Echte Männer reden: Caritas im Bistum Münster will Gewaltberatung für Männer ausbauen
Münster, Stadt
Münster/Hamm/Herten (cpm). Ein stressiger Arbeitstag, eine Serie von Pech und Pannen oder einfach nur ein schlechter Tag - schon passiert es: Die Hand rutscht aus. Scham, Reue und das Versprechen, nie wieder zuzuschlagen, folgen auf der Stelle. Aber der gute Vorsatz hält nicht immer. Damit die Reue der Gewalt tatsächlich ein Ende setzt, bietet die SKM-Gesellschaft des Caritasverbandes für die Stadt Münster seit sechs Jahren eine Krisen- und Gewaltberatung für Jugendliche und Erwachsene an. Seit 2008 berät Andreas Moorkamp auch beim Katholischen Sozialdienst (KSD) in Hamm und bei der Caritas Herten. Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr. "Wir halten einen Ausbau des Netzwerks Gewaltberatung für notwendig", erklärte Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann am Mittwoch in Münster. Mit der Koordinierung des Projekts, dessen Start der Diözesancaritasverband finanziell unterstützt hat, hat er Dr. Bernhard Hülsken beauftragt, der auch Ansprechpartner der Mitarbeiter vor Ort ist.

Gewalttätige Männer gibt es in jeder Bevölkerungsschicht. "Alter, Bildung, Einkommen oder ähnliches spielen dabei keine Rolle", sagt Andreas Moorkamp aus seiner mehrjährigen Erfahrung: "Es gibt kein typisches Täterbild. Auch die nach außen hin vollkommen harmlos wirkenden, treusorgenden Familienväter können die Kontrolle verlieren und zum Täter werden." Gewalt innerhalb der Familie, gegen Frauen und Kinder, sei sowohl die am weitesten verbreitete und zugleich die am wenigsten thematisierte Form der Gewalt.

Moorkamp unterstützt die hilfesuchenden Männer, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Nur sie als Täter seien dazu in der Lage. Dafür konfrontiert er die Männer mit ihren Handlungen und deren Konsequenzen. Deutlich müsse ihnen werden, dass niemand anderes als sie selbst die Verantwortung für ihre Gewaltausbrüche trügen.

Die breite Berichterstattung über das Angebot und eine zunehmende Offenheit der Gesellschaft für das Thema haben die Fallzahlen in den letzten Jahren deutlich steigen lassen. Zählte Moorkamp in 2006 noch 161 persönliche Beratungen, waren es im vergangenen Jahr bereits 466. Genau verdoppelt haben sich die telefonischen Beratungen von 16 auf 32. Statt 18 meldeten sich im letzten Jahr 81 ratsuchende Männer bei Moorkamp.

Unter dem Leitsatz "Echte Männer reden" können sich die Männer, die sich eingestehen ein Problem zu haben und das Vertrauen ihrer Familie aufs Spiel zu setzen, rund um die Uhr helfen lassen. Anonymität sichert Moorkamp zu. Die Beratung ist kostenpflichtig und richtet sich nach dem Einkommen der Hilfesuchenden.

Geld muss allerdings auch die Caritas in die Hand nehmen und über Kostenträger, Sponsoren und Spender zusammen tragen, um zum Beispiel die Ausbildung weiterer Gewaltberater zu finanzieren. Außerdem sind die Gebühren nicht kostendeckend.

Quelle: Diözesan-Caritasverband Münster
Beratungseinrichtung, Gewalt, Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Kinder, Gewaltprävention, Jugendliche/-r, Mann, Täter/-in
ilja.koschembar@agj.de
19.03.2010
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