Kinder- und Jugendhilfetag / Hilfen zur Erziehung

Diakonie Jugendhilfe Oberbayern: Cool und herzlich

Wer waren eigentlich die vielen Menschen in bayerischen Trachten, die auf dem 15. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag in Berlin unterwegs waren? Maria Reimer ist der Frage nachgegangen und ist auf die Diakonie Jugendhilfe Oberbayern gestoßen.

Von Maria Reimer

Von weitem schon sieht man das mit schwarzem Tuch verhangene, halboffene Zelt und hört den Wumms. Es ist Materia mit „OMG“. Für die in Jugendkultur unkundige Leserschaft: Marteria, der fast Fussballprofi beim SC Hansa Rostock geworden wäre, mischt Rap mit elektronischer Bassmusik und vereint die Hoffnung auf Coolness der gesamten deutschen Jugend auf sich. Vom Zelteingang aus fällt der Blick auf das überlebensgroße Plakat eines Rockers. Völlig klar: Dies ist der Messestand der Diakonie Jugendhilfe Oberbayern.

Die Diakonie Jugendhilfe Oberbayern gehört zur Diakonie Rosenheim. Die Diakonie hilft bei Suchtproblemen, stützt Arbeitslose und betreut Straffällige - und ist für Jugendhilfe zuständig. Hier kommt die Diakonie Jugendhilfe Oberbayern ins Spiel, die im Großraum München tätig ist.

Die Hilfen zur Erziehung sind im Gesetz festgeschrieben. Wenn Kinder und Jugendliche gefährdet sind, wenn sie seelische Behinderungen oder Traumata haben, wenn sie hilfsbedürftig oder benachteiligt sind, dann muss ihnen geholfen werden. Die Diakonie wird nicht selbst tätig, sondern handelt im Auftrag der Jugendämter. Entsprechend umfangreich ist ihr Angebot: Sie macht begleitetes Wohnen, betreut minderjährige Flüchtlinge, bietet Kindern und Jugendlichen auf der Flucht vor gewalttätigen Eltern so genannte Schutzstellen, ist in den frühen Hilfen für die 0- bis 3-Jährigen aktiv, kümmert sich um minderjährige Mütter und öffnet die Türen ihrer Jugendwerkstätten für eine geschützte Ausbildung. Darüber hinaus betreibt die Diakonie Jugendhilfe Oberbayern im Rahmen ihres kommunalen Angebots Kitas und Krippen.

Dieses riesige Angebot der Diakonie Jugendhilfe Oberbayern erklärt, woher all die Menschen in Trachten herkommen, die auf dem DJHT unter den abertausend Besuchern immer wieder auffallen. „Ja, wir sind mit 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angereist“, lacht die Psychologin, die mir die Arbeit ihrer Organisation erklärt. Als Arbeitskleidung auf dem DJHT war die Tracht „erwünscht“. Ingesamt arbeiten um die 1400 Menschen an 278 Standorten für die Diakonie Jugendhilfe Oberbayern.

Ich frage meine Gesprächspartnerin, was sie motiviert. Sie zeigt auf die Plakate, die das gesamte Zelt ausschmücken. Neben dem Rocker und all den anderen auf den Postern abgebildeten Personen steht eine Frage: „Ist es das, was uns treibt, das, was wir wollen, oder das, was wir tun?“ Die Psychologin sagt: „Ich arbeite seit 17 Jahren für die Diakonie, und es macht mir immer noch Spaß. Wir packen gesellschaftliche Herausforderungen an. Manchmal sind wir auch Vorreiter, reagieren also nicht nur. Und: Bei uns können die Jugendlichen andocken.“

Und was macht sie stolz? „Bei uns duzen sich vom Chef bis zur Putzhilfe alle. Und stolz...“ Der Begriff ist in Deutschland schwierig. Sie weiß es, und ich weiß es auch. „Stolz bin ich, ja, auf unsere Werte. Wir setzen uns für Toleranz und Humanität ein. Das berührt mich, und dafür möchte ich mich in meinem Leben einsetzen.“

Auf dem Weg zum Ausgang des Zeltes treffe ich auf die PR-Dame der Diakonie. Auf meine Frage zur Musikauswahl sagt sie: „Es gibt so viele Träger, da muss man sich abheben.“

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