Kinder- und Jugendhilfetag / Europa

Europa hat der Kinder- und Jugendhilfe einiges zu bieten

Frank Peil, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei JUGEND für Europa
Bild: JUGEND für Europa Frank Peil, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei JUGEND für Europa

Mit dem Fachprogramm "Europa in der Kinder- und Jugendhilfe - relevant. inspirierend. machbar" im Rahmen des Fachkongresses des 15. DJHT soll die Perspektive einer europäischen Öffnung der Kinder- und Jugendhilfe politisch und fachlich konkret gemacht werden.

Die Redaktion des Fachkräfteportals hat mit Frank Peil, Öffentlichkeitsreferent bei JUGEND für Europa, neben der AGJ Mitorganisator des Fachprogramms, gesprochen, um ein bisschen mehr über Ziel, Zweck und Hintergründe dieses Programms zu erfahren.

Fachkräfteportal:
Auf dem 15. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) wird es zum ersten Mal ein Fachprogramm unter dem Titel „Europa in der Kinder- und Jugendhilfe“ geben. Was hat Europa der deutschen Kinder- und Jugendhilfe zu bieten?

Frank Peil:
Zunächst einmal sind wir bei JUGEND für Europa dafür sehr dankbar, dass die AGJ sich für die Einrichtung dieses Fachprogramms auf dem DJHT entschieden hat. Unser gemeinsames Anliegen ist es dabei, ein Zeichen für eine verstärkte europäische Dimension in der Kinder- und Jugendhilfe zu setzen.

Darüber hinaus soll das Fachprogramm Europa keine einmalige Angelegenheit sein, wir fänden es wunderbar, wenn die diesjährige Idee vom Fachpublikum angenommen werden würde und auch künftige Jugendhilfetage einen Ort für die europäische Dimension in der Kinder- und Jugendhilfe bieten könnten.

Es ist ja zunächst mal so, dass wir in Deutschland bereits viele Akteure haben, die sich kompetent im Thema „Europa“ bewegen und über einen großen Erfahrungsschatz und viel Know-how verfügen. Das sind Einrichtungen und Organisationen auf allen Ebenen und in vielen Handlungsfeldern, dazu natürlich auch die Förderer internationaler Jugendarbeit wie die Jugendwerke oder die bilateralen Koordinierungsstellen. Hier liegt eben der Sinn des Fachprogramms Europa auf dem DJHT: Zusammenkommen, Kennenlernen, Austauschen, Diskutieren, Ideen haben.

Europa, um auf die Frage zurück zu kommen, hat der Kinder- und Jugendhilfe einiges zu bieten. Und warum überhaupt Europa? Wir denken, weil die Vermittlung europäischer Realitäten und die Entwicklung eines europäischen Bewusstseins zu einem gelingende Aufwachsen junger Menschen fest dazu gehört. Über die kulturelle Vielfalt des Kontinents, das Ringen um gemeinsame Werte, seine Sprachen, Vielfalt der Alltage, der Arbeitswelten und Probleme müssen wir an dieser Stelle nicht lange reden. Politisch gesehen, haben wir es mit dem neuen EU-Programm Erasmus+ geschafft, die Relevanz der nicht formalen und informellen Bildung betont und gefördert zu sehen. Und das zusammen und größtenteils im Einklang mit den anderen Bildungsbereichen. Davon kann eben auch die Vielfalt der Akteure im System der deutschen Kinder- und Jugendhilfe profitieren.

Mit dem neuen EU-Programm Erasmus+ gibt es ein finanziell relativ gut ausgestattetes Instrument, um die europäische Dimension ganzheitlicher erfahrbar und nutzbar zu machen. Wenn man sich dafür entscheidet, seine Organisation und die Jugendlichen im eigenen Arbeitsumfeld nach Europa mitzunehmen, merkt man schnell, dass das vielzitierte „Lernfeld Europa“ für junge Menschen tatsächlich existiert und Wirkungen zeigt. Das gilt so auch für Fachkräfte. Deren Qualifizierung für europabezogene Arbeit zu fördern, europäische Zusammenarbeit und Vernetzung aufzubauen und Erfahrungen und Erkenntnisse aus der europäischen Fachpraxis kennenzulernen, zu diskutieren und aufzugreifen: das alles ist mit Erasmus+ JUGEND IN AKTION möglich.

Denn das Programm ermuntert zu einer Entwicklung, die weg von Einzelprojekten hin zu „Europäisierungsstrategien“ führt, das heißt zu Strategien, mit denen Träger und Organisationen ihre Arbeit, ihre partnerschaftliche Vernetzung und eine verstärkte Sektor übergreifende Zusammenarbeit im Sinne der oben genannten Zielsetzungen ausrichten und so ein „Mehr Europa“ realisieren können.

Auf dem 15. DJHT gibt’s dazu Beispiele, Foren, Expert/-innen, Beratung und einen guten Kaffee ...oder Tee.

Fachkräfteportal:
Geht es ausschließlich darum, welche Rolle Europa in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe spielt oder auch darum, einen Einblick zu nehmen in die Jugendarbeit in anderen europäischen Ländern?

Frank Peil:
Wie eben gesagt, hat auch die deutsche Kinder- und Jugendhilfe Europa einiges zu bieten. So vieles, was nun unter dem Stichwort „Europa in der Kinder- und Jugendhilfe“ auf dem 15. DJHT im Europa-Angebot steht, beruht auf dem, was Organisationen und Einrichtungen inhaltlich und organisatorisch dazu beigetragen haben. Ohne dieses Engagement würde es kein Fachprogramm Europa geben. Schon hier sieht man: Das eine geht nicht ohne das andere.

Daher sind wir besonders froh, dass es gelungen ist, für den DJHT engagierte Fachkräfte und jugendpolitisch Handelnde aus ganz Europa zu gewinnen. Nahezu alle Angebote des Fachprogramms Europa wurden unter Beteiligung der jeweiligen internationalen Partner vorbereitet und werden gemeinsam mit diesen auf dem DJHT realisiert. Sicherlich geht es dabei oft um Einblicke in die Umsetzung spezifischer Handlungsfelder in anderen Ländern und um konkrete Kooperationsmöglichkeiten und nicht so sehr um einen generellen Überblick über die Gesamtsituation in anderen Ländern. Die lernt man natürlich oft durch die Brille des Partners kennen.                                                                                                                                                                                                                                                     
Fachkräfteportal:
Welche besonderen Highlights haben Besucher/-innen zu erwarten?

Frank Peil:
Als Teil des Orgateams für das Fachprogramm halte ich mich mal mit meinen persönlichen Highlights zurück. 34 Veranstaltungen im Fachprogramm Europa sind jede für sich ein Highlight, denn - wie gesagt - hier präsentieren sich Organisationen aus verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe mit ihren Europaprojekten und Erfahrungen, ihren internationalen Partnern und ihren Vorhaben. Dazu gibt es viele Aktivitäten an den Ständen der 23 Aussteller auf dem Marktplatz Europa und 15 Aktionen auf der zentralen Europabühne in Halle 3.

Am besten ist, man macht sich selbst ein Bild von den Angeboten auf der Webseite www.djht-europa.de und stellt sich seinen persönlichen DJHT-Europa-Plan zusammen.

Fachkräfteportal:
Werden aktuelle jugendpolitische Probleme wie die hohe Jugendarbeitslosigkeit oder aktuelle zivilgesellschaftliche Konflikte wie in der Türkei und der Ukraine, an denen Jugendliche ganz wesentlich beteiligt sind, eine Rolle spielen innerhalb des Fachprogramms?

Frank Peil:
Definitiv ja, hier gibt es z.B. eine Veranstaltung von IJAB im Fachprogramm zum Thema „Jugendpolitische Zusammenarbeit mit der Türkei – Stärkung der Zivilgesellschaft? Eine Innensicht“, die spannende Diskussionen verspricht.

Was den Konflikt in der Ukraine angeht, muss ich leider sagen, nein, dazu wird es keine dezidierte Veranstaltung im Rahmen des Fachprogramms Europa geben. Ich lade dazu ein, die Geschehnisse und die eigenen Gedanken dazu mitzunehmen und einzubringen, wenn es darum geht, was für uns Europa bedeutet, mit welchen Werten und Vorstellungen eines friedlichen Zusammenlebens wir die Zukunft mitgestalten wollen.

Das gilt übrigens auch für die Jugendarbeitslosigkeit. Geht es da nicht auch um die Frage einer friedlichen und menschenwürdigen Zukunft in Europa? Konkret am Thema sind hier im Fachprogramm übrigens das Jobcenter Mayen-Koblenz mit dem IKAB e.V. sowie der AGJ-Fachausschuss mit zwei Veranstaltungen am Donnerstag dabei.

Mehr Informationen

Das Europa-Programm auf dem 15. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2014  

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