpolitik und - was genau so wichtig ist - aus allen europäischen Ländern und ein Stück weit darüber hinaus, erwarten wir zum 16. DJHT. Das europäische Fachprogramm wird übrigens am 28.03. um 14:30 Uhr eröffnet.

Für die 400 europäischen Gäste besteht das Fachprogramm neben den eigentlichen Fachveranstaltungen auf dem DJHT diesmal auch aus einer ganzen Reihe von sogenannten „Field visits“, das sind Besuche von Jugendverbänden, Jugendhilfe- und freizeiteinrichtungen in Düsseldorf, 19 an der Zahl. Dieses Angebot wäre ohne die tolle Unterstützung der Stadt Düsseldorf nicht möglich gewesen.

Außerdem bieten wir in Kooperation mit 30 Ausstellern Führungen über die Fachmesse an. Denn die fachlichen Hintergründe unserer Gäste sind ungeheuer vielfältig. Mit unserem Angebot versuchen wir einfach auch sicherzustellen, dass es genügend thematische Anknüpfungspunkte gibt. Es ist ja so, dass wir in Deutschland bereits viele Akteure haben, die sich kompetent im Thema „Europa“ bewegen und über einen großen Erfahrungsschatz und viel Know-how verfügen. Das sind Einrichtungen und Organisationen auf allen Ebenen und in vielen Handlungsfeldern, dazu natürlich auch die Fach- und Förderstellen der internationalen Jugendarbeit – IJAB, die bilateralen Jugendwerke und Koordinierungsstellen.

Europa befindet sich gerade in unruhigen Zeiten. Der Nationalismus und europafeinliche Stimmungen nehmen überall zu. Inwiefern beeinflussen diese allgemeinen politischen Entwicklungen die Aktivitäten auf dem DJHT? Wie kann die Kinder- und Jugendhilfe darauf reagieren?

Um Europa steht es insgesamt schlechter als noch 2014. Die Ereignisse der letzten drei Jahre, der menschenverachtende Terror, das nationalistische Geheule und seine Bauernfängerei, die schrecklichen Anfeindungen und Anschläge gegen Menschen, die Schutz bei uns suchen: Das hätten wir damals so nicht erwartet. Aber just am Vorabend des 16. DJHT bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen Skepsis, anlässlich des aktuellen Terroranschlags in London, und Hoffnung, wenn man schaut, wie sich in vielen europäischen Ländern eine proeuropäische Bewegung formiert, auf die Straße geht und das Feld eben nicht den Nationalisten und Populisten überlässt.

Nie waren Wahlen in anderen Ländern so sehr im Fokus unserer politischen Wahrnehmung. Immerhin ist eines klar: In den meisten Ländern Europas steht gerade die Jugend der europäischen Idee positiv und offen gegenüber, und das trotz der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit. Das ist ein Pfund, das müssen wir gemeinsam nutzen. Und wir setzen mit unserem europäischen Fachprogramm ein klares Zeichen.

Wir kommen zusammen und reden über eine friedliche, soziale und gerechte Zukunft, wie eben „YouthWork“ dazu beitragen kann ein soziales und gerechtes Europa zu gestalten. Das ist das Fundament, auf dem sich die 400 Kolleginnen und Kollegen aus 30 Ländern in Düsseldorf begegnen, hoffentlich in der Sache auch kontrovers diskutieren und langfristig kooperieren werden. Lebendiges Europa braucht das und es ist wundervoll zu sehen, dass der DJHT genau dafür ein guter Ort ist. Mindestens das EU-Programm Erasmus+ ermuntert dabei zu einer Entwicklung, die weg von Einzelprojekten hin zu „Europäisierungsstrategien“ führt, das heißt zu Strategien, mit denen Träger und Organisationen ihre Arbeit, ihre partnerschaftliche Vernetzung und eine verstärkte Sektor übergreifende Zusammenarbeit im Sinne der oben genannten Zielsetzungen ausrichten und so ein „Mehr Europa“ realisieren können.

Gibt es besondere Highlights, einzelne Veranstaltungen, auf die Sie die Fachkräfte aus dem In- und Ausland besonders hinweisen möchten? Was hat Europa der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland zu bieten?

Europa hat der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland einiges zu bieten. Wir denken, weil die Vermittlung europäischer Realitäten und die Entwicklung eines europäischen Bewusstseins zu einem gelingenden Aufwachsen junger Menschen fest dazu gehört. Über die kulturelle Vielfalt des Kontinents, das Ringen um gemeinsame Werte, seine Sprachen, Vielfalt der Alltage, der Arbeitswelten und Probleme müssen wir an dieser Stelle nicht lange reden. Mehr und mehr rückt, vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten drei bis vier Jahre, natürlich auch die Frage in den Vordergrund: Wie kann aktives Engagement für Europa eigentlich für junge Menschen attraktiv und nachhaltig gestaltet werden? Wie kann man sie dafür begeistern? Welche Chancen haben sie, daran mitzuwirken, dass sich die EU öffnet für mehr Demokratie, mehr Teilhabe und mehr Transparenz? Da stehen wir leider noch sehr am Anfang.

Als Mitveranstalter halte ich mich mal mit meinen persönlichen Highlights zurück. Mehr als 30 Veranstaltungen im Fachprogramm Europa sind jede für sich ein Highlight, denn - wie gesagt - hier präsentieren sich Organisationen aus verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe mit ihren Europaprojekten und Erfahrungen, ihren internationalen Partnern und ihren Vorhaben. Dazu gibt es viele Aktivitäten auf dem Marktplatz Europa und auf der zentralen Europabühne in Halle 3. Am besten ist, man macht sich selbst ein Bild von den Angeboten auf der Webseite www.djht-europa.de und stellt sich seinen persönlichen DJHT-Europa-Plan zusammen.

Weitere Informationen stehen auch auf der Webseite des Kinder- und Jugendhilfetags und im Online-Konferenzplaner zur Verfügung.

Herr Peil, vielen Dank für das Gespräch!

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