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Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Prof. Dr. Sabine Andresen, TNS Infratest Sozialforschung
Kinder in Deutschland
1. World Vision Kinderstudie
Fischer (Tb.), Frankfurt
broschiert, 352 Seiten
ISBN-10: 3596177200
ISBN-13: 978-3596177202

Soziale Herkunft entscheidet über Zukunft der Kinder

Laut der 1. World Vision Kinderstudie ist das sprichwörtliche "ganze Dorf" gefordert

Das Forscherteam ist ein bewährtes, es führt seit Jahren die renomierte Shell-Studie durch. Die nun vorgestelle 1. World Vision Kinderstudie versteht sich als "kleiner Bruder" der bekannten Shell-Studie. Die Bielefelder Wissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann und Prof. Dr. Sabine Andresen haben zusammen mit einem Team von TNS Infratest Sozialforschung München die Lebenssituation der Kinder in Deutschland untersucht. Die Befragung wurde bundesweit mit fast 1.600 Kindern im Alter zwischen 8 und 11 Jahren durchgeführt. Sie ist eine repräsentative Studie und unterscheidet sich dadurch vom kürzlich veröffentlichten LBS-Kinderbarometer. Die Studie wird als Fischer Taschenbuch unter dem Titel "Kinder in Deutschland 2007“ veröffentlicht.

Die gute Nachricht zuerst: Die World Vision Kinderstudie zeigt, dass es vielen Kindern in Deutschland gut geht und sie mit ihrem Lebensumfeld zufrieden sind. Sie zeigt aber auch, dass es entscheidend für das ganze Leben ist, in welche Gesellschaftsschicht ein Kind hineingeboren wird. "Die schlechteren Startchancen von Kindern aus den unteren Herkunftsschichten prägen alle Lebensbereiche und wirken wie ein Teufelskreis. Wie ein "roter Faden“ zieht sich eine Stigmatisierung und Benachteiligung dieser Kinder durch das ganze Leben hindurch“, so der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann.

"Kinder aus den unteren Schichten sind häufig auf sich allein gestellt. Daher bedarf es des Engagements des ganzen Dorfes, um ein Kind stark zu machen, wie ein altes afrikanisches Sprichwort lautet.“
Dabei haben die Forscher erstaunliches herausgefunden: 13 Prozent aller Kinder gaben an, mit der Zuwendung durch die Eltern unzufrieden zu sein und zu wenig Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse zu bekommen. Bei Kindern von arbeitslosen Eltern liegt der Anteil der Unzufriedenen erheblich höher, als bei Kindern, deren Eltern erwerbstätig sind: Ein Drittel gab an, mit der Zuwendung der Eltern unzufrieden zu sein. Dafür ist in solchen Familien der Medienkonsum größer. "Arme Kinder glotzen länger" titelte dazu die Berliner "taz".

Die Kindheitsforscherin Prof. Dr. Sabine Andresen hebt hervor: "Die 1. World Vision Kinderstudie zeigt auch sehr deutlich, dass Kinder sensible und wache junge Gesellschaftsmitglieder sind, die durchaus selbstbewusst eigene Lebensperspektiven entwickeln. Sie fühlen sich im Alltag aber oft nicht ernst genommen. So glaubt ein Großteil der Kinder, dass sich Politiker eher mangelhaft für ihre Belange einsetzen. Auch in der Schule fühlen sich viele Kinder nicht ernst genommen und bemängeln hier die ungenügende Beteiligung.“
Zu ähnlichen Ergebnissen war auch schon das LBS-Kinderbarometer gekommen. Das Recht auf Schutz der eigenen Intimsphäre und der Meinungsäußerung waren demnach die am häufigsten verletzten Rechte aus der Sicht der Kinder.
Kinder sind, wie die Studie dokumentiert, selbständige Individuen mit eigenen Interessen und wissen sehr wohl, was sie wollen.

"Damit Kinder zu mündigen Bürgern unserer Gemeinschaft heranwachsen können, müssen wir alle, also das ganze "Dorf" für das Wohlergehen unseres Nachwuchses sorgen. Kinder sollten so früh wie möglich mitreden können, wenn es um Belange geht, die sie selbst betreffen“, so Prof. Hurrelmann. “Mütter und Väter brauchen mehr Rückhalt in unserer Gesellschaft. Immer mehr Eltern sind mit den schulischen Anforderungen ihrer Kinder überfordert. Daher müssen alle Institutionen und Bereiche unserer Gesellschaft mithelfen, um unsere Kinder stark zu machen.“

ch

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