Fernsehen und Verhältnis zur Mutter prägen Teenager und deren Einstellung zum Sex

Eine neue Studie belegt, Fernsehkonsum und mütterliches Verhältnis wirken sich auf Jungen und Mädchen unterschiedlich aus.

Ein Fernseher
Bild: Susanne Becker  Lizenz:

Kann das Verhältnis zur Mutter Jugendliche davor bewahren, dass sich Fernsehen negativ auf ihr Sexualverhalten auswirkt? Dieser Frage gingen jetzt Laura Vandenbosch und Steven Eggermont von der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien nach. Das Ergebnis: Es kommt auf das Geschlecht an. Bei Mädchen hat ein gutes Verhältnis zur Mutter durchaus einen schützenden Effekt. Bei Jungen hingegen erhöht eine enge Mutterbindung eher die Wahrscheinlichkeit eines stereotypen Sexualverhaltens, so wie es im Fernsehen vorgelebt wird. Die neue Studie erscheint online im Springer-Journal Sex Roles.

Bisher hat die Forschung gezeigt, dass Sexualverhalten und sexuelle Verantwortung bei Heranwachsenden hauptsächlich von der Mutter beeinflusst werden. In der Studie von Vandenbosch und Eggermont geht es darum, inwieweit das Verhältnis zur Mutter negative Einflüsse des Fernsehens auf sexuelle Verhaltensweisen von Jugendlichen mindern kann. Untersucht wurde auch, ob die Mutterbindung bei Jungen und Mädchen denselben Effekt hat.
Die Wissenschaftler befragten 1.026 16-Jährige aus neun Schulen in Belgien. Befragt wurden die Jugendlichen zu ihrer Einstellung zu Sex, beispielsweise zum Thema Partnerbindung und One-Night-Stands; zu ihrer Meinung zu traditionellen Geschlechterrollen; zum wöchentlichen Fernsehkonsum und zur Intensität der Mutterbindung.

Im Schnitt saßen die jungen Leute pro Woche mehr als 23 Stunden vor dem Fernsehen, mehr als drei Stunden täglich. Insgesamt waren Jungen und Mädchen mit dem Verhältnis zur Mutter ganz zufrieden. Wie vorauszusehen war, entwickelten speziell die Jungen eine ausgesprochen lockere Einstellung zum Sex, je höher der Fernsehkonsum war; im Hinblick auf sexuelle Bedürfnisse und Dominanz des Mannes hatten sie eher klischeehafte Vorstellungen.
Insgesamt wirkte sich bei den Heranwachsenden die Mutterbindung positiv auf die Einstellung zum Sex aus. Je enger die Bindung an die Mutter war, desto verantwortungsbewusster und überlegter war die Haltung.

Betrachtete man den Einfluss von Fernsehen und Mutterbindung im Zusammenhang, hatte die Mutterbindung bei Jungen und Mädchen unterschiedliche Auswirkungen auf die Abhängigkeit zwischen Fernsehkonsum und Sexualverhalten. Die Mädchen schützte eine enge Bindung zur Mutter vor dem negativen Einfluss durch Fernsehens: Je enger das Verhältnis war, umso weniger anfällig waren sie für negative Einflüsse, z.B. für verantwortungsloses Sexualverhalten und der Meinung zu männlicher Sexsucht. Jungen hingegen machte eine enge Mutterbindung anfälliger für solche Verhaltensweisen.
Die Autoren: „Unsere Studie gibt einen ersten Einblick in die Wechselwirkungen von Fernsehkonsum, Mutterbindung und Geschlecht: Die Gefahr, dass sich der Fernsehkonsum negativ auf das Sexualverhalten auswirkt, ist im Fall einer engen Mutterbindung bei Jungen sehr viel größer als bei Mädchen.“

Quelle: Vandenbosch L & Eggermont S (2011). Maternal attachment, television viewing in adolescents‘ sexual socialization: differential associations across gender. Sex Roles. DOI 10.1007/s11199-011-0075-5

Redaktion: Anneli Starzinger

Kommentare (1)

Sonja Feierabend

Ich fände es interessant zu wissen, inwiefern auch die Väter und die Bindung zum Vater eine Rolle spielen. Ohne das zu berücksichtigen, schätze ich die Studie einfach mal als Verschwendung von Drittmitteln ein. Schade!
mfg

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